Rod Steiger

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Rod Steiger in "Der Tätowierte"
Rod Steiger
Geboren: 14.04.1925 in Westhampton, Long Island, USA
Sternzeichen: Widder
Gestorben: 09.07.2002 in Los Angeles, Kalifornien, USA

Er spielt den Verbrecherkönig Al Capone und den Duce, den Führer des faschistischen Italiens; einmal ist er ein psychopathischer Frauenmörder, dann wieder ein bulliger Polizist; er ist der Handelsvertreter, in dessen zerrüttete Ehe ein Teenager einbricht, ein Kleinstadtrichter mit einem Tick für klassische Musik, er spielt einen schwulen Sergeanten, einen korrupten Senator und Papst Johannes Paul XIII.: Rod Steiger.

Die Rolle des jüdischen "Pfandleihers" unter Sidney Lumets Regie ist bis heute eine der stärksten Charaktere des Schauspielers Rod Steiger: Sol Nazerman, der sich unerbittlich hart und mitleidlos gegenüber seinen armseligen Kunden verhält, war Universitätsprofessor in Leipzig. Nach den Jahren im KZ und dem schmerzlichen Verlust seiner Familie hat er in New York, mitten im finsteren Harlem den Laden aufgemacht. Der allerdings dient in Wirklichkeit nur als Tarnung für die schmutzigen Geschäfte eines schwarzen Unterwelt-Königs.

Rod Steiger spielt die ganze Erschütterung und Versteinerung eines Menschen aus. Als der noch heute aufregende Film drei Jahre nach Entstehen in unsere Kinos kam, war er verstümmelt: Alles, was auf die Zerstörung der Familienidylle, dem quälenden Alltag im KZ hinwies, was also die Verhärtung des Pfandleihers ausmacht, war in der deutschen Fassung der Schere zum Opfer gefallen.

Bereits zwei Jahre vorher gelang ihm eine große, schwere Charakterrolle in Francesco Rosis "Hände über der Stadt" (Le mani sulla cittá). Der korrupte Mailänder Baulöwe und Wirtschaftsmagnat Edoardo Nottola ist eine Figur, die sich Orson Welles hätte auf den Leib schreiben können: ein hemmungsloser Machtmensch, gerissen, verkniffen, intrigant - eine von vielen Seiten Rod Steigers.

Rodney Stephen Steiger kommt als das einzige Kind eines Schausteller-Ehepaars, seinen Vater lernt er nicht kennen, weil der ein Jahr nach Rodneys Geburt das Haus, besser den Wohnwagen verließ. Die Schulzeit verläuft hektisch, an keinem Ort bleiben die Steigers länger als ein halbes Jahr. Das prägt den Jungen, macht ihn stark, unbeirrbar. Mit zwölf Jahren schon jobbt Rodney auf Jahrmärkten, mit 16 meldet er sich für vier Jahre zur Marine, arbeitet anschließend als kaufmännischer Angestellter.

Dann packt ihn das Theaterfieber. Schon während seiner Tätigkeit als Verkäufer tritt er einer kleinen Theatergruppe bei, absolviert 1947 bis 1949 sogar eine Schauspielschule. Die ersten Sporen verdient er sich bei einem dramatischen Workshop und an einem kleinen Theater; am Broadway debütiert er 1950 in Henrik Ibsens "Ein Volksfeind". Auch nach der bald einsetzenden Filmkarriere bleibt er dem Theater verbunden: 1959 spielt er am Broadway einen Banditen in der erfolgreichen Bühnenadaptation von Akira Kurosawas Film "Rashomon", 1962 ist er Kapitän Ahab in Orson Welles' Bühnenfassung von Hermann Melvilles Roman "Moby Dick".

Im Fernsehen ist Steiger von 1948 bis 1953 in 250 Live-Shows zu sehen, seine populärste Fernseh-Rolle aber war der liebenswerte Metzger "Marty", der seinem Kollegen Ernest Borgnine in der Marty den Akademiepreis einbrachte. Auch Steigers erfolgreiche Kinolaufbahn scheint vorherbestimmt als Regisseur Daniel Mann, der von Steigers Begabung überzeugt ist, ihn an Lee Strasbergs New Yorker Actor's Studio bringt, wo er mit Elia Kazan zuammentrift. Kazan hat gerade Marlon Brando, den er in "Endstation Sehnsucht" (1951) entdeckte, im "Actor's Studio" aufgebaut, jetzt spielt dieser in Budd Schulbergs Gewerkschafts-Thriller "Die Faust im Nacken" (1954) die schwierige Hauptrolle, und neben Lee J. Cobb ist auch Rod Steiger mit von der Partie. Ein durchschlagender Erfolg, der ihm - bereits im zweiten Film - die erste Oscar-Nominierung einbringt.

