Ein starkes Team - Verdammt lang her
27.11.2021 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Ein starkes Team
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Jegliches hat seine Zeit

Von Wilfried Geldner

Tiefer als sonst geraten Garber (Florian Martens) und Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) in ihre DDR-Vergangenheit. Was geschah damals vor 30 Jahren, kurz vor der Währungsreform? Ein neuer Fall für "Ein starkes Team".

30 Jahre sind eine lange Zeit – besonders, wenn man im Gefängnis gesessen hat. Peter Kniesbeck (André M. Hennicke) hat dieses Schicksal ereilt. Aber war er wirklich der Mörder, der damals so kurz vor der Währungsunion einen Transporter mit frischem Westgeld überfallen und einen Bankbeamten erschossen hat? Er hatte damals gestanden, Otto Garber (Florian Martens) hatte ihn selbst gefasst. Nun wird er entlassen. Es ist der Beginn einer lange Zeit sehr intensiven Ost-West-Geschichte, die Leo P. Ard in der 90-Minuten-Episode "Verdammt lang her" erzählt, Krimi-Spezialist Ulrich Zrenner inszenierte.

Wenn ein Mensch stirbt

"Wenn ein Mensch lebt", singen die Puhdys von 1973 aus dem legendären Defa-Film "Paul und Paula": "Jegliches hat seine Zeit, Leben und Sterben und Streit." Es ist eine starke Ouvertüre vor großem Berlin-Panorama, die hohe Erwartungen weckt. Lange Zeit werden sie dann auch von der neuen Ausgabe der ZDF-Samstagsreihe "Ein starkes Team" eingelöst. Kniesbecks Entlassung hat viel vom trostlosen Neustart des Franz Bieberkopf aus "Berlin Alexanderplatz". Der soeben Entlassene schaut auf seine Armbanduhr – er hat sie damals als "Sonderedition" beim "Jahrestag der Kampfgruppen" erstanden. Jetzt wartet er auf seine Tochter, die er damals noch vor der Wende gen Westen verlassen hat.

Vergeblich, wie sich versteht, stattdessen wird der Bewährungshelfer an seiner Seite von einem vermummten Motorradfahrer erschossen, der Schuss hatte Kniesbeck gegolten. Etwas zu plötzlich bricht sich mit dem etwas dürftig geratenen Stunt ein verwinkelter Krimi Bahn, der immer mehr Kniesbecks Leidensgeschichte ablösen wird. Action statt Psychodram, aus der Perspektive Kniesbecks erzählt. Er war mal staatlich geprüfter Plattenaufleger im Osten, "Discjockey würde man heute sagen". An seiner Tochter hing er damals wie heute nach 30 Jahren, sie wurde statt seiner von einem Kumpel, einem seiner Komplizen beim Überfall, betreut.

Kniesbecks Wut

Kniesbecks doppelte Wut ist nur allzu verständlich. Dennoch hat er nach seiner langen Gefängniszeit – sie wird mit einem missglückten Fluchtversuch begründet – den Humor nicht verloren. André M. Hennicke bringt die passende Coolness mit für seine rätselhafte Lonesome-Cowboy-Figur. Dass der Mann kein Rächer ist, lässt sich ahnen.

Damals waren sie zu Dritt beim Überfall. Haben die anderen Angst davor, dass Kniesbeck nun an seine Beute will? Um das zu beantworten, macht das Drehbuch dann doch einen Riesenumweg über die Wende von damals samt Treuhand und Geldunion. Ein Grundstück wurde gekauft und stieg seitdem stetig im Wert, noch einmal wird der westliche Reibach von damals hochgezogen, eine Erpressung kommt in Rückblenden ins Spiel.

Bei seiner etwas überlangen Auflösung verliert der Krimi dann zunehmend seine sentimentale Leichtigkeit des Beginns. Dass eine scharfe US-Maklerin "Bandermann" heißt, so wie der legendäre Ex-Trainer aus der DDR, an den sich Garber noch gut erinnert, trägt nichts wirklich zum Geschehen bei. Dagegen sind die Nussknacker aus dem Erzgebirge, die Sputnik (Jaecki Schwarz) Mitleid heischend in kurzen Szenen verkauft, bewusst zwecklos und reiner Dekor. Tolle Idee. Und wer durchhält, wird – bevor die Puhdys wieder singen – mit einer recht komplizierten, aber in sich schlüssigen Lösung belohnt.

Ein starkes Team – Verdammt lang her – Sa. 27.11. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Ein Paar steht im Sonnenuntergang am Strand und hat sich in den Armen.
Reise

Ein schöner Urlaub für alle: Barrierefrei reisen

Barrierefreies Reisen ist für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen möglich. Ob Unterkunft, Sehenswürdigkeiten oder Mobilitätsservice – "Reisen für alle" bietet die passende Lösung.
Das Buch „Nimm den Zwängen die Macht. Zwangsstörungen und Zwangsgedanken verstehen, sich ihnen stellen und Freiheit zurückgewinnen “
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Nimm den Zwängen die Macht"

Zwangsstörungen belasten Betroffene und sind oft schwer nachvollziehbar. Ein neuer Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Marotten und krankhaften Zwängen und gibt wertvolle Tipps zur Überwindung.
Midge Ure guckt in die Ferne.
HALLO!

Midge Ure: "Es ist entweder mutig oder komplett verrückt"

Midge Ure, ehemaliger Frontmann von Ultravox, kehrt mit einem neuen Doppel-Album zurück. Im Interview spricht er über seine musikalische Entwicklung, den Einfluss von Kraftwerk und seine Entscheidung für ein Doppel-Album.
Professor Dr. Sven Ostermeier
ist Facharzt für Orthopädie und 
Unfallchirurgie, Sportmedizin, 
Chirotherapie und spezielle 
orthopädische Chirurgie. Der 
Schulter- und Knie-Experte arbeitet als leitender Orthopäde 
der Gelenk-Klinik Gundelfingen. 
Außerdem ist er Instruktor der  Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie (AGA).
Gesundheit

E-Bike oder Fahrrad: Was ist besser für Rücken, Knie und Gelenke?

E-Bikes gelten als gelenkschonend und bequem. Doch sind sie auch genauso gut für Knochen und Gelenke wie klassisches Radfahren?
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt 
und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als „Doc Esser“ in TV, 
Hörfunk und als Buchautor.
Gesundheit

Wer viel misst, misst Mist

Selbsttests in Drogeriemärkten versprechen schnelle Diagnosen durch Künstliche Intelligenz. Doch wie zuverlässig sind diese Tests wirklich? Dr. Heinz-Wilhelm Esser, bekannt als "Doc Esser", erklärt die Risiken und betont die Bedeutung ärztlicher Erfahrung.
Martin Brambach im Anzug.
Star-News

Martin Brambach über seine Rolle als Ronnie im "Tatort": "Es ist schwer, eine gute Rolle loszulassen"

Martin Brambach macht nicht nur als Tatort-Ermittler eine gute Figur. In „Mit Herz und Hilde“ spielt er Ronnie, einen Mann, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, dabei aber gleichzeitig die Gegenwart nicht aus den Augen verliert.