Wunderbare Tragikomödie um eine Teenagerschwangerschaft. Toll besetzt mit Benno Fürmann, Katharina Schüttler und der beachtenswerten Nachwuchsschauspielerin Tijan Marei in der Titelrolle.

Die 16-jährige Ella (Tijan Marei) wird beim "ersten Mal" schwanger. Vom Vater, einer französischen Zufallsbekanntschaft während eines Schüleraustauschs, weiß sie nur, dass er eventuell Pierre heißt. Daheim ist die Aufregung selbstredend groß. Vor allem, als Ella das Kind behalten möchte. Dabei wollten doch eigentlich ihr alleinerziehender Vater Roman (Benno Fürmann) und seine neue Freundin, Enddreißigerin Ariane (Katharina Schüttler), ein Baby zeugen. Bislang erfolglos. Der wachsende Bauch Ellas und die ausbleibende Schwangerschaft Arianes sorgen für Zündstoff in der bezaubernden "Coming of Age"-Dramedy "Ellas Baby" von David Dietl ("König von Deutschland"), Sohn des verstorbenen Kultregisseurs Helmut Dietl.

Das kanadisch-amerikanische Filmmelodram "Juno", 2007 gewann es den Drehbuch-Oscar, darf man getrost als Vorbild für diesen Film betrachten. Ellen Page spielte damals im Film von Jason Reitman (Drehbuch: Diablo Cody) die jugendlich Schwangere. Sie tat dies auf ähnlich anrührende Art wie nun die junge Berlinerin Tijan Marei ("Affenkönig", "4 Blocks"), deren exotischen Namen man sich schon mal einprägen sollte. Überhaupt hat sich David Dietl mit dem Naturtalent Marei, der immer wieder überdurchschnittlichen Katharina Schüttler und "Typ" Benno Fürmann ("Neu in unserer Familie"), der momentan einen Qualitätslauf mit sehr guten Filme hat, ein fantastisch zusammenspielendes Ensemble in den Film geholt.

Wie es dem klugen Drehbuch von Newcomerin Elena Senft gelingt, lebensechte Figuren zu zeichnen, ihnen kluge und witzige Dinge in den Mund zu legen, ohne dass das Ganze gekünstelt wirkt – das muss man erst mal schaffen. Senft, Jahrgang 1979, schrieb früher für das Magazin "Neo", das den Befindlichkeits-Slogan "Eigentlich sollten wir erwachsen werden" im Untertitel führte. Mit dem Roman "Und plötzlich ist jetzt später" schrieb Senft 2010 einen gut besprochenen, autobiografischen Roman über das Erwachsenwerden.

Ein Thema, das auch in "Ellas Baby" auf leise, aber fesselnde Art variiert wird. Es ist nämlich nicht nur Ella, die durch ihr Baby, das bald kommen wird, früher als ihre Altersgenossen reifen muss. Erwachsenwerden ist eine lebenslange Aufgabe, wie man an den anderen Charakteren dieses außergewöhnlich starken Freitagsfilms der ARD-Unterhaltungsschmiede Degeto sehen kann. Auch die Figuren Benno Fürmanns, Katharina Schüttlers und sogar des Großvaters (Peter Franke) haben damit zu kämpfen. Souverän und abgeklärt ist nur der, der mit dem Leben abgeschlossen hat. Auch das ist eine der tragikomischen, wahren Botschaften dieses unbedingt sehenswerten Films.


Quelle: teleschau – der Mediendienst