Dan Brown lässt grüßen: Die Neuauflage von "Die purpurnen Flüsse" als vierteilige TV-Reihe ist ein wilder Ritt durch mittelalterliche Verschwörungstheorien.

Rau ist die Landschaft im Norden Frankreichs, und rau sind hier offenbar auch die Sitten. Kommissar Pierre Niémans (Olivier Marchal) wurde aus Paris in die Bretagne gerufen, von einem alten Freund, der nun als Mönch hier lebt und sich bedroht fühlt. Aber noch bevor er dem Ermittler sagen kann, was ihn umtreibt, stirbt der Zisterziensermönch dramatisch in den Dünen, nicht ohne seinem Freund aus der Hauptstadt geheimnisvolle Worte ins Ohr zu flüstern: "Das Schwert und die Schlange ..."

"Melodie des Todes" ist der erste von vier Filmen (jeweils montags, 22.15 Uhr), die auf dem Roman "Die purpurnen Flüsse" des Franzosen Jean-Christophe Grangé basieren. Zweimal wurde der Krimi bereits verfilmt, damals mit Jean Reno in der Hauptrolle des Pariser Kommissars Niémans. In der Fernsehversion (koproduziert vom ZDF), deren Drehbücher Grangé selbst verantwortete, ist von der Vorlage nicht viel mehr geblieben als der zu Gewaltausbrüchen neigende Niémans. Was etwas verwundert, da es ausgerechnet die Charakterzeichnung ist, die arg eindimensional geraten ist. Blasser noch als der Prügelkommissar ist die Partnerin, die man ihm an die Seite stellt, Camille Delaunay heißt sie, und über die man im Laufe der 90 Filmminuten so gar nichts erfährt (gespielt von Erika Sainte).

Was "Melodie des Todes" aber bietet, ist Handlung im Überfluss. Niémans (gespielt von Olivier Marchal, einst übrigens selbst Inspektor bei der Kriminalpolizei) und Delaunay quartieren sich also im Kloster des toten Mönchs ein und reißen die Ermittlungen an sich. Der Tote, das ergeben die Untersuchungen, wurde mit einem gezielten Stich ermordet, außerdem wurde ihm eine Tätowierung an der Hand offenbar weggebrannt. Bruder Guillaume, so hieß er, forschte im Kloster am Werk des Guido von Arezzo, eines Musiktheoretikers, der im zehnten Jahrhundert das heute noch gebräuchliche Notensystem etablierte.

Überhaupt ist das ganze Kloster vor allem ein wissenschaftlicher Betrieb. Mönche stehen hier an Pulten vor ihren Rechnern (WLAN-Passwort:" Jesus", verrät einer von ihnen), und das hat dann mehr von Silicon Valley als vom "Namen der Rose". Als ein weiterer Mönch ermordet wird, der sich ebenfalls mit Musiktheorie beschäftigt hat, glaubt Niémans einen Zusammenhang zu erkennen. Ohne zu viel zu verraten: Was folgt, ist eine Verschwörungstheorie, wie sie sich auch ein Dan Brown schöner nicht ausdenken könnte.

Nur leider mischt Autor Grangé irgendwann einen zweiten Handlungsstrang hinein in diese an sich schon reichlich düstere Geschichte. Da geht es um den Sänger einer Gothic-Band, der einst junge Mädchen vergewaltigt hatte, um ausgeblutete Jungfrauen und schließlich gar um satanistische Rituale. Das ist dann doch etwas zu viel des Guten – und so endet dieser spannende und vor allem unterhaltsame Versuch, die Kultreihe aus den Nullerjahren wiederzubeleben, leider im bluttriefenden Trash.


Quelle: teleschau – der Mediendienst