Banker-Drama

„Herrhausen – Der Herr des Geldes“: Lohnt sich die Mini-Serie?

02.10.2024, 12.39 Uhr
von TB
"Herrhausen – Herr des Geldes"
"Herrhausen – Herr des Geldes"  Fotoquelle:  ARD Degeto/rbb/hr/swr/Sperl Film und Fernsehproduktion GmbH/Tom Trambow

Das große Potenzial von Politserien haben bereits US-Produktionen wie „The West Wing – Im Zentrum der Macht“ oder „House of Cards“ bewiesen. „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ geht hier noch einen Schritt weiter. Denn die vierteilige Polit-Thriller-Serie basiert nicht nur auf wahren historischen Begebenheiten, sondern fokussiert sich auch auf eine reale Figur.

Worum geht es in der Polit-Thriller-Serie?

Im Mittelpunkt von „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ stehen die letzten Lebensjahre von Alfred Herrhausen. Als Vorstand der mächtigen Deutschen Bank scheint er Ende der 1980er-Jahre das natürliche Feindbild linker Kreise zu sein. Doch durch seinen Vorschlag, armen Ländern die Schulden zu erlassen, macht er sich auch unter Kollegen und in der Politik gewaltige Feinde. Herrhausen versucht einerseits, das eigene Geldhaus zu revolutionieren, mischt andererseits aber zudem als Vermittler für den deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl kräftig in der großen Politik mit. Derweil will die Terrororganisation RAF durch einen Anschlag ein Zeichen setzen. Hier scheint Herrhausen ein logisches Ziel zu sein.

In welchen Punkten kann „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ überzeugen?

Die Mini-Serie benutzt reale historische Ereignisse und kombiniert diese mit einer – manchmal kleinen, dann wieder etwas größeren – Prise Spekulation, um eine spannende, aber jederzeit glaubwürdige Geschichte zu erzielen. Dass das insgesamt so gut funktioniert, ist fraglos dem Drehbuch von Thomas Wendrich zu verdanken. Der hatte sich bei seinem mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Beitrag zur NSU-Trilogie „Mitten in Deutschland“ gekonnt mit dem Phänomen Terrorismus beschäftigt. Aber auch die Arbeit von Regisseurin Pia Strietmann, die bereits mehrere Folgen des Krimi-Flaggschiffs „Tatort“ inszenierte, überzeugt. Im Gedächtnis bleibt hier etwa die Parallelmontage der Beratungsgespräche von Terroristen im Libanon und Vorstandsmitgliedern der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Lob haben zudem die pointierten Dialoge und das bis in kleinste Details akkurate Produktionsdesign verdient. Last, but not least, liefert Oliver Masucci („Dark“), der die Titelfigur verkörpert, eine Glanzleistung ab. Der vielseitige Schauspieler trifft mit seiner hervorragenden Performance genau den richtigen Ton. Einerseits präsentiert er die Mischung aus Arroganz und Eloquenz, für die der Bankmanager bekannt war. Andererseits bringt er dem Publikum aber auch den Menschen Alfred Herrhausen näher.

Wo hat die Mini-Serie Schwächen?

„Herrhausen – Der Herr des Geldes“ ist fraglos eine der gelungensten Produktionen, die die ARD in diesem Jahr neu präsentiert. Allerdings wäre die Serie ohne einige merkwürdige (Tag-)Träume der Hauptfigur – bis hin zu einem sprechenden Raben – möglicherweise noch besser geworden. Wer mit der Materie vertraut ist, wird neue Erkenntnisse zum Fall „Herrhausen“ vermissen. Das muss eine Polit-Thriller-Serie natürlich nicht leisten. Wünschenswert wäre es aber gewesen, wenn sie wenigstens stärker auf einige der zahlreichen Aspekte eingegangen wäre, die gegen eine (alleinige) Urheberschaft der RAF am Anschlag auf Alfred Herrhausen sprechen. Hier lassen es die Macher nämlich nur bei zarten Andeutungen bewenden.

Wann ist „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ zu sehen?

Die TV-Premiere der Polit-Thriller-Serie findet am 1. Oktober 2024 in der ARD statt. Dann sind die ersten beiden Teile ab 20:15 Uhr zu sehen. Die finalen Folgen der Mini-Serie folgen dann zwei Tage später – leider jedoch erst ab 21:45 Uhr. Gleich im Anschluss sendet das Erste zudem eine sehenswerte Dokumentation über den umtriebigen Banker. Alle Folgen der Serie sowie die Doku sind auch in der Mediathek der ARD verfügbar.

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