Ein Sommer an der Moldau
27.09.2020 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Melodram
Lesermeinung
Tomasz (Marco Cindric, M.) zeigt Sophie (Alina Levshin, l.), Marianne (Franziska Walser) und Paul (Rudolf Kowalski, r.) sein Prag.
Vergrößern
Sophie (Alina Levshin) versteht die Situation von Tomasz (Marco Cindric) durch das nächtliche Gespräch an Deck des Schiffes besser.
Vergrößern
Tomasz (Marko Cindric, r.) ist nach dem Tod seiner Frau und Mutter von Katka (Ziva Maria Faske, l.) für seine Tochter da.
Vergrößern
Die Privatermittlerin Sophie (Alina Levshin) beobachtet sehr genau, wie Tomasz mit seiner Tochter Katka umgeht.
Vergrößern
Originaltitel
Ein Sommer an der Moldau
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Fernsehfilm, Melodram

Nouvelle Vague am Sonntagabend

Von Wilfried Geldner

Der neue Film aus der ZDF-"Herzkino"-Reihe "Ein Sommer ..." nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise an die Moldau und vor allem nach Prag, in die "Goldene Stadt". Die Privatdetektivin Sophie soll herausfinden, ob der Moldauschiffer Tomasz für die Halbwaise Katka wirklich ein guter Vater sei.

"Ein Sommer an der Moldau" ist der 34. Film der ZDF-Sonntagsreihe "Ein Sommer in ..." und – eingebettet zwischen Pilcher, Lilli Schönauer und Katie Fforde – sicher einer der schönsten überhaupt. Was vor allem der minderjährigen, mit ihrem Vater auf der Moldau schippernden und über den Wolken schwebenden kleinen Katka und deren Darstellerin Ziva Marie Faske zu verdanken ist. Aber auch sonst wirkt die kümmerliche Crew, die uns auf dem kleinen Dampfer namens "Svoboda" ("Freiheit") begleitet, sehr erfrischend.

Zwar wirken die Anfänge der Reise ein wenig wie aus dem Papierkorb der ZDF-Sonntagsmelodramen gezogen, doch dann nimmt der Film allmählich Fahrt auf. Er spielt unter der Regie von Sarah Winkenstette (mit dem Jugendfilm "Zu weit weg" soeben im Kino) unbekümmert mit allerlei Klischees am Rande des Kitsches, liefert satteste Prag- und Moldau-Bilder und dringt mit munteren Adhoc-Dialogen in die Seelen seiner Protagonisten ein.

Schwerer Job für Alina Levshin als Detektivin

Dabei hat Alina Levshin als Agentin einer Berliner Detektei gewiss den schwierigsten Part. Sie soll auf einer Undercover-Schiffsreise auf der Moldau den tschechischen Dampferkapitän Tomasz (Marko Cindric) ins Visier nehmen und feststellen, ob der noch der richtige Vater für die kleine Katka sei. Katkas Großeltern gaben den Auftrag, sie möchten Tomasz das Sorgerecht für ihre Enkelin entziehen. Sophie, die Detektivin, gibt denn auch fleißig ihre Texte in den Laptop ein und fotografiert heimlich die Szenerie auf dem Dampfer. Arbeitet Katka, die sich bei hrer Vorstellung kühn als "Schwermatrose" bezeichnet, nicht zu viel, ist hier womöglich Kinderarbeit im Spiel?

Noch bevor sich der Dampferkapitän als vorzüglicher, weil liebevoller Vater erweisen kann, freunden sich Sophie und Katka miteinander an. Katka, deren Mutter vor Zeiten starb, hat viel zu erzählen – von der Mutter, die jetzt am Grunde der Moldau beim Wassermann ein Schloss bewohnt und, wenn sie eine Truhe öffnet, mit Katka sprechen kann. Katka hört dann auf einer Muschel mit. Als die mitlauschende Sophie selbst nichts hören kann, nuschelt Katka was von "Zeitverschiebung", also Schlafenszeit.

