Harun Farocki

Kämpft für seine Filme: Harun Farocki  Vergrößern
Kämpft für seine Filme: Harun Farocki 
Harun Farocki
Geboren: 01.09.1944 in Neutischein, Tschechoslowakei, heute Tschechien

Harun Farocki studiert zunächst Theaterwissenschaft, Publizistik und Soziologie in Berlin und geht 1966-1968 an die Deutsche Film- und Fernsehakademie. Anschließend dreht er Lehrfilme, arbeitet bei der "Sesamstraße" mit und ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift "Filmkritik".

1969 dreht er gemeinsam mit Helke Sander und Ulrich Knaudt den Anti-Springer-Film "Brecht die Macht der Manipulateure", in dem konstatiert wird, daß eine Kampagne gegen den Pressekonzern an sich sinnlos sei, da nur eine breite politische Bewegung mit dem Ziel, die Bevölkerung politisch wacher zu machen, Distanz zur Springer Presse schaffen könne.

Höhepunkt des Films: Farocki, Sanders und ihr Kameramann schleichen sich in Abendgarderobe beim Presseball ein, attackieren dort Axel Springer persönlich und werden aus dem Saal gejagt. Am 27.11.1968 wurde Farocki mit einer Reihe anderer Studenten wie Gerd Conradt, Thomas Giefer, Ulrich Knaudt, Holger Meins, Max Willutzki und Christian Ziewer von der DFFB relegiert, später allerdings finanziell abgefunden.

Auch der künstlerische Leiter Erwin Leiser verließ zu der Zeit die DFFB. Farocki jedoch kehrt später als Dozent an die Hochschule zurück. In "Etwas wird sichtbar" (1981) erzählt von einem Paar, das sich bei einer Vietnam-Demonstration kennenlernt. Sie beschließen, gemeinsam zu kämpfen, doch dann verläßt sie den Geliebten und erfährt durchs Fernsehen vom Ende des Krieges.

"Betrogen" (1985) ist eine Satire auf das Festhalten an Illusionen, die sich längst als trügerisch erwiesen haben und "Bilder der Welt und Inschrift des Krieges" (1988) ist ein Essayfilm, in dem Farocki alltäglichen Fotografien nachspürt und untersucht, inwieweit sich Krieg aus ihnen ablesen läßt.

Ausgangspunkt ist ein Bild, das 1944 aus 7000 Meter Höhe von einem amerikanischen Bomberpilot von Auschwitz gemacht wurde. Erst 33 Jahre später entdeckt man darauf das Konzentrationslager, nach dem man damals nicht gesucht hatte. "Videogramme einer Revolution" sind Bilder aus Videodokumentationen, die während der rumänischen Revolution im Dezember 1989 aufgenommen wurden.

Farocki und sein Co-Regisseur Andrej Ujica haben daraus einen abendfüllenden Dokumentarfilm geschnitten. "Cuba Libre" von 1996 ist eine melancholisch komische Geschichte von zwei Verlierern, die endlich einmal Glück haben wollen. Christian Petzold hat den Film mit Farocki gemeinsam geschrieben und selbst inszeniert.

Weitere Filme von Farocki: "Die Worte des Vorsitzenden" (1968), "Nicht löschbares Feuer" (1969), "Die Teilung aller Tage" (1970), Co-Regie: Hartmut Bitomsky, "Eine Sache, die sich versteht" (1973) Co-Regie: Hartmut Bitomsky, "Der Ärger mit den Bildern" (1973), "Erzählen" (1975), Co-Regie: Ingomo Engström, "Zwischen zwei Kriegen" (1977), "Der Geschmack des Lebens" (1979), "Etwas wird sichtbar" (1981), "Betrogen" (1985), "Wie man sieht" (1986), "Was ist los?" (1991) und "Stilleben" (1997).

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