Ein Tag in Auschwitz
28.01.2020 • 20:15 - 21:45 Uhr
Info, Zeitgeschichte
Lesermeinung
Auschwitz Birkenau – Gleise, die in den Tod führten.
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Aus einem Gedicht von Moses Schulstein: "Wir sind die Schuhe, wir sind die letzten Zeugen. Wir sind Schuhe von Enkeln und Großvätern. Aus Prag, Paris und Amsterdam. Und weil wir nur aus Leder und Stoff gemacht sind, und nicht aus Fleisch und Blut, blieb uns das Höllenfeuer erspart."
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Die jungen Frauen, die wenige Stunden zuvor in Auschwitz ankamen, dürfen vorläufig weiterleben – die SS hält sie für "einsatzfähig".
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Neu eingetroffene Männer, die zunächst weiterleben dürfen – ihnen stehen in Auschwitz schwere Arbeit, Hunger, Erniedrigungen und Misshandlungen bevor.
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Originaltitel
Ein Tag in Auschwitz
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2019
Info, Zeitgeschichte

Dokumente des Wahnsinns: Bilder eines SS-Fotografen

Von Hans Czerny

Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. 1,1 Millionen Menschen wurden hier in Gaskammern ermordet und verbrannt, Auschwitz wurde zum Symbol des Holocaust. Der ZDF-Film "Ein Tag in Auschwitz" vergleicht authentische SS-Fotografien und die Erinnerungen überlebender Insassen.

Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz und befreite die restlichen Überlebenden. Über eine Million Menschen, zumeist Juden, waren im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zuvor ermordet worden, Auschwitz wurde zum Synomym für den Holocaust. Die Geschichte der Massenvernichtung wurde in Spielfilmen und Dokumentationen – Claude Lanzmanns "Shoah" ist da hervorzuheben – erzählt. Doch es gibt immer neue Herausforderungen, gegen das Vergessen und gegen Zweifler an der historischen Wahrheit anzugehen. Um größtmögliche Genauigkeit ist daher auch die ZDF-Zeitgeschichtsdokumentation "Ein Tag in Auschwitz" bemüht, die sich an SS-eigene Fotografien und an die Erinnerungen Überlebender hält .

Es ist ein Tag Ende Mai 1944. Die Tötungsmaschinerie der Nazis läuft auf Hochtouren, im Frühjahr 1944 werden täglich tausende Juden aus Ungarn nach Auschwitz deportiert und großteils in den Gaskammern ermordet, soweit sie bei der sogenannten Selektion an der Rampe nicht als "arbeitsfähig" galten. Wohl um den reibungslosen Ablauf der Vernichtung unter Beweis zu stellen, wurden die Geschehnisse von zwei SS-Männern, dem SS-Hauptscharführer und Fotografen Bernhard Walter und seinem Helfer Ernst Hofmann dokumentiert. Einzelne Häftlings-Transporte wurden durchgängig begleitet – von der Ankunft der jüdischen Familien in Viehwaggons über ihre "Selektion" an der Rampe bis hin zum Raub ihres Eigentums, nicht allerdings die Ermordung in den Gaskammern selbst. Alles wurde genau festgehalten. Drei Stunden benötigte man für diejenigen, die sofort in die Gaskammern kamen, etwa vier bis fünf für die anderen, die man geschoren und in Häftlingskleidern in Lager steckte.

Bei ihrer Rekonstruktion "Ein Tag in Auschwitz" wollen die Macher beide Seiten zeigen – die der Täter und die der Opfer. Die Auschwitz-Überlebende Irina Weiss, die zum Zeitpunkt des Film-Interviews 89 Jahre alt ist, glaubt sich auf einem der Fotos an der Rampe zu erkennen. Detailiert berichtet sie, wie die SS-Leute sie von ihrer kleinen Schwester und der Familie trennten, nachdem sie am 26. Mai 1944 in Auschwitz angekommen war. Nur wenige Meter muss die damals 13-Jährige vom Fotografen Bernhard Walter entfernt gewesen sein.

"Wie komme ich hier wieder lebendig heraus?"

Von Walter sind dessen SS-Akte und verschiedene Aussagen aus den Frankfurter Auschwitz-Prozessen der 60er-Jahre erhalten. Der ehemalige Stuckateur aus Fürth war 1933 in die NSDAP eingetreten und kam über die Stationen Dachau und Sachsenhausen schon 1940 nach Auschwitz, wo er bis kurz vor der Befreiung des Lagers blieb. Der SS-Hauptscharführer lebte mit Frau und drei Kindern ganz in der Nähe der Todesfabrik. Die Dokumentation, die einmal mehr auf das ZDF-übliche Reenactment setzt, zeigt ihn beim morgendlichen Anlegen der SS-Uniform und auf dem Weg zur täglichen Routine.

Während Walter, der 1950 nach Fürth zurückkehrte bevor er 1979 verstarb, ein eingeschworener NS-Täter war, arbeitete zur selben Zeit der griechische Jude Dario Gebber im Krematorium 3 von Auschwitz-Birkenau. "Alles was ich damals dachte", so berichtet er, sei gewesen: "Wie komme ich hier wieder lebendig heraus, um diese Geschichte zu erzählen?" – Wie dem polnischen Juden Czeslaw Mordowice gelang es ihm, Auschwitz zu überleben. Im Arbeitseinsatz außerhalb des Lagers hatte er ein Erdloch gegraben, in dem er sich versteckte bevor er nachts die Flucht ergriff. Schon 1944 informierte er die Außenwelt über die Gräuel, die er erlebte. 2001 gab er dem Holocaust-Museum in Washington ein Interview, das nun in Ausschnitten im Film zu sehen ist. Es ist eines von vielen Interviews, die den Wahnsinn des Holocaust für immer dokumentieren.

Ein Tag in Auschwitz – Di. 28.01. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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