Otto Preminger

Otto Ludwig Preminger
Geboren: 05.12.1906 in Wien, Österreich
Sternzeichen: Schütze
Gestorben: 23.04.1986 in New York City, New York, USA

Otto Preminger gehört wie Fritz Lang, Billy Wilder und Fred Zinnemann zu den Wienern in Hollywood, jenen Filmemigranten, die zu Hollywood-Regisseuren wurden und doch stets Außenseiter blieben. Der Filmhistoriker Karsten Witte bezeichnet ihn als "Eklektiker, der kleine Stoffe stets in großen Schaufenstern ausstellte". Preminger studierte einige Semester Jura, bevor er bei Max Reinhardt als Regieassistent und Schauspieler anfängt. Danach wird er Bühnenregisseur und übernimmt 1933 als jüngster Intendant das Josefstädter Theater.

Zuvor debütiert er als Filmregisseur mit "Die große Liebe" (1931), in dem die Wiener Volksschauspielerin Hansi Wiese (nicht wie oft zu lesen Zarah Leander) die Hauptrolle spielt. 1933 geht er erst nach England und dann ins Exil nach USA. Dort setzt er die Theaterlaufbahn fort, inszeniert am Broadway und ist seit 1934 in Hollywood. Hier beginnt er als Regieassistent von Ernst Lubitsch. Die Beziehung wird zur Freundschaft und als Lubitsch 1947 stirbt, dreht Preminger (ohne Namensnennung) den Lubitsch-Film "Die Frau im Hermelin" fertig.

Der erste Hollywood-Erfolg "Laura" (1944) ist einer der ungewöhnlichsten Kriminalfilme in Hollywood: Eine Frau wird ermordet vorgefunden, ein Detektiv sucht nach Spuren, führt alle möglichen Gespräche mit einem exzentrischen Kolumnisten, mit der Tante und einem Freund. Und eines Tages kommt die Totgeglaubte zurück und man erfährt, dass der Mörder die falsche Frau getötet hat. Rouben Mamoulian hat den Film angefangen, wurde aber von Produzent Zanuck entlassen. Für Preminger wird es ein Erfolg. 15 Jahre später wird noch einmal ein von Mamoulian übernommenes Projekt zum Preminger-Erfolg: der brillante Opernfilm "Porgy und Bess". "Laura" erhält eine Oscar-Nominierung wie auch Clifton Webb, während Kameramann Joseph La Shelle mit einem Oscar ausgezeichnet wird. In dem Film spielen Gene Tierney und Dana Andrews die Hauptrollen.

"Amber, die große Kurtisane" ("Forever Amber", 1947) ist Premingers Einstieg in das Genre des Kostümfilms, ein großes opulentes Kinoabenteuer mit Linda Darnell, Cornell Wilde und George Sanders nach einem Roman von Kathleen Winsor. Die hübsche junge Amber wird im 17. Jahrhundert als Kind aufgefunden und bringt es wegen ihrer Schönheit zur Maitresse am Hof des Königs Charles II. "Die Jungfrau auf dem Dach" ("The Moon is Blue", 1953) hingegen ist eine turbulente Komödie mit Eifersucht und Situationskomik, die in ein strahlendes, aber doch ironisch erzähltes Happyend mündet. Preminger hat 1952 den Broadwayhit von Hugh Herbert gleich in zweifacher Version verfilmt, einmal mit einem US-Team, einmal mit deutschen Schauspielern. Dabei geriet die deutsche Version ungleich spröder, wenngleich die Zuckmayerschen Dialoge durchaus brillieren. Über dem Standard des damaligen deutschen Kinofilms lag das allerdings auffallend.

"Engelsgesicht" (1952) mit Jean Simmons, Robert Mitchum und Mona Freeman ist der nächste wichtige Film von Preminger: Diana ist ein abgrundtief böses Mädchen. Sie hat versucht, ihre Stiefmutter zu töten. Das ging schief. Später klappt es dann doch noch, aber aus Versehen sass ihr geliebter Vater mit im wohlpräparierten Unglücksauto. Das trifft Diana tief, aber nicht so tief, dass sie nicht weitere Verbrechen plant. Jean Simmons spielt nicht die eiskalte Mörderin, sondern die kranke Kindfrau, für die Leben und Tod, Liebe und Hass ein Spiel ist. Robert Mitchum ist der kleine Mann, der nach oben will und deshalb benutzbar ist. "Laura" und "Engelsgesicht" gemeinsam ist die besessene Suche nach Wahrheit, die Frauen sind stark und zwielichtige Figuren.

1953 spielt Otto Preminger in "Stalag 17" von Billy Wilder. Der Film, der in einem deutschen Kriegsgefangenenlager spielt, unterscheidet sich stark von den heroischen Kriegsgeschichten, in denen aufrechte GIs ihren Mann stehen. Der Held von "Stalag 17" versteht es nämlich, selbst in der mißlichen Gefangenensituation Geschäfte zu machen, sich überall Vorteile zu verschaffen. Er, der in den Verdacht gerät, der Spion zu sein, entlarvt den deutschen Agenten, den die Nazis ins Lager geschmuggelt haben. Denn ein Amerikaner verrät seine Freunde nicht - so die Tendenz des Films. Otto Preminger spielt einen adligen deutschen Lagerkommandanten.

