Die Heimsuchung
25.02.2023 • 21:45 - 23:15 Uhr
Spielfilm, Thriller
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Originaltitel
Die Heimsuchung
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Spielfilm, Thriller

Kann man Wachkomapatienten nach Jahren wecken?

Von Maximilian Haase

Ein Mensch liegt seit Jahren im Koma, der Grund dafür liegt in der düsteren Vergangenheit: Kostja Ullmann kundschaftet in "Die Heimsuchung" als traumatisierter Ermittler aus, was die Psyche in einem Menschen anrichten kann.

Unsere Psyche ist unergründlich, lautet eine Binsenweisheit. So viele Fortschritte Psychiatrie und Neulologie auch machen: Was in unserem Gehirn abläuft, lässt sich nicht allein durch biochemische Prozesse, bildgebende Verfahren oder verschiedene Therapieansätze erklären. Es ist diese rätselhafte Blackbox, die uns fasziniert – und die filmisch besonders gut zum Tragen kommt. Das Spiel mit fehlenden Erinnerungen und kaputten Seelen wurde im Hollywoodkino von "Memento" bis "Fight Club" längst perfektioniert – und hat auch hierzulande selbst im "Tatort" (Borowski lässt grüßen) seinen Platz. Und doch ist ein Psychothriller wie "Die Heimsuchung", der nun im Ersten wiederholt wird, noch immer eine Ausnahme. Inhaltlich wagt der Film mit Kostja Ullmann viel. Nur in der Umsetzung gerät er ab und zu ins Stolpern.

Ullmann gibt darin in typischer Ullmann-Art (Frage des Geschmacks) einen traumatisierten Polizisten. Der BKA-Beamte Ben fühlt sich für den Tod eines Mädchens verantwortlich, das er als Personenschützer nicht vor den Kugeln eines Entführers bewahren konnte. Um zu entspannen, fährt er mit seiner Freundin Marion (Kristin Suckow) zu seiner Familie an die Ostsee. Doch von Erholung kann keine Rede sein – schließlich sieht er seine Eltern Ralph (Martin Feifel) und Anke (Deborah Kaufmann) erstmals seit Jahren, zudem holt ihn ein Kindheitstrauma wieder ein: Einst kam sein bester Freund Timmi (Ilja Bultmann) bei einem Unfall ums Leben. In düsteren Szenen erinnert sich Ben an den schrecklichen Vorfall, den er mit seinem aktuellen Versagen verknüpft.

Ein Netz von Lügen und Verdrängung

Regisseur Stephan Rick inszeniert dies mysteryhaft, mit der wohl unvermeidlichen Kinderspieluhrmusik im Hintergrund. Alles scheint Bedeutung zu haben, aber zu viel Bedeutung kann auch ermüden. Sehr konstruiert scheint zudem so manche der Wendungen, die allerdings zugleich den Reiz des Drehbuchs von Thorsten Wettcke ausmachen: So erfährt Ben erst in der alten Heimat, dass Timmi (als Erwachsener: Felix Phönix Lehmann) doch noch lebt – nach dem Unfall allerdings seit Jahren im Wachkoma liegt. "Ihr habt mir gesagt, er wäre tot", beschimpft Ben seine Eltern – "Das ist er ja praktisch auch!", schießt der Vater zurück. Und schwupps, da ist sie, die ethische Debatte um Wachkomapatienten und die Frage, wie lange man einen nicht ansprechbaren Menschen am Leben lassen sollte.

Praktischerweise ist Freundin Marion auch zugleich Ärztin, die auf Wachkomapatienten spezialisiert ist und die Diskussion daher mit fachlichen Fakten grundieren kann. Das gerät leider in manchem Dialog sehr gestelzt ("Also, ein funktionelles MRT misst die Durchblutungsänderung im Gehirn"), ist für den Nicht-Experten aber wohl manchmal notwendig. Schließlich wollen Ben und Marion zum im Krankenhaus liegenden Timmi mithilfe der MRT-Technik Kontakt aufnehmen. Der Plan: Auf das Trauma (Unfall? Absicht? Missbrauch?) angesprochen, soll er wieder aufwachen. Blöd nur, dass Timmis Vater (Michael Witte) daran kaum Interesse zeigt – und auch der Rest des Dorfes die Sache lieber begraben will.

Hier beginnt es, wirklich interessant zu werden. Ben stößt auf ein Netz von Lügen und Verdrängung – das er auch in sich selbst geknüpft zu haben scheint. Rätselhafte Flashbacks und hübsch in Szene gesetzte Orientierungslosigkeiten stellen die Geschichte auf den Kopf. Welches Geheimnis umgibt Ben und seine Vergangenheit? So sehr man sich an Ullmanns Lonesome-Guy-Spiel stören kann, so sehr sich hier bekannter Thrillersprache bedient wird: Spannend und reizvoll bleibt "Die Heimsuchung" zwischen Gruseldorfstimmung am Meer und kühlen MRT-Hirnbildern dennoch bis zum Schluss – und ein wenig "Fight Club"-Atmosphäre kommt auch noch auf.

"Die Heimsuchung" – Sa. 25.02. – ARD: 21.45 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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