Barbie
13.05.2026 • 20:15 - 22:30 Uhr
Spielfilm, Komödie
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Originaltitel
Barbie
Produktionsland
USA, GB
Produktionsdatum
2023
Altersfreigabe
6+
Spielfilm, Komödie

In Pink gegen das Patriarchat

Von Franziska Wenzlick

Greta Gerwig liefert mit "Barbie" eine feministische Komödie und zeigt, dass Sozialkritik Spaß machen kann. Vor allem, weil Ryan Gosling mit von der Partie ist.

Viele Männer werden diesen Film nicht verstehen. Andere werden "Barbie", Greta Gerwigs filmische Hommage an die berühmteste Puppe der Welt, aus Prinzip nicht mögen. Sie werden die Geschichte vom pinken Plastik-Matriarchat als alberne Komödie abtun und dabei gänzlich übersehen, weshalb unzählige Frauen und Mädchen weltweit diesem Film derart viel Bedeutung beimessen. Nach der TV-Premiere 2025 holt RTL den Film nun erneut ins Programm.

Nein, "Barbie" ist kein Film für Männer – zumindest nicht für jene, die Gleichberechtigung für ein längst überflüssig gewordenes Anliegen des vorigen Jahrhunderts halten. Den meisten anderen dürfte der Ausflug in die unbedrohliche Parallelwelt namens Barbieland jedoch viel Freude bereiten.

Dort ist man sich sicher: Die Erfindung der Barbiepuppe veränderte alles. Barbie, so glauben die Bewohnerinnen und Bewohner von Barbieland, emanzipierte junge Mädchen rund um den Globus – und machte "die echte Welt" zu einem Paradies, in dem Frauen tun und lassen können, was sie wollen. Im Barbieland ist das Normalität: Barbies erhalten Nobelpreise, werden Präsidentinnen, sind Richterinnen am ausschließlich weiblich besetzten Supreme Court und sehen dabei in gewohnter Barbie-Manier auch immer noch enorm gut aus. Jede Barbie wird mit Respekt behandelt, jeder Konflikt wird hochdiplomatisch in Sekundenschnelle gelöst. Jeder Tag, jeder Augenblick im Barbieland ist perfekt.

Ryan Gosling als perfekter Bösewicht

Bevor sich angesichts derartiger Vollkommenheit Langeweile ausbreiten könnte, platzt die Blase. Und zwar gewaltig. Denn die mit Margot Robbie perfekt besetzte Heldin des Films, die "stereotype Barbie", denkt plötzlich ans Sterben. Ein "Riss im Kontinuum in der Membran zwischen Barbieland und der echten Welt" soll verantwortlich sein für diese komischen neuen Gedanken und andere unerwartete Störungen. Richten kann das nur die Margot-Barbie höchstpersönlich. Sie muss das Mädchen finden, das mit ihr spielt – das ist die Mission.

In die echte Welt begleitet wird Barbie, na klar, von Ken (Ryan Gosling). Wirklich dabei haben will Barbie den unsterblich in sie verliebten Blondling eigentlich nicht. Doch Ken beharrt darauf, Barbie nicht alleine reisen zu lassen. Schließlich müsse er, so erklärt er Barbie, den anderen Kens etwas beweisen. Er will sein Revier markieren, Barbie für sich haben. Bereits hier zeichnet sich ab, wer der (nicht ganz so heimliche) Star des Films ist. Denn Ryan Gosling ist der perfekte Ken, und Ken ist der perfekte Schurke. Während Barbie nach ihrer Ankunft in der Realität entsetzt ist über die Frauenfeindlichkeit, die ihr aus allen Richtungen entgegenschlägt, wähnt sich Ken im Eldorado. "Männer regieren die Welt!", stellt er begeistert fest – und holt kurzerhand das Patriarchat ins nun in "Kendom" umgetaufte Barbieland.

Man ahnt es schon: Kendom hat nur noch wenig mit der pastellfarbenen Utopie von Barbieland gemein. Klar, ist doch die neu etablierte Männerherrschaft in der Spielzeugwelt eine weitaus ungefährlichere und doch lebensnahe Karikatur der Wirklichkeit. Statt das Land zu regieren, darf sich Präsidentin Barbie (Issa Rae) nun also stundenlang von einem Ken anhören, weshalb "Der Pate" der beste Film aller Zeiten ist. Das einzige Ziel von Physikerin-Barbie (Emma Mackey) ist es fortan, den Kens in einem knappen Kleidchen eiskaltes Bier zu servieren. Und auch die Meerjungfrau-Barbie (Dua Lipa) hat plötzlich nichts Besseres zu tun, als ihren männlichen Gegenpart (John Cena) anzuschmachten. Die Gehirnwäsche hat funktioniert.

Hier ein bisschen Magie, da ein bisschen Gesellschaftskritik

"Entweder man ist gehirngewaschen – oder man ist schräg und hässlich", wird Gloria (America Ferrera), die Frau, die den Riss im Kontinuum überhaupt erst verursacht hat, diese Entwicklung treffend zusammenfassen, als sie und ihre Tochter Barbie bei ihrer Rückkehr in das nun weitaus weniger einladende Puppenland begleiten. Die bereits bestens mit dem Patriarchat vertraute Gloria ist es auch, die den Kern dieses eben doch sehr klugen Films auf den Punkt bringt: "Es ist im wahrsten Sinne unmöglich, eine Frau zu sein."

Dünn etwa müsse man sein, aber nicht zu dünn, und keinesfalls dürfe man darüber sprechen, dünn sein zu wollen. Gloria hat recht: Frau muss intelligent sein, aber stets bescheiden, nicht zu sexy, nicht zu prüde, immer hübsch, aber nie eitel. Immerzu sollen Frauen vorsichtig sein, aber keinesfalls alle Männer unter Generalverdacht stellen. Die moderne Frau macht Karriere, ist eine gute Mutter, ist schlank, schön und schlau und lächelt die Tatsache einfach weg, dass in vermeintlich emanzipierten Ländern wie Deutschland jeden dritten Tag eine Frau durch die Hand ihres männlichen (Ex-)Partners stirbt.

Gar so düstere Töne schlägt "Barbie" nicht an. Es ist ein Leichtes, den Film nach einem Drehbuch von Gerwig und Noah Baumbach ("Marriage Story") lediglich als luftig-leichte Komödie zu betrachten. Schließlich macht es wahnsinnig viel Spaß, Will Ferrell als schrägen Mattel-CEO, Rhea Perlman als Barbie-Erfinderin Ruth Handler und nicht zuletzt Ryan Gosling in ihren Rollen zu sehen. Gerade ob dieser kontinuierlichen Heiterkeit ist es erstaunlich, wie gekonnt "Barbie" den Ist-Zustand westlicher Gesellschaften persifliert – und das gänzlich, ohne Barbie zu entzaubern.

In der Filmsaison 2023/24 wurde der Film weltweit mit über 90 Preisen ausgezeichnet, und es gab mehr als 300 weitere Nominierungen. Der Titelsong "What Was I Made For?" von Billie Eilish und Finneas O'Connell gewann den Oscar für den besten Filmsong. Auch bei den Golden Tomato Awards 2024 konnte "Barbie" überzeugen und wurde als beste Filmkomödie prämiert. Bereits zwei Wochen nach Kinostart durchbrach der Film die Milliarden-Dollar-Marke. "Oppenheimer", der zeitgleich im Sommer 2023 in die Kinos kam, konnte mit diesem sensationellen Erfolg nicht Schritt halten.

Barbie – Mi. 13.05. – RTL: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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