Elia Kazan

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Elia Kazan entdeckte Marlon Brando und James Dean
Elia Kazanjoglou
Geboren: 07.09.1909 in Konstantinopel/Istanbul, Osmanisches Reich (heute Türkei)
Sternzeichen: Jungfrau
Gestorben: 28.09.2003 in New York, USA

Die Sehnsucht nach dem gelobten Land Amerika treibt den armen anatolischen Jungen von Konstantinopel über das große Meer, und die Ernüchterung kommt schon auf der langen beschwerlichen Schiffsreise. In seinem halbbiographischen Filmepos "Amerika, Amerika - Die Unbezwingbaren" (1963/64) beschreibt Elia Kazan Traum und Realität des Elia Kazanjoglous, der als Sohn eines armenischen Teppichhändlers 1909 in Konstantinpopel geboren wird, vier Jahre in Berlin lebt und schließlich als kleiner Junge mit seinen Eltern nach New York zieht. Dort geht nach beschwerlichen Jugendjahren der Traum eines wildbewegten Lebens in Erfüllung. Dichtung und Wahrheit, Film und Wirklichkeit kreuzen den Weg des jungen Einwanderers.

Dieses Kino-Epos ist eine filmische Bilanz, in der der Theater- und Filmregisseur den Traum vom schönen amerikanischen Leben als Selbstbetrug preisgibt. Und in seinem nächsten Film "Das Arrangement" (1969) kommt der blanke Zynismus via Fernsehen: Eddies Werbespot "Leben sie gut, leben sie mit einer Zephir-Zigarette" steht zwischen dem Countdown in Kap Kennedy und einer Vietnam-Dokumentation. Kazan sagt: "Ich fühle immer anders als die Menge. Ich meine immer, ich würde nach oben getrieben. Man mag es neurotisch nennen, aber ich meide immer den Weg, den jeder geht - und das wird bisweilen missverstanden."

Kazan, der Individualist, der eigenbrötlerische Starrkopf. Schon früh haben seine unkonventionellen Bühnen- und Filmarbeiten kulturgeschichtliche Bedeutung. Sie sind amerikanisch, setzen sich aber von der amerikanischen Konvention ab. Kazan studiert Theaterwissenschaft, kommt zum berühmten Group-Theatre und arbeitet als Inspizient und Requisiteur, später als Regisseur für alternative New Yorker Theatertruppen wie der "League of Workers" oder "Theatre of Action", gemeinsam mit Clifford Odetts, Nicholas Ray und Martin Ritt.

Elia Kazan ist aktiv tätig für die Kommunistische Partei, der er von 1934 bis 1936 angehört. Mit Filmen wie "Pie in the Sky" versuchen er und seine Freunde, die schwache Partei-Kasse aufzufüllen. Mit dem Broadway-Erfolg von Thornton Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen" zählt Kazan zur New Yorker Theaterprominenz. Die Freundschaft mit Tennessee Williams hilft beiden: Kazan inszeniert "Endstation Sehnsucht" an der Bühne, erfolgreicher aber wird der Endstation Sehnsucht.

Ist Elia Kazan - wie Williams sagt -"der unamerikanischste Amerikaner", ein erfolgreicher Außenseiter, so hat er gleichermaßen ein Verhältnis zur Avantgarde wie zum Konservativen. Seine Autoren sind Tennessee Williams, Bud Schulberg und Arthur Miller, aber auch John Steinbeck. 1952 ist Kazan schließlich so von der Kommunistischen Partei enttäuscht, dass er in der New York Times dazu aufruft, "die Roten" dem McCarthy-Komitee anzuzeigen. Und vor dem Komitee sagt er als Gegner seiner ehemaligen Freunde aus, eine äußerst fragwürdige Episode in seinem Leben. Viele Jahrzehnte später kam es deswegen bei der Oscar-Verleihung 1999 beinahe zum Eklat. Als ihm der Life Achievement Award verliehen wurde, versagten ihm einige der Showgäste, unter ihnen Ed Harris und Nick Nolte, sowohl Standing Ovation als auch Applaus in irgendeiner Form. Bei den meisten hatte sich jedoch Respekt vor dem unbestreitbar großartigen Lebenswerk Kazans durchgesetzt.