Premingers Vielfalt zeigt sich wieder in "Carmen Jones" (1954) mit Dorothy Dandridge und Harry Belafonte: Von all den vielen Versionen des Carmen-Stoffs, war sein Cinemascope-Film einer der originellsten. Er hat den Prosper-Merimée-Stoff aktualisiert und in den amerikanischen Süden verlegt und damit gleichzeitig ein Stück Rassenpolitik betrieben, indem er die Hauptrollen von Schwarzen spielen ließ. Seine Carmen (Dorothy Dandridge) arbeitet als Näherin in einer Fallschirmfabrik der US-Air-Force, ihr Opfer Joe (Harry Belafonte) ist GI auf dem Militärflughafen, und aus dem Torero Escamillo ist gar ein kraftstrotzender Schwergewichtsweltmeister Husky Miller (Joe Adams) geworden.

Im gleichen Jahr entsteht "Fluss ohne Wiederkehr" mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum: Ein lyrisch schöner, episch abenteuerlicher Western in schönen Cinemacope-Bildern um einen Farmer mit Kind, der in einem Indianergebiet lebt und von einem weißen Räuber bestohlen wird. Marilyn Monroe spielt die Frau zwischen den beiden Männern.

Otto Preminger hat 1957 mit Jean Seberg als Johanna und Richard Widmark als Dauphin einen denkwürdigen Film nach Bernard Shaws "Die heilige Johanna" gedreht und im gleichen Jahr, ebenfalls mit der Seberg als Star eine Verfilmung von Françoise Sagans "Bonjour Tristesse".

Politisches und sozialkritisches Engagement beweist Preminger immer wieder so in einem seiner berühmtesten Filme "Der Mann mit dem goldenen Arm" (1955), der schonungslos harten Geschichte eines Rauschgiftsüchtigen (Frank Sinatra). Sein vielleicht bester Film ist allerdings "Anatomie eines Mordes" von 1959: Ein hochdekorierter Frontkämpfer hat einen Mann niedergeschossen, vor Gericht liefern sich Staatsanwalt und Verteidiger ein erbittertes Duell. "Sturm über Washington" von 1961 schließlich befasst sich mit politischen Intrigen in Washington und der zum Spielball von Interessengruppen degenerierten amerikanischen Demokratie.

"Der Kardinal" von 1963 prangert anhand der zentralen Priesterfigur nicht nur die Milde der katholischen Kirche gegenüber den Ausschreitungen der Nazis in Wien an, sondern auch die Mutlosigkeit gegenüber dem Rassismus des Ku-Klux-Klan im Süden der USA. Als sein persönlichstes Engagement bezeichnet Preminger seinen epischen Film über die Gründung des Staates Israel: "Exodus" von 1960 mit Paul Newman und Eva Marie Saint. Newman ist der israelischer Resistance-Führer und Eva-Maria Saint die (nichtjüdische) Krankenschwester, die ihn liebt. Der mehr als dreistündige Film nach dem Bestseller-Wälzer von Leon Uris setzt vor allem auf Spannungseffekte: Ausbruch aus der britischen Internierung, Hungerstreik auf der "Exodus", Geheimorganisationen im Wettstreit, Bombenexplosion und Angst. Autor Dalton Trumbo und Regisseur Preminger verhindern jedoch das Schlimmste und lassen Menschenwürde und Engagement durchscheinen.

Wiederum um den Rassenkrieg im Süden der USA geht es in "Morgen ist ein neuer Tag" ("Hurry Sundown", 1966), eines der verkannten Melodramen von Otto Preminger. Doch weder Jane Fonda, Faye Dunaway noch Michael Caine geben dem Film sein besonderes Image, es sind die Nebendarsteller, die Typen, die den amerikanischen Süden im grimmigsten Rassenhaßklima plastisch vor der Kamera erstehen lassen: der Richter und Negerhasser Purcell, gespielt von Burgess Meredith, der Professor Thurlow, dem Rex Ingram grimmige Gestalt gibt und George Kennedy als bulliger Sheriff Coombs.

Es geht hier um einen riesigen Gemüsekonzern, der einen Landstrich im Süden aufkauft. Der Ehemann einer reichen Grundbesitzerin ist eingestellt, um die kleinen Landeigentümer zum Verkauf zu bewegen. Doch Harry Warren (Michael Caine) sieht sich einem Bollwerk gegenüber: Ein junger weißer Farmer, der gerade aus dem 2. Weltkrieg zurückkehrt und sein Freund und Nachbar, ein Schwarzer, wollen ihr Land um alles in der Welt behalten.

Preminger inszeniert ein klassisches Blut- und Boden-Epos und kann dennoch mehr Emotionen entfachen als Jules Dassin mit "Black Power" oder Gordon Parks jr. mit "Haß", vor allem aber hat er in Beah Richards als schwarze Lehrerin eine außergewöhnlich starke Vertreterin ihrer Sache.

Zu den besten Preminger-Filmen schließlich zählt der 1965 entstandene Psycho-Krimi, der wie ein nüchternes Kammerspiel beginnt: "Bunny Lake ist verschwunden" mit Carol Lynley, Laurence Olivier und Noel Coward. Ein Kind ist verschwunden, die Polizei ermittelt und dann wächst plötzlich der Verdacht, daß das Kind nur in der Phantasie der Mutter existiert.

Preminger stirbt im Alter von 79 Jahren an Krebs, er hat eine Autobiographie hinterlassen, die schlichtweg "Preminger" heißt.


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