Lee Remick

Lee Ann Remick
Geboren: 14.12.1935 in Boston, Massachusets, USA
Sternzeichen: Schütze
Gestorben: 02.07.1991 in Los Angeles, Kalifornien, USA

Blond, hübsch und verführerisch, ein heller, offener Blick, der auf Energie schließen lässt: Das macht Lee Remick aus. Doch Hollywood hat diese Ausstrahlung, diese Kraft nie ganz genutzt und die Schauspielerin fast immer unter Wert eingesetzt. "Amerikas Antwort auf Brigitte Bardot" - hieß auch der Werbefeldzug, mit dem man Lee Remick etikettierte. Produzenten und Regisseure legten sie meist auf den Typ der empfindlichen, angeknacksten, schwierigen oder "sündigen" Frau fest, wie etwa in Tony Richardsons "Geständnis einer Sünderin".

Sie kommt als Tochter einer Bühnenschauspielerin zur Welt. Doch die Familie zieht schon bald nach New York um. Dort absolviert Lee die Miss Hewitt's Classes und nimmt Ballett-Unterricht bei Ruth Swoboda, sowie Modern Dance bei Charles Weidman. 1952 gibt sie ihr Bühnendebüt während einer großen Show im Musik-Zirkuszelt in Hyannis Port, Massachusetts. Ein Jahr später steht sie zum ersten Mal in dem Stück "Be Your Age" am Broadway auf der Bühne. Seit dieser Zeit ist sie regelmäßig am Theater zu sehen. So war 1966 ihre Darstellung der tapferen Blinden in dem kurz darauf mit Audrey Hepburn verfilmten Bühnenthriller "Warte, bis es dunkel ist" ein großer Erfolg, wie auch ihr Londoner Bühnendebüt zehn Jahre später mit der Marilyn-Monroe-Rolle der Raststättensängerin in "Bus Stop".

"Ein Gesicht in der Menge" heißt der Film, mit dem sie unter der Regie von Elia Kazan 1957 an der Seite von Andy Griffith - ebenfalls eine Neuentdeckung - erstmals vor der Kamera steht. Anschließend folgte der Klassiker "Der lange heiße Sommer" von Martin Ritt. Außer Kazan, der sie noch einmal 1960 in "Wilder Strom" als Partnerin von Montgomery Clift besetzt, gibt es nur wenige Regisseure, die ihr Talent wirklich nutzten. Zu ihnen zählen Blake Edwards und vor allem Otto Preminger, bei dem sie das Vergewaltigungsopfer Laura Manion in dem Gerichtsfilm "Anatomie eines Mordes" (1959) spielt.

"Meine Tochter spielt kein Theater" erklärt die reizvoll kühle Lee Remick, als Edwards ihre vierjähirge Tochter Kate für den Film "Stärker als alle Vernunft" (auch: "Die Tage des Weins und der Rosen") 1962 mit engagieren will. Dabei ist Lee selbst ein Kind großer Schauspieler und geriet unweigerlich in deren Fußstapfen. Dies war die zweite Zusammenarbeit mit Edwards. Sie spielte im gleichen Jahr zuvor an der Seite von Glenn Ford in dem Thriller "Der letzte Zug". Hier ist sie die Frau eines Alkoholikers (Jack Lemmon). Der Film bringt Lee Remick eine Oscar-Nominierung ein. Jedoch bleibt für sie gutes Kino mit präzisen Rollen selten. Da wäre die Frau zwischen Alan Bates und Laurence Harvey in Carol Reeds "Der zweite Mann" (1963) oder die Ehefrau von Steve McQueen in "Die Lady und der Tramp" (1964) von Robert Mulligan. An der Seite von Rod Steiger und seinem Gegenspieler George Segal überzeugt sie als Kate in "Bizarre Morde" (1967, von Jack Smight) und als Partnerin von Frank Sinatra, dem Polizeidetektiv Leland in "Der Detektiv" (1967) von Gordon Douglas.

Interessanter als die Dutzend-Filme in den Siebzigerjahren sind die Fernsehbearbeitungen ihrer Bühnenerfolge wie "Sommer und Rauch" (1972) oder "Der Mann, der zum Dinner kam" (1973). Aber auch in Fernsehspielen hat sie Erfolg, so als Mutter von Sir Winston Churchill in "Jennie, Lady Randolph Churchill" oder als General Eisenhowers Chauffeurin und Geliebte in "Ike: the War Years" (1979). Im Kino besetzt man sie häufig eher dekorativ neben Stars wie Burt Lancaster (in John Sturges' Western "Vierzig Wagen westwärts", 1964), James Garner (in Arthur Hillers Komödie "Getrennte Betten", 1963), Henry Fonda (in Paul Newmans Sozialdrama "Sie möchten Giganten sein", 1971), Gregory Peck (in Richard Donners "Das Omen", 1976), oder in dem makaber doppelbödigen Politthriller "Telefon" (1977) von Don Siegel neben Charles Bronson.

Einige bessere Rollen in interessanten Filmen geben ihr Regisseure wie Jack Gold in "Der Schrecken der Medusa" (1978, mit Richard Burton), James Ivory, bei dem sie in "Die Europäer" (1979) die kapriziöse Baroness Eugenia spielt oder Bob Clarks "Tribute - ein Sommer in Manhattan" (1980, neben Jack Lemmon). In den 80er Jahren erkrankt Lee Remick an Krebs, arbeitet aber rastlos weiter auf der Bühne, im Fernsehen, wo sie 1989 in der auch bei uns gesendeten Miniserie "In 80 Tagen um die Welt" (1988) spielte. Nach den Dreharbeiten zu dem TV-Film "Die junge Katharina" erlag Lee Remick ihrer Krankheit.


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