Das Kentler-Experiment - Staatlich finanzierter Kindesmissbrauch
04.02.2026 • 20:15 - 21:00 Uhr
Info, Gesellschaft + Soziales
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Helmut Kentler nimmt selbst gestrandete Jungs bei sich auf. Auch er missbraucht seine Schutzbefohlenen.
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Über drei Jahrzehnte schicken Berliner Jugendämter schwer erziehbare Minderjährige zu pädophilen Straftätern.
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Kinder werden missbraucht. Vermittelt, gebilligt und finanziert vom Jugendamt.
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Ein Betroffener spricht, er hat bis heute mit den Folgen zu kämpfen.
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Originaltitel
Das Kentler-Experiment - Staatlich finanzierter Kindesmissbrauch
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
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Das Kentler-Experiment - Staatlich finanzierter Kindesmissbrauch

Kinder werden missbraucht. Vermittelt, gebilligt und finanziert vom Jugendamt. Was wie eine wilde Verschwörungstheorie klingt, ist so geschehen. Über drei Jahrzehnte schicken Berliner Jugendämter schwer erziehbare Minderjährige zu pädophilen Straftätern - unter Aufsicht von Helmut Kentler, Bestsellerautor, Sexualwissenschaftler und Professor für Sozialpädagogik an der Universität Hannover. Westberlin Ende der 1960er-Jahre: Ulrich ist 13, abgehauen aus einem Kinderheim, Stricher am Bahnhof Zoo. Er hat kein Zuhause, lesen und schreiben kann er nicht. Heute würden man ihn einen Systemsprenger nennen. Aber: "Sein Vorteil war, dass er gut aussah und dass ihm Sex Spaß machte; so konnte er pädophil eingestellten Männern, die sich um ihn kümmerten, etwas zurückgeben." Dieser Satz stammt von Helmut Kentler, einem damals hoch angesehenen Sexualwissenschaftler. Ab 1969 führt der Forscher in Zusammenarbeit mit der Berliner Jugendbehörde ein Experiment durch: Drei wegen Pädophilie vorbestrafte Hausmeister sollen sich als Pflegeväter um Berliner Straßenjungen kümmern, ganz offiziell, mit Pflegegeld und Supervision durch Kentler. In seinem Gutachten dazu schreibt er 1988: "Mir war klar, dass die drei Männer vor allem darum so viel für 'ihren' Jungen taten, weil sie mit ihm ein sexuelles Verhältnis hatten. Sie übten aber keinerlei Zwang auf die Jungen aus, und ich achtete bei meiner Supervision besonders darauf, dass sich die Jungen nicht unter Druck gesetzt fühlten." Helmut Kentler, Jahrgang 1928, zählt damals zu den Stars der Sexualwissenschaft, als progressiver Erziehungswissenschaftler gefragt bei den Medien. Eine bürgerliche Erscheinung, ein Mann, der im Fernsehen in Anzug und Krawatte verschreckte Eltern über Doktorspiele im Kindergarten, Sexualkundeunterricht und Homosexualität bei Jugendlichen aufklärt. Kein "Spinner" wie die wilden Revoluzzer der Kommune 1, sondern ein seriöser Forscher. Seine Sexratgeber begeistern liberale Bürgerliche und Intellektuelle, die der Verklemmtheit und den verkrusteten Tabus der Nachkriegszeit entfliehen wollen. Zur Zeit des Modellversuchs arbeitet Kentler als Abteilungsleiter beim Pädagogischen Zentrum in Berlin, einem bundesweit beachteten Reformlabor. Ein Charismatiker, der beeindruckend reden kann, und ein Kümmerer. Der Pädagoge nimmt selbst gestrandete Jungs bei sich auf, drei von ihnen adoptiert er. Auch er missbraucht seine Schutzbefohlenen. Das Berliner Jugendamt schickt, beraten von Kentler, verhaltensauffällige Teenager zu Kentlers Kollegen Herbert E. Colla-Müller und an die Odenwaldschule. Auch sie erfahren sexualisierte Gewalt. Und zu allem Überfluss lässt das pädophile Täternetzwerk sich seine "Dienste" auch noch ordentlich vergüten. Wie konnte das geschehen? Mit Wissen und Finanzierung durch staatliche Stellen? Warum fällt niemandem auf, was da Ungeheuerliches vorgeht? Der Film beleuchtet die Hintergründe eines fatalen Behördenversagens. Er befragt Weggefährten und Fachleute, die das Kentler-Experiment aufarbeiten. Und schildert den tragischen Fall eines der Leidtragenden, der bis heute mit den Folgen zu kämpfen hat.

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