Der mehrfach prämierte Kurzfilmregisseur Jean-Gabriel Périot widmet sich in seinem Langfilmdebüt den 60er-Jahren in Deutschland. Er berichtet davon, wie sich die Nachkriegsgeneration gegen ihre Eltern und den Staat auflehnte, in denen sie den Faschismus wiedererkannten. Aus diesem Protest entwickelte sich bewaffneter Widerstand und die terroristische Rote Armee Fraktion (RAF).

Den oft erzählten Vorgängen gewinnt Périot erzählerisch neue Facetten ab, denn er legt keine fiktive Geschichte vor, sondern eine rein dokumentarische Produktion. Dabei verzichtete er auf jeglichen Off-Kommentar und stützt sich stattdessen auf historische Aufnahmen und Reportagen sowie Szenen aus passenden Spielfilmen, darunter Rainer Werner Fassbinders "Deutschland im Herbst".

Seltenes Material

Périot konnte für seine Projekt zum Teil unbekanntes Archivmaterial verwenden und zeigt Regiearbeiten des späteren Untergrundkämpfers Holger Meins sowie Talk-Auftritte von Ulrike Meinhof, die seit vielen Jahren nicht mehr gezeigt worden sind.

Bei der Fülle dieses Materials kann man "Une Jeunesse Alemane - Eine Deutsche Jugend" eines vorwerfen: Der Film, der auf der diesjährigen Berlinale die Reihe Panorama-Dokumente eröffnete - erinnert an eine nach wie vor umstrittene Ära unserer Geschichte. Position für oder Wider der Ereignisse bezieht er allerdings nicht. Allerdings verdeutlicht er, dass das Aufbegehren der Gesellschaft nach wie vor ein aktuelles Thema ist.