Der Kommissar und der See - Liebeswahn
03.10.2022 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Kriminalfilm
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Originaltitel
Der Kommissar und der See
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Fernsehfilm, Kriminalfilm

Sittlers neues Meer heißt Bodensee

Von Eric Leimann

14 Jahre lief die deutsch-schwedische Krimireihe "Der Kommissar und das Meer" mit Walter Sittler als Kommissar auf Gotland. Trotz exzellenter Quoten wurde das Format eingestellt. Doch Fans dürfen – ein bisschen – aufatmen. Mit Sittlers Figur geht es als Pensionär am Bodensee weiter.

Ein bisschen überrascht war der Cast der ZDF-Erfolgsreihe "Der Kommissar und das Meer" wohl schon, als man vor etwa zwei Jahren erfuhr, dass das Format nach 14 Jahren im deutsch-schwedisch gemischten Ensemble eingestellt würde. Mit meist über sechs Millionen Zuschauenden gab es kein Quoten-Argument pro Absetzung, doch man munkelt, die Produktionskosten auf der schwedischen Insel Gotland wären zu hoch gewesen, weshalb man dem Team kurz vor Weihnachten 2021 die Abschiedsfolge "Woher wir kommen – wohin wir gehen" ins Drehbuch schrieb. Darin tauchte sogar noch einmal Paprika Steen als Ex-Frau des deutschen Helden, Kommissar Robert Anders (Walter Sittler), auf. Die war eigentlich nach acht von 29 Folgen ausgestiegen. In der Abschiedsfolge wollte die Afrika-Heimkehrerin in altes Schwedenhaus verkaufen, wurde ermordet, und der Verdacht fiel auf ihren Ex-Ehemann, Robert Anders.

Nun, wie man sich denken kann – der sympathische Ermittler konnte die eigene Unschuld nachweisen und seine Krimireihe geht nun – in veränderter Fom – mit ihm alleine und als Pensionär weiter. "Der Kommissar und der See: Liebeswahn" erzählt die Rückkehr Anders' in sein altes Zuhause, einem wunderbaren Seegrundstück am Bodensee. Hier hängt der immer noch blendend aussehende Rentner – Darsteller Walter Sittler wird in diesem Jahr noch 70 Jahren alt – alten Erinnerungen nach, er trifft Weggefährten aus seiner Jugend und hilft schon mal jungen Mädchen wie der 15-jährigen Lea (Katharina Hirschberg) mit einem Schlafplatz weiter, wenn die sich nicht nach Hause trauen. Genau diese Samariter-Idee erweist sich jedoch als falsch, denn am nächsten Morgen ist Lea verschwunden und treibt tot im Bodensee. Der Verdacht fällt – schon wieder – auf den Ex-Ermittler und Schweden-Heimkehrer. Kann Robert Anders vor den Bodensee-Polizisten um Jung-Kommissarin Annika Wagner (Nurit Hirschfeld) seine Unschuld beweisen und den wirklichen Täter finden helfen?

Die Melancholie der Rückkehr an alte Erinnerungsorte

Der Bodensee bei Lindau stellt sich im Drehbuch von Routinier Jürgen Werner (Erfinder des Dortmunder "Tatorts") als ziemlich kleine Welt heraus, in der Robert Anders von der Tochter seiner Ex- und Jugendfreundin Johanna (Katharina Böhm) verhört wird, deren Vater (Bernhard Schir) sich zudem so seltsam verhält, dass er ebenfalls etwas mit dem Fall zu tun haben könnte. Gleichzeitig kommen in Roberts Kopf alte Bilder aus seiner Kindheit hoch, als es schon einmal ein Unglück im See gab, das ihm bis heute zu schaffen macht. Und, na klar, alte Freunde schauen vorbei, man redet über die verflossenen Jahrzehnte oder trinkt mit der Jugendliebe im idyllischen Seehaus ein gutes Glas Rotwein zum 80er-Sound von Sadé und checkt Möglichkeiten aus, nach ein paar Jahrzehnten wieder an Altes anzuknüpfen ...

Die Auftaktfolge "Der Kommissar und der See" gibt sich wenig Mühe, zu verbergen, dass hier mit bewährten Elementen gearbeitet wird: das schwedische Meer wurde durch den Bodensee ersetzt, und der silbrig graue Walter Sittler sieht auch vor diesem Blau so gut aus, wie es sich ein Best-Ager erträumen darf. Als Elder-Ermittler-Statesman darf er von nun an seinen jungen Kolleginnen und Kollegen Tipps geben, wenn sie ihn nicht gerade selbst verdächtigen. In Zukunft, so Walter Sittler, soll ein weiterer Film pro Jahr entstehen, sofern die Quote diesen Plan unterstützen hilft.

Der Auftaktfall "Liebeswahn" (Regie: Felix Karolus) ist in Sachen Krimiplot eher ein Werk von der Stange. Mehr Wert wurde auf die Inszenierung von sanfter Melancholie am Wasser gelegt: eine Melancholie der Rückkehr an alte Erinnerungsorte. Die Besetzung der Gastrollen kann sich sehen lassen: Mit Katharina Böhm und Bernhard Schir hat der neue Bodensee-Krimi schauspielerisch durchaus etwas zu bieten.

Wer die Absetzung von "Der Kommissar und das Meer" mit Modernisierungsgedanken des ZDF in Zusammenhang bringt, sieht sich in Anbetracht des Nachfolgeformates allerdings widerlegt. "Der Kommissar und der See" ist klassisches deutsches Krimifernsehen mit schöner Landschaft und einem nicht allzu anspruchsvollen 90-Minuten-Möderrätsel, das am Ende mit Blick aufs Wasser aufgeklärt wird. "Der Kommissar und das Meer"-Fans werden trotzdem aufatmen, dass ihnen Robert Anders nicht völlig verloren gegangen ist.

Der Kommissar und der See – Mo. 03.10. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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