Ein Prager 68-er wird nach 50 Jahren Vater

Selbst die sich ewig streitenden Mitreisenden, mit Franziska Walser und Rudolf Kowalski in ihrer nachdenklichen Ernsthaftigkeit hochbesetzt, versöhnen sich irgendwann. Er ist auf der Suche nach einer alten Jugendliebe aus Vor-68er-Zeiten und findet "nach 50 Jahren" unverhofft einen Sohn. Sie ist vor Langem eine Vernunftehe eingegangen und hat sich damit abgefunden. Katka ginge – und geht – unter solchen Umständen lieber gleich ins Wasser. Aber sie wird dann gerettet und will auch brav in die Schule gehen, die sie bislang stets verachtet hat.

Mit viel Unbekümmertheit und Empathie für alle handelnden Personen bringt diese Moldaureise (ohne Smetana, nur mit sanfter Geigen- und Klavierbegleitung) einen frischen Ton ins oft schrecklich leichtfertig verkitschte Herzschmerz-Revier des ZDF-"Herzkinos". Das könnte ein gutes Vorbild für weitere Filme sein. "Einmal Flusspirat, immer Flusspirat", grüßen sich Vater und Tochter im Film – und sagen stets "Ahoi!", wie einst der "schwarze Peter" in Milos Formans erstem Film. Ganz die Neue Welle.

Ein Sommer an der Moldau – So. 27.09. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Ein Paar steht im Sonnenuntergang am Strand und hat sich in den Armen.
Reise

Ein schöner Urlaub für alle: Barrierefrei reisen

Barrierefreies Reisen ist für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen möglich. Ob Unterkunft, Sehenswürdigkeiten oder Mobilitätsservice – "Reisen für alle" bietet die passende Lösung.
Das Buch „Nimm den Zwängen die Macht. Zwangsstörungen und Zwangsgedanken verstehen, sich ihnen stellen und Freiheit zurückgewinnen “
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Nimm den Zwängen die Macht"

Zwangsstörungen belasten Betroffene und sind oft schwer nachvollziehbar. Ein neuer Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Marotten und krankhaften Zwängen und gibt wertvolle Tipps zur Überwindung.
Midge Ure guckt in die Ferne.
HALLO!

Midge Ure: "Es ist entweder mutig oder komplett verrückt"

Midge Ure, ehemaliger Frontmann von Ultravox, kehrt mit einem neuen Doppel-Album zurück. Im Interview spricht er über seine musikalische Entwicklung, den Einfluss von Kraftwerk und seine Entscheidung für ein Doppel-Album.
Professor Dr. Sven Ostermeier
ist Facharzt für Orthopädie und 
Unfallchirurgie, Sportmedizin, 
Chirotherapie und spezielle 
orthopädische Chirurgie. Der 
Schulter- und Knie-Experte arbeitet als leitender Orthopäde 
der Gelenk-Klinik Gundelfingen. 
Außerdem ist er Instruktor der  Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA).
Gesundheit

E-Bike oder Fahrrad: Was ist besser für Rücken, Knie und Gelenke?

E-Bikes gelten als gelenkschonend und bequem. Doch sind sie auch genauso gut für Knochen und Gelenke wie klassisches Radfahren?
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt 
und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als „Doc Esser“ in TV, 
Hörfunk und als Buchautor.
Gesundheit

Wer viel misst, misst Mist

Selbsttests in Drogeriemärkten versprechen schnelle Diagnosen durch Künstliche Intelligenz. Doch wie zuverlässig sind diese Tests wirklich? Dr. Heinz-Wilhelm Esser, bekannt als "Doc Esser", erklärt die Risiken und betont die Bedeutung ärztlicher Erfahrung.
Martin Brambach im Anzug.
Star-News

Martin Brambach über seine Rolle als Ronnie im "Tatort": "Es ist schwer, eine gute Rolle loszulassen"

Martin Brambach macht nicht nur als Tatort-Ermittler eine gute Figur. In „Mit Herz und Hilde“ spielt er Ronnie, einen Mann, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, dabei aber gleichzeitig die Gegenwart nicht aus den Augen verliert.