Die zweite folgt 1965 mit dem "Pfandleiher", und Rod Steiger erhält den begehrten Akademiepreis schließlich ein Jahr später für den zynischen, kaugummikauenden Sheriff Bill Gillespie in Norman Jewisons "In der Hitze der Nacht". Gerne besetzt man Rod Steiger als Ekel, als schmierigen Finsterling, doch in vielen seiner Rollen lässt er auch komische Akzente anklingen. Davon profitieren vor allem Tony Richardson und Sergio Leone. In Richardsons schwarzer Komödie "Tod in Hollywood" (1965), brilliert Steiger als schmieriger Balsamierer Joyboy, in Leones "Todesmelodie" (1970) ist er einer der Superhelden aus der Comic-Kiste, der respektlose Mexikaner Juan Miranda, der mit seinem Vater und sechs Söhnen die Nationalbank in Mesa Verde überfallen will.

Als offenbar schizophrener Frauenmörder, der sich auf Damen mittleren Alters spezialisiert hat, steht er unter Jack Smight 1967 vor der Kamera. Der beziehungsreiche Titel: "No Way to Treat a Lady" wurde in Deutschland einfallslos in "Bizarre Morde" umgewandelt. Rod Steiger ist ein sympathischer, ruhiger, beredter Gesprächspartner, der sich seinem Gegenüber allerdings nur selten wirklich öffnet. Der Schauspieler übernimmt häufig fatalistische Rollen, der Mensch aber ist davon überzeugt, dass man sein Schicksal verändern kann, wenn man die Dinge in die Hand nimmt. Man muss es nur wollen, doch Steiger weiß eigentlich selbst gut genug, dass das nicht immer gelingt. Er hat viele düstere Schicksalsschläge erlebt, ist haarscharf an geistiger Verwirrung, Mord und Selbstmord vorbeigeschlittert.

Weitere Filme mit Rod Steiger: "Der Mann ohne Furcht", "Hollywood Story", "Verdammt zum Schweigen" (alle 1955), "Schmutziger Lorbeer" (1956), "In brutalen Händen" (1958), "Al Capone", "Sieben Diebe" (beide 1959), "Gebrandmarkt" (1960), "Der längste Tag" (1961), "Der Tiger ist unter uns" (1962), "Doktor Schiwago" (1965), "The Girl And The general" (1967), "Der Sergeant", "Der Tätowierte" (beide 1968), "Waterloo" (1969), "Happy Birthday, Wanda June" (1972), "Lolly Madonna War", "Lucky Luciano" (beide 1973), "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen", "Ein Mann namens Hennessy" (beide 1974), "Fire Game" (1976), "Ein Killer für alle Fälle", "F.I.S.T. - Ein Mann geht seinen Weg" (beide 1977), "Steiner - Das Eiserne Kreuz 2. Teil", "Amok-Jagd" (beide 1978),"Amityville Horror", "Ein Mann räumt auf" (beide 1979), "Goldrausch in Alaska", "Lucky Star" (beide 1980), "Der Zauberberg", "Die Erwählten" (beide 1981), "Rivalen am Nordpol" (1983), "Das nackte Gesicht", "Hollywood - Intim und indiskret" (beide 1984), "Im Zeichen der Jungfrau" (1988), "Mann mit Ehre" (1989), "Die Ballade vom traurigen Cafe" (1990), "Mord in der Dämmerung", "Prisoners" (beide 1991), "Frank Sinanatra - Der Weg an die Spitze", "Krieg der Bosse", "The Player", "Verliebt in einen Killer" (alle 1992), "Marys Nachbar" (1993), "Countdown des Schreckens", "Der unsichtbare Tod", "The Bomber Boys", "The Specialist" (alle 1994), "Aliens, Akkordeons und jede Menge Ärger", "Blutiger Befehl", "Columbo - Seltsame Bettgenossen", "Dalva" (alle 1995), "Carpool", "Mars Attacks!", "Shiloh - Vier Pfoten auf der Flucht" (alle 1996), "Incognito", "Ort der Wahrheit", "Boxer Kid", "Revenant - Sie kommen in der Nacht", "The Real Thing" (alle 1997), "Legacy - Tödlicher Einsatz in Manila" (1998), "End Of Days", "Hurricane", "Körper und Geist", "Verrückt in Alabama", "Letzte Ausfahrt Hollywood" (alle 1999) und "Der Himmel von Hollywood" (2001).


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