Ein Tag in der DDR
25.06.2023 • 23:40 - 00:25 Uhr
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Originaltitel
Ein Tag in der DDR
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
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Warum musste der joviale ZK-Mann gehen?

Von Hans Czerny

Nur ein einziges Mal in der Geschichte des Politbüros der SED wird ein Mitglied seines Postens enthoben: Anfang November 1985 muss der beim Volk geschätzte Berliner SED-Bezirkschef Konrad Naumann gehen.

Warum musste das SED-Poltbüro-Mitglied Konrad Naumann am 05. November 1985 gehen? Mario Sporn und Thomas Grimm versuchen die Hintergründe des spektakulären Abstiegs im Terra X-Dreiteiler "Ein Tag in der DDR" zu durchleuchten. Naumann, Politbüro-Mitglied seit 1973, und Berliner SED-Bezirkschef, nahm bei seinen öffentlichen Vorträgen kein Blatt vor den Mund, er pflegte eine raue, unverblümte Sprache. Vor der Akademie der Gesellschaftswissenschaften beklagte er am 17. Oktober 1985 die schlechte Versorgungslage in der DDR. Gleichzeitig kritisierte er die anwesenden Künstler und Wissenschaftler, denen er riet, "mal richtig arbeiten zu gehen". Der Inhalt dieser Rede wurde Naumann Wochen später zum Verhängnis. Angeblich ihretwegen wurde Naumann seiner Ämter enthoben. Nach anderer Version war jedoch Naumanns Lebenswandel als Trinker und Frauenheld schuld. Nicht nur bei Auftritten mit seiner Ehefrau Vera Oelschlegel, einer bekannten Schauspielerin und Sängerin, hob er sich von den Apparatschiks im innersten Machtzirkel deutlich ab. Als jovialer Kumpeltyp war Naumann vor allem an der Basis beliebt, wie Archivaufnahmen zeigen. "Der hat ne Stimme gehabt!" sagt der Balaleikaspieler Horst Kossicke, der sich an einen feuchtfröhlichen Abend im Restaurant "Moskau" erinnert. Er drohte, Erich Honecker die Schau zu stehlen und stilisierte sich in den Augen vieler zum würdigen Nachfolger des Generalsekretärs. Im November 1985 sollte ihm sein unsteter Lebenswandel jedoch zum Verhängnis werden, er lieferte den Vorwand zu seinem Rauswurf. Ausgerechnet Staatschef Erich Honecker bedauerte die Entlassung des "Kronprinzen" nach dem Ende der DDR zutiefst. Im Film kommt neben Naumanns Ehefrau Vera Oelschlegel (bis 1987) auch das damals jüngste Politbüro-Mitglied Egon Krenz zu Wort. Krenz galt gleichfalls als Anwärter auf die Honecker-Nachfolge. Vom 18. Oktober bis zum 6. Dezember 1989 war er schließlich Generalsekretär des ZKs der SED. Er zählt zu den wenigen, die noch Auskunft über Interna aus dem Politbüro geben können.

Fürstliches Leben im Gästehaus der Republik

Trotz aller Eskapaden hatte Erich Honecker bis zuletzt seine schützende Hand über Konrad Naumann gehalten. Schon vor der Abberufung Naumanns hatte es über den in der abgeschiedenen Waldsiedlung Wandlitz vor den Toren Berlins lebenden ZK-Funktionär Gerüchte gegeben. "Naumann war ja wirklich der Fürst von Berlin. Und von heute auf morgen 08/15 zu sein, das ist nicht einfach", erinnert sich Vera Oelschlegel, die 1977 mit dem Segen Honeckers Naumann geheiratet hatte. Nach dem einstimmigen Ausschluss wurde Naumann immerhin eine Villa in Berlin-Karlshorst zugewiesen. Das vormalige Gästehaus der DDR-Regierung wurde dafür aufwendig renoviert. Naumann bekam 6.000 Mark Ehrenpension, mehr als fünfmal so viel wie der damalige durchschnittliche Arbeitslohn. Nach dem Ende der DDR lebte er in Guayaquil, wo seine dritte Ehefrau eine Stelle als Lehrerin an der Deutschen Schule bekam. Er starb 1992. "Er war ein aufrechter und ehrlicher Genosse", schrieb Honecker gleichfalls 1992 in sein Tagebuch und bezeichnete seine Absetzng als "Fehler". "Der Politbüro-Skandal" ist der erste Film einer dreiteiligen "Terra X History"-Reihe zum Aufstand des 17. Juni 1953 vor 70 Jahren. "Der Trabi-Krimi" folgt am Dienstag, 27. Juni, um 20.15 Uhr. Dritter Teil, "Die Flucht mit der Raupe", am 04. Juli, 20.15 Uhr.

Ein Tag in der DDR: Der Politbüro-Skandal – So. 25.06. – ZDF: 23.45 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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