Dem Chef oder der Chefin einmal richtig die Meinung sagen, auf Augenhöhe, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen – dieser kleine Tagtraum überkam sicher schon viele Menschen. Viele davon würden es wahrscheinlich nicht zugeben. Müssen sie auch nicht. Stattdessen können sie jetzt ins Kino gehen und in "Send Help" genüsslich einer Frau zusehen, die ihrem Boss wirklich mal ganz neu begegnet. Sie kann tun und sagen, was sie will, und wenn er droht sie zu "feuern", hat das keinerlei echte Bedeutung.
"Sie sind klug. Ich weiß, Sie können gut mit Zahlen umgehen. Aber Ihnen fehlt das gewisse Etwas." – So wird der Büroangestellten Linda (Rachel McAdams) von ihrem herablassenden, empathielosen und überhaupt sehr unsympathischen Chef Bradley (Dylan O'Brien) erklärt, dass und warum sie nie Karriere machen wird. Linda hasst es, für Bradley zu arbeiten. Doch ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihren Frust und ihren Ärger hinunterzuschlucken. Das Machtgefälle zwischen den beiden Hauptfiguren dieser Geschichte ist extrem. Und dann versetzt Regisseur Sam Raimi (Drehbuch: Damian Shannon, Mark Swift) sie in eine Situation, in der alles radikal auf null gesetzt wird.
Bradley und Linda sind mit einer größeren Büromenschen-Entourage auf Geschäftsreise hoch oben in der Luft, dann stürzt das Flugzeug ab. Linda und Bradley landen auf einer einsamen Insel – nur die beiden, niemand sonst. Wie überleben sie zumindest die erste Nacht? Wie kommen sie an Essen und Trinkwasser? Wie kommen sie hier wieder weg? So startet ein knallharter Survival-Thriller, in dem Weisungsbefugnisse und bestehende Hierarchien von einer Sekunde auf die andere komplett ausgehebelt werden. Oder, wie Linda es formuliert, als sie sich nach einer Weile mit dreckverschmiertem Gesicht und selbstgebauter Harpune in der Hand über ihren einstigen Vorgesetzten beugt: "Wir sind nicht mehr im Büro, Bradley ..."