Carlos Saura

Carlos Saura (r.) mit Andrés Pajares am Set von "Ay 
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Carlos Saura (r.) mit Andrés Pajares am Set von "Ay Carmela! - Lied der Freiheit" 
Carlos Saura
Geboren: 04.01.1932 in Huesca, Spanien

Carlos Saura, Sohn eines Rechtsanwalts und einer Pianistin, zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten und einflussreichsten Regisseuren Europas. Nach seinem Abitur studierte er von 1950 bis 1953 Ingenieurwesen. Seit 1949 beschäftigte er sich intensiv mit Fotografie, er arbeitete an Fachzeitschriften mit, trat der avantgardistischen Künstlervereinigung "Tendencia" bei und stellte seine Arbeiten verschiedentlich aus. Mit 18 Jahren war er bereits ein anerkannter professioneller Fotograf, schrieb sich 1953 an der Filmhochschule in Madrid ein, an der er bis 1963 als Dozent blieb. Erste Vorbilder hatte Saura in Regisseuren wie Sergej Eisenstein oder Pudowkin, dem deutschen Expressionisten und den italienischen Neorealisten wie Michelangelo Antonioni und Luchino Visconti.

Nach einigen Kurzfilmen und einem mittellangen Dokumentarfilm drehte er 1960 seinen ersten abendfüllenden Spielfilm "Die Straßenjungen" über eine Gruppe Halbstarker, die der Armut entfliehen wollen, indem sie mit Raububerfällen einem von ihnen die Ausbildung zum Stierkämpfer ermöglichen wollen. Der Film scheint eher vom italienischen Neorealismus beeinflusst; erst später adaptierte Saura viel vom Surrealismus' Luis Buñuels in seinem eigenen Werk. Obwohl der Film beim Filmfestival Cannes lief, fand er erst zwei Jahre später einen Verleih. In Cannes lernte Saura auch Buñuel kennen und freundete sich mit ihm an. So war auch Saura daran beteiligt, Buñuel dazu zu überreden, wieder in Spanien zu drehen. Doch der Film "Viridiana" wurde zu einer Staatsaffäre: Der Leiter des Filmwesens wurde gefeuert und der Film kurzerhand verboten. Da der spanische Co-Produzent dieses Films, Pedro Portuhella, ebenfalls Sauras "Straßenjungen" produziert hatte, war auch Saura von der Angelegenheit betroffen. Er konnte erst 1963 seinen zweiten Spielfilm "El Cordoba - Schrei des Rebellen" realisieren. Darin übernahm Buñuel die Rolle eines Henkers.

Erst mit seinem dritten Spielfilm "Die Jagd" (1966) gelang Saura dann der internationale Durchbruch. Wie später viele seiner weiteren Filme diente der metaphernreiche Psychothriller über eine Jagdgesellschaft, die sich schließlich gegenseitig umbringt, als Allegorie auf Männlichkeitsrituale und die Unmoral des spanischen Bürgertums unter dem faschistischen Franco-Regime. Für "Die Jagd" wurde Saura bei den Berliner Filmfestspielen mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet. Sauras Reputation stieg von Film zu Film, wobei die strengen Zensurbestimmungen den liberalen Filmemacher dazu zwangen, Gesellschaftskritik hinter einem fein gesponnen Netz aus Symbolen, Träumen, Hinweisen und Parabeln zu verstecken. Doch es kam auch häufig vor, dass er Filme komplett umschneiden musste, um der Zensurbehörde gerecht zu werden. Viele seine Drehbücher wurden auch erst gar nicht genehmigt. Bei dem Film "Cousine Angelica"(1973) gab es Auseinandersetzungen mit rechtsgerichteten Gruppen und in Barcelona explodierte während einer Auffürung im Kino gar eine Bombe.

Wichtig war für Saura während seiner Laufbahn sicherlich die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Elias Querejeta, der ihn unterstützte und förderte, sowie mit Geraldine Chaplin, mit der Saura einige Jahre zusammenlebte und die in seinen Filmen (u.a. "Züchte Raben", 1976, und "Elisa, mein Leben", 1977) ihre vielleicht besten Rollen spielte. Weitere Auszeichnungen gewann Saura u.a. für "Peppermint Frappe" (1967, Silberner Bär Berlin, beste Regie), die sexuelle Studie eines tödlich endenden Dreiecksverhältnisses, für "Cousine Angelica" (1973, Jury Preis Cannes), die bittere Billanz der spanischen Geschichte seit dem Bürgerkrieg, für "Züchte Raben" (Spezialpreis der Jury, Filmfestspiele Berlin), das entlarvende Porträt einer spanischen Patrizierfamilie, für "Los Tempo!" (1980, Goldener Bär, Berlin), einen ergreifenden semidokumentarsichen Spielfilm über eine jugendliche Straßenbande in einer trostlosen Trabantenstadt Madrids.

Für seinen wohl bekanntesten Film, das farbenfrohe und emotionsgeladene Tango-Spektakel "Carmen" (1983) erhielt Saura einen BAFTA. "Carmen" ist der zweite Teil einer Musical-Trilogie (mit "Bluthochzeit" - 1981 - und "Liebeszauber" - 1986), die Saura mit dem Tänzer und Choreographen Antonio Gades entwickelte und die viel dazu beitrug, Saura den Ruf des wohl spanischsten aller spanischen Regisseure einzubringen. 1957 heiratete Saura Adela Medrano mit der er zwei Kinder hat, die Söhne Carlos - geboren 1958 - und Antonio - 1960. Während der Dreharbeiten zu "Peppermint Frappé" verliebte er sich in Geraldine Chaplin, mit der er bis 1979 zusammenlebte und einen weiteren Sohn, Shane - geboren 1974 -, hat. Aus seiner dritten langjährigen Beziehung mit Mercedes stammt der vierte Sohn Manolo (1979).

Weitere Filme von Carlos Saura: "Stress zu dritt" (1968), "Höhle der Erinnerungen" (1969), "Garten der Lüste" (1970), "Anna und die Wölfe" (1972), "Mit verbundenen Augen" (1978), "Mama wird 100 Jahre alt" (1979), "Zärtliche Stunden" (1982), "Antonieta" (1982), "Zeit der Illusionen" (1984), "El Dorado - Gier nach Gold" (1988), "Ay Carmela! - Lied der Freiheit" (1990), "Der Süden" (1991), "Sevillanas" (Dokumentation, 1992), "Dispara!" (1993), "Flamenco" (1995), "Im Schutz der Nacht" (1996), "Kleiner Vogel" (1997), "Tango" (1998), "Goya in Bordeaux" (1999), "Buñuel y la mesa del rey Salomón" (2001), "Salomé" (2002), "El séptimo día" (2004), "Iberia" (2005), "Fados" (2007), "Ich, Don Giovanni" (2009), "Flamenco, Flamenco" (2010).

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