Die junge Hebamme Gesa (Josefine Preuß) macht sich auf nach Wien, um dort die erste Medizinstudentin zu werden.

Das SAT.1-Event "Die Hebamme" mit Josefine Preuß war im März 2014 ein echter Quotenhit: 5,3 Millionen Zuschauer verfolgten das spannende, ziemlich heftig inszenierte Historiendrama. An den überraschenden Erfolg konnte der zweite Film nicht anschließen: 3,6 Millionen Zuschauer sahen die Erstausstrahlung 2016. Nun wiederholt SAT.1 das Drama zur Primetime. Dabei ist der Titel ein wenig gemogelt, denn der Streifen (Produktion Oliver Berben) lässt die junge Hebamme Gesa (Josefine Preuß), die einst aus ihrem Dorf in die Universitätsstadt Marburg zog, um "Hebamme wie meine Mutter" zu werden, aufsteigen zur Medizinerin. Selbstvertrauen und Wissbegier ebnen den Weg geradezu unweigerlich – da kann noch so viel männliche Skepsis im Wege stehen.

Der SAT.1-Film spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als nicht nur die Medizin, sondern auch das gesamte Frauenbild noch ein weitgehend mittelalterliches war. "Hebamme 2" bleibt dabei allerdings nicht beim guten alten Zweikampf zwischen dem männlichen chirurgischen und dem weiblich naturheilkundlichen Heilprinzip, man lässt nun eine junge Frau das eisern verteidigte männliche medizinische Terrain erobern.

Das ist anfänglich in eine etwas umständliche Geschichte mit allerlei Verwandtschaftsbeziehungen gepackt, bleibt aber immerhin nachvollziehbar: Eine Cousine der jungen Hebamme Gesa ist schwer an Schwindsucht (heute Tuberkulose) erkrankt und will bei der, wie sich herausstellt, inzwischen verstorbenen Mutter Hilfe suchen. Gesa greift stellvertretend helfend ein: Sie bringt Luisa, die Cousine (Genija Rykova), ans Wiener Universitätskrankenhaus, wo die ärztliche Kunst schon ein Stück weiter ist als andernorts. Dort ist, wie es der Zufall will, Luisas Vater als Professor tätig. Leider hat er die einst mit einem Poeten durchgebrannte Luisa und deren Kind hartherzig verstoßen.

Wie nun Gesa gewissermaßen aus heiterem Himmel in die Wiener Studentenrunde samt ihrem gestreng dozierenden Professor fällt, um ihn zur Heilung der Cousine zu bewegen, ist ein schönes Husarenstück. Man spürt gleich die Sympathie, die sich zwischen dem Gelehrten (Bernhard Schir) und seiner – man ahnt es – angehenden Schülerin entspinnt. Schon macht sie Vorschläge, wie man Luisas Lunge retten könnte, wenig später ist sie bei einem Kaiserschnitt dabei. Und dann gibt es auch noch einen Mörder, der als Kapuzenmann durch Wiens Krankenhäuser schleicht und in der unterirdischen Kanalisation die verwesten Leichen hortet.

Man hätte gern auf diesen zweiten Erzählstrang verzichtet, zumal ahnbar wird, dass es für die Taten des Unholds keine wirklich plausible Erklärung geben würde. Die Regie (Hannu Salonen), die ohnehin alle Hände voll zu tun hat bei der Fülle des Materials (Originaldrehbuch: Thorsten Wettcke, Silja Clemens) rettet sich da in ein schräges B-Picture, das den Zuschauer zuletzt mit vielerlei Verdachtsmomenten schwindlig spielt. Nur so viel noch: Ein "Narrenturm" mit gequälten Geistern steht gleich nebenan.


Quelle: teleschau – der Mediendienst