Nach der McCarthy-Ära wandelt sich Elia Kazan, gibt in dem selbst produzierten Außenseiter-Film "Die Besucher" über den privaten Terror zweier Vietnam-Veteranen ein sehr engagiertes, persönliches Zeugnis ab. Ein Kämpfer ist Kazan jedoch nie, in ihm streiten ständig der Grieche mit dem Amerikaner wie auch der Konservative mit dem Avantgardisten.

1977, als er seinen letzten großen Film - "Der letzte Tycoon" (1975) - vorstellt, wirkt er resigniert, erschöpft, in sich gekehrt. Die große Zeit mit Lee Strasberg und Erwin Piscator am Actor's Studio ist vergessen, wie die großen Entdeckungen, jenen Marlon Brando, von dem jeder sagt, der sei grenzenlos unbegabt, das Naturkind James Dean, das zum Idol Amerikas wird, und Warren Beatty, Star in "Bonnie und Clyde", der bei Kazan in "Fieber im Blut" (1960) seine erste Hauptrolle spielt.

Kazan repräsentiert eine wesentliche Seite des Bürgers: In vielen seiner Filme geht es um den amerikanischen Staatsbürger. So sagt Stanley Kowalski/Marlon Brando in "Endstation Sehnsucht" (1951): "Ich bin kein Pollak, ich bin Amerikaner!" und der Anwalt mit der aufrechten Frau in "Bumerang" (1946) ist einer dieser aufrechten Figuren, wie "Der junge Lincoln" von John Ford. Kazans Bild vom Amerikaner setzt sich aus dem zusammen, was an positiven Kräften aus den verschiedenen Nationalitäten hervorgeht.

Typische Kazan-Szenen, die man - einmal gesehen - in Erinnerung behält: Marlon Brando als Stanley Kowalski ruft in "Endstation Sehnsucht" vor seinem Haus verzweifelt nach seiner Frau Stella. Als Terry Malloy wird Brando in "Die Faust im Nacken" (1954, acht Oscars, unter anderem bester Film und beste Regie) in den Docks von New York immer wieder niedergeprügelt, und jedesmal steht er wieder auf; James Dean ringt als Cal in "Jenseits von Eden" (1955) um die Liebe seines Vaters, doch der zieht den Bruder Aron vor. Oder die kräftig konturierten Frauengestalten wie Vivian Leighs Blanche in "Endstation Sehnsucht", Carroll Baker in "Baby Doll" (1956) oder Natalie Wood, die als Deanie in "Fieber im Blut" (1961) in Warren Beatty/Bud verliebt ist. Gesichter, Gesten, Individuen, die um eine Würde ihres Lebens ringen, und Elia Kazan gibt ihnen immer die Hoffnung, daß sich ihr Kampf lohnt, dass es ihnen gelingen wird, eine "Gute Gesellschaft" herzustellen.

Kazan liebt die Einzelkämpfer und am Schluss jeden Filmes steht eine Utopie: "Lasst uns eine Gewerkschaft schaffen, wie sie an anderen Höfen üblich ist", heißt es am Ende von "Die Faust im Nacken". Dennoch, Kazan geht es nicht darum, am Ende alles wieder ins Lot zu bringen: Er fordert, die Zustände zu ändern. Im Revolutionsdrama "Viva Zapata" (1951) heißt es: "Wenn es starke Männer gibt, braucht man keinen Führer", und der tote Emilio Zapata lebt als Legende, als Mythos der Freiheit weiter: Die Bauern sehen ihn auf seinem Schimmel über die Berge reiten. Der Film thematisiert wieder den Konflikt Macht und Machtmissbrauch, es geht um den Kampf des einzelnen für die Sache - wie in "Bumerang" oder "Die Faust im Nacken". Bei Kazan ist der Glaube an die Demokratie Amerikas stets an den einzelnen gebunden. Trotz unterschiedlicher Autoren und Drehbücher ist die Beziehung der Menschen in der Kleinfamilie oder der Großfamilie "staatsähnlich". Doch verloren sind diese Menschen nicht, denn ein unermeßliches Quantum an Hoffnung und bisweilen abgetrotztem "Dennoch" bleibt. Und das ist fast schon wieder romantisch.

Weitere Filme von Elia Kazan: "Endlos ist die Prärie" (1947), "Unter Geheimbefehl" (1950) , "Ein Gesicht in der Menge" (1957), "Wilder Strom" (1960).


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