Aus dem Leben
08.04.2026 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
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Originaltitel
Aus dem Leben
Produktionsland
D, A
Produktionsdatum
2024
Fernsehfilm, Drama

Wenn ein Schlaganfall alles verändert

Von Eric Leimann

Im ARD-Drama "Aus dem Leben" spielen die echten Eheleute Harald Krassnitzer und Ann-Kathrin Kramer ein bürgerliches Paar, das in eine schwere Krise gerät: Lehrerin Sabine (Kramer) erleidet aus dem Nichts einen schweren Schlaganfall. Wie verändert sich das Leben der beiden – und das ihrer Tochter?

Die Ehe von Sabine (Ann-Kathrin Kramer) und Stefan (Harald Krassnitzer) hat nach 25 Jahren ein wenig Rost angesetzt. Tochter Annika (Leonie Brill) ist kurz davor, sich aus dem schmucken Ilmenau in Thüringen zu verabschieden und in Berlin zu studieren. Bei ihrer Silberhochzeit sind Sabine und Stefan zwar liebevoll und altvertraut miteinander, doch im Alltag macht jeder sein Ding: Stefan ist als Forstwirt viel im Wald unterwegs, Lehrerin Sabine übernimmt an ihrer Grundschule gern mal eine Aufgabe zu viel als zu wenig – auch um die Langeweile des reifen Alltags ein wenig zu füllen. Alles ändert sich, als Sabine im ARD-Drama "Aus dem Leben" (2024) während ihrer Theater-AG am Arbeitsplatz einen schweren Schlaganfall erleidet. Zwar überlebt sie, doch im Krankenhaus sehen sie und ihre Familie sich mit einem neuen Leben konfrontiert. Sabine kann kaum sprechen und ist halbseitig gelähmt. Bereits in der Klinik beginnt die Therapie, es folgt die Reha – und schließlich kommt Sabine wieder nach Hause.

Stefan ist schockiert von der neuen Situation. Er hat gelesen: 80 Prozent der Männer in seiner Situation verlassen ihre Frau. Das soll ihm nicht passieren. Der Handwerker baut das Haus um und will seiner Frau eine bessere, intensivere Pflege angedeihen lassen als es der gestresste Pflegedienst vermag. Doch die Patientin spielt bei all dieser Ambition nicht richtig mit. Sabine steckt im Tief, die Situation hat bei ihr eine große Niedergeschlagenheit ausgelöst. Sie verkriecht sich im Haus, will sich keinesfalls draußen blicken lassen und streitet sich mit ihrem Mann.

Hat dieses Leben noch einen Sinn? Sieht Sabines Zukunft nicht einfach nur trist aus? Selbst Tochter Annika scheint wie gelähmt. Ihren Studienbeginn hat sie verschoben, Mutter und Vater kann sie so doch nicht zurücklassen? Doch auch Annikas Zögern ist keine Lösung. Frischer Wind weht durch die Kleinfamilie, als die handfest liebevolle Pflegerin Iryna (Irina Potapenko) ins Haus einzieht.

Möglichkeiten, aus einer tiefen Talsohle wieder herauszukommen

Im zweiten Teil des Films von Drehbuchautor Johann Bunners (2009 gewann er den Kurzfilm-Oscar für "Spielzeugland") und Regisseurin Katrin Schmidt keimt tatsächlich Hoffnung auf. Da ist der Film fast ein Therapieangebot für Patienten und ihre Angehörigen, die sich im echten Leben in einer vergleichbaren Situation befinden.

Schlaganfall ist statistisch betrachtet die dritthäufigste Erkrankung in Deutschland mit möglicher Todesfolge. Ann-Kathrin Kramer, die sich als sehr von ihrer Krankheit geprägte Sabine schauspielerisch stark und äußerst uneitel präsentiert, und Harald Krassnitzer sind auch im echten Leben ein Langzeit-Paar. Die Wuppertalerin und der demnächst scheidende österreichische "Tatort"-Kommissar spielen auch immer wieder mal zusammen – und wenn, dann gern ein Ehepaar wie in der (guten) "Empty Nest"-Dramedy "Eltern allein zu Haus" (2017).

Dass man innerhalb eines ehelichen Vertrauensverhältnisses typische "Aufgaben" der zweiten Lebenshälfte spielen und so bearbeiten kann, ist nicht nur für das Ehepaar Kramer/Krassnitzer ein Gewinn, sondern auch für die Zuschauerinnen und Zuschauer. Da kennen sich zwei sehr gut, was in allen Szenen spürbar ist. Seien sie nun liebevoll vertraut oder von Enttäuschung und auch Wut geprägt. Das Leben bietet eben alle Facetten – und die bildet der Film auch ab. Fotografiert ist "Aus dem Leben" hell, pittoresk und aufgeräumt. Fast so, als befände man sich in einem "Herzkino"-Sonntagsfilm des ZDF, was wahrscheinlich der Plan war, da das MDR-Drama auf diese Weise ein älteres Publikum in seiner Sehgewohnheit abholt. Auch die fordernd aufwühlenden Momente von Sabines und Stefans Geschichte macht das ein wenig erträglicher.

"Aus dem Leben" (2024) ist ein konventionell wirkender Film, der eine schwierige Lebenssituation allerdings sehr exakt beschreibt. Ein Fernsehspiel, das sein Publikum zum Nachdenken anregen dürfte: über den Wert eines gesunden Lebens und auch die Möglichkeiten, aus einer tiefen Talsohle wieder herauszukommen.

Aus dem Leben – Mi. 08.04. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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