Alice
Fernsehfilm, Drama • 30.11.2022 • 20:15 - 21:45
Lesermeinung
Alice (Nina Gummich) hat gute Nachrichten für Bruno (Thomas Guene) und seinen Studeinfreund (Dominik Dos-Reis): Sie wurde zur Endauswahl einer Münchner Journalistenschule eingeladen!
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In dem zweiteiligen Spielfilm "Alice" schlüpft Schauspielerin Nina Gummich in die Rolle der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer.
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Alice Schwarzer (rechts) ist begeistert von der Leistung der Schauspielerin Nina Gummich. Über den Film sagt sie: "Abgesehen von einigen Schnitzern finde ich ihn nicht nur gut, sondern ich finde ihn großartig!"
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Zu ihrem Großvater (Rainer Bock) hat Alice (Nina Gummich) eine besonders enge Beziehung.
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In der anschließenden Dokumentation "Die Streitbare - Wer hat Angst vor Alice Schwarzer?" sprechen Prominente wie die Politologin, Sachbuchautorin und Aktivistin Emilia Roig über das Erbe Alice Schwarzers.
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Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Altersfreigabe
12+
Fernsehfilm, Drama

"Ein Mensch mit vielen Facetten": Der Film zum 80. Geburtstag von Alice Schwarzer

Von Elisa Eberle

Seit 50 Jahren kämpft Alice Schwarzer für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Mit ihren provokanten Thesen eckt sie bis heute immer wieder an – Kritik gab es jüngst auch aus den Reihen des Feminismus. Zu ihrem 80. Geburtstag am 3. Dezember erzählt ein Zweiteiler im Ersten nun die Anfänge ihrer Karriere nach.

"Der folgende Film spielt in den 1960er und 1970er Jahren", heißt es in einem vorgeschalteten Warnhinweis zu dem zweiteiligen Fernsehspielfilm "Alice" im Ersten: "Die in einigen Szenen verwendete Sprache kann aus heutiger Sicht diskriminierend wirken." Mit anderen Worten: Es hat sich was geändert. Alice Schwarzer, die im Zentrum dieser wirklich sehr sehenswerten Gemeinschaftsproduktion von rbb, WDR und ARD Degeto steht, hat im Laufe ihres Lebens viel erreicht.

Seit 50 Jahren kämpft die Journalistin, Publizistin, Gründerin und Herausgeberin der Zeitschrift "Emma" nun schon für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Nicht zuletzt dank ihr gibt es hierzulande die Möglichkeit, bis zur zwölften Schwangerschaftswoche straffrei abtreiben zu können, auch für die gleichgeschlechtliche Ehe setzte Schwarzer sich schon in den 1970-ern ein. Mit ihren radikalen Aussagen stößt sie aber auch regelmäßig Menschen aller Geschlechter vor den Kopf.

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Am 3. Dezember feiert Alice Schwarzer ihren 80. Geburtstag. Der Zweiteiler "Alice" von Nicole Weegmann (Regie), Daniel Nocke und Silke Steiner (beide Drehbuch) erzählt die Anfänge und Höhepunkte ihrer Karriere nach. Der zweite Teil ist direkt im Anschluss um 21.45 Uhr im Ersten zu sehen.

Frauenrechte, "Emma" und Kritik

Die Geschichte beginnt im Jahr 1964: Die junge Alice Schwarzer (fantastisch dargestellt von Nina Gummich) lebt als Au-Pair in Frankreich und träumt von einer Karriere als Journalistin. Schon bald verliebt sie sich in Bruno (Thomas Guené). Der sensible Franzose unterstützt sie bedingungslos bei ihren Karriereplänen, und er akzeptiert, dass Alice einer Au-Pair-Freundin aus Deutschland kurzzeitig Unterschlupf gewährt: Renate (Lou Strenger) ist ungewollt schwanger und stirbt beinahe an den Folgen einer illegalen Abtreibung. Alice ist schockiert, doch es wird nicht das einzige Mal bleiben, dass sie mit dem Thema in Berührung kommt.

Sie schließt sich der französischen Frauenrechtsbewegung an. In Deutschland initiiert sie das Abtreibungsbekenntnis von 374 Frauen, darunter die bekannte Schauspielerin Romy Schneider (im Film gespielt von Valerie Pachner). Das nächtliche Vier-Augen-Interview, welches Alice Schwarzer einst mit ihr führte und in welchem Schneider sich und Schwarzer als die "meist beschimpften Frauen Deutschlands" bezeichnete, wird im Film ebenfalls nacherzählt, ebenso wie zunehmende Kritik an der Person Alice Schwarzer. Aber auch die ersten Erfolge ihrer Frauenzeitschrift "Emma" im zweiten Teil sind ein Thema der Filmbiografie.

Großartiger Cast begeistert auch Alice Schwarzer

So kommt es, dass "Alice" zu einem spannenden und wichtigen Film wird vor allem für diejenigen, die die gesellschaftlichen Umbrüche der 1960-er und 1970-er allenfalls aus den Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern kennen. Getragen wird die Geschichte dabei von dem großartigen Ensemble, allen voran von der Hauptdarstellerin Nina Gummich: Der 31-Jährigen gelingt es erstaunlich gut, den nachdrücklichen Sprachduktus der echten Alice Schwarzer zu imitieren. "Ich musste mir erst klar werden, dass sie ein Mensch mit vielen Facetten ist", sagt Gummich im Interview: "Was mich am meisten überrascht hat, war ihre sehr melancholische Seite, die sie vor allem im privaten Umgang zeigt. Diese Tiefe ist dafür verantwortlich, dass sich so viele Frauen ihr anvertrauen." Im Film ist diese melancholische Seite ebenfalls oft zu spüren.

Die echte Alice Schwarzer begegnete dem Film im Vorfeld mit gemischten Gefühlen: "Sie liefern da Ihr Privatleben von 1964 bis 1977 aus", erklärt sie im Interview: "Das ist natürlich sehr riskant! Deswegen war ich unendlich erleichtert, als ich den fertigen Film gesehen habe. Denn abgesehen von einigen Schnitzern finde ich ihn nicht nur gut, sondern ich finde ihn großartig!"

Weitere Dokus zum Thema

Im Anschluss an den Spielfilm und nach dem "Tagesthemen" um 23.15 Uhr zeigt das Erste die Dokumentation "Die Streitbare – Wer hat Angst vor Alice Schwarzer?". In dem Film von Tita von Hardenberg steht die Reizfigur Alice Schwarzer im Zentrum, die keine Talkshow-Auftritte scheut und mit ihren vehementen Thesen immer wieder, auch bei jüngeren Akteurinnen und Akteueren der Frauenrechtsbewegung aneckt. Gilt ihre Stimme heute überhaupt noch als wegweisend für den Diskurs? Oder hängt sie einem überholten Gesellschaftsbild nach? Prominente wie die Grünen-Politikerin Renate Künast, die Schriftstellerin Mirna Funk und der Journalist Hajo Schuhmacher reflektieren über das Vermächtnis der Alice Schwarzer.

Über das Thema Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist bereits seit 19. November die dreiteilige Doku-Serie "Ungewollt schwanger in Deutschland – Der Paragraf und ich" von Luzia Schmid in der ARD Mediathek abrufbar.

Alice – Mi. 30.11. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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