Lohnt sich das Remake?

Ronja Räubertochter ist zurück, und diesmal als Serie!

25.12.2024, 06.00 Uhr
von John Fasnaugh

Zum Donnerdrummel! 40 Jahre nach dem heiß geliebten Originalfilm zeigt das Erste an Weihnachten eine Neuinterpretation von "Ronja Räubertochter" als sechsteilige Serie. 

ARD
Ronja Räubertochter
Abenteuer • 25.12.2024 • 20:15 Uhr

Als Ronja zum ersten Mal in einer stürmischen Donnerdrummel-Nacht im Turm der kahlen Mattisburg zur Welt kam, war ihre wahre Mutter bereits 74 Jahre alt. Als eines der spätesten Werke von Astrid Lindgren zählt "Ronja Räubertochter" (1981) zugleich zu ihren beliebtesten. Auch der Film von 1984, inszeniert von Tage Danielsson, gilt bis heute als großer Klassiker der Kinder-Unterhaltung – neben dem alten "Michel aus Lönneberga" und der "Pippi Langstrumpf"-Reihe mit Inger Nilsson ist "Ronja Räubertochter" wohl die populärste Verfilmung eines Lindgren-Stoffs überhaupt.

Große Fußstapfen also für eine neue, modernere Ronja, die jetzt im ARD-Weihnachtsprogramm über den Bildschirm tollt – statt eines Spielfilms ist es diesmal eine sechsteilige Serie.

Gelungenes Remake? 

Ein Remake von "Ronja Räubertochter"? Da werden viele Kinder der 80-er direkt reflexartig schimpfen wie damals im Originalfilm die kleinen Rumpelwichte, als die junge Heldin ihnen versehentlich aufs Miniaturdach stieg: "Wieso denn bloß, wieso denn bloß!?" Die Kids von heute hingegen, die sich erfahrungsgemäß viel weniger für kultige Kinderfilme aus den 70-ern oder 80-ern begeistern, als ihre Eltern es sich wünschen, werden die neue Ronja schnell ins Herz schließen.

Lovis (Krista Kosonen) in den Wehen, Räuberhauptmann Mattis (Christopher Wagelin) als werdender Papa in heller Aufregung, dazu die unheilvoll über dem Turm kreisenden Wilddruden und dann der Blitz, der die Burg mit Geburt des Kindes in zwei Hälften spaltet: Die ersten Szenen wirken beinahe wie eine Eins-zu-eins-Kopie des Films von 1984 – eine von mehreren charmanten Verneigungen vor der übergroßen Vorlage. Aber vieles läuft im weiteren Verlauf dann doch anders, allein schon aufgrund des Formats.

Mehr Spannung und Action 

Wo in den 120 Minuten von 1984 vieles noch arg verkürzt wirkte, ist jetzt mehr Raum zum Erzählen. Eine gute Sache, schließlich erlebt Ronja (Kerstin Linden) innerhalb und außerhalb der Burgmauern eine ganze Menge – vom ersten Auszug in den wilden Mattiswald mit all seinen wundersamen Geschöpfen über die komplizierte Freundschaft mit Birk (Jack Begenholz Henriksson), dem Sohn von Mattis' Erzfeind Borka (Sverrir Gudnason), bis zu der Episode, als Ronja in eine Bärenhöhle zieht.

Ein bisschen ausgeschmückt und ergänzt wird in den sechs Episoden (jeweils circa 45 Minuten) auch. Der Vogt (Peter Vitanen) und seine Landsknechte etwa, die Mattis und Borka mitsamt ihren Räuberbanden aus dem Wald verscheuchen sollen, fanden in bisherigen "Ronja Räubertochter"-Versionen nur indirekt statt. Hier bekommen sie und ein paar neue Figuren nun ihren eigenen Erzählstrang, der zusätzlich Action und Spannung in die Geschichte (empfohlen für ein Publikum ab zehn Jahren) bringt.

Hauptdarstellerin setzte sich gegen 4.000 Ronja-Kandidatinnen durch

Eine aufregende, fantasievolle Geschichte von Freundschaft, Selbstfindung und großer Abenteuerlust: Das Team um Regisseurin Lisa James Larsson und Drehbuchautor Hans Rosenfeldt macht vieles richtig mit seiner international produzierten Neufassung von "Ronja Räubertochter" und erzeugt auch über die gesteigerten Produktionsmittel, die heute natürlich ganz andere sind als vor 40 Jahren, echten Mehrwert.

So verzaubert "Ronja Räubertochter" in der Serienform immer wieder mit sensationell fotografierten nordischen Naturkulissen (Kamera: Frida Wendel), die es so im Film von Tage Danielsson noch nicht gab, und auch beim Casting bewies man ein gutes Händchen – vor allem mit der Hauptrollen-Besetzung von Lockenschopf Kerstin Linden, die sich gegen 4.000 andere Kandidatinnen durchsetzte und eine erstklassige moderne Räubertochter gibt. Ein bisschen vermisst man als alter "Ronja"-Fan vielleicht die Raufereien, das ständige Gefluche der Räuber und den derben anarchischen Witz von einst. Gerechtfertigt ist so eine zeitgemäß geschliffene Neuinterpretation nach 40 Jahren aber allemal. Vielleicht war sie sogar überfällig.

Die ersten drei Episoden von "Ronja Räubertochter" sind am ersten Weihnachtsfeiertag ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen, die Episoden vier bis sechs folgen am zweiten Weihnachtsfeiertag um 18 Uhr. Bereits ab 20. Dezember ist die komplette erste Staffel in der ARD Mediathek abrufbar. Eine zweite Staffel soll bereits im Frühjahr 2025 folgen. Und wer sich wirklich gar nicht auf die neue Ronja einlassen kann: Die alte ist ja auch nicht aus der Welt. Nach mehreren TV-Ausstrahlungen in der (Vor-)Weihnachtszeit kann der Originalfilm bis Mitte Januar über die ZDF Mediathek gestreamt werden.

Ronja Räubertochter – Mi. 25.12. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das könnte dich auch interessieren