Faltenfrei
Fernsehfilm, Komödie • 17.11.2021 • 20:15 - 21:45
Lesermeinung
Stella Martin (Adele Neuhauser) hat eine berühmte Beauty-Linie erfunden und gilt als herrschsüchtige Chefin.
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Eitel wie ihre Kundschaft: Adele Neuhauser verkörpert die allerseits unbeliebte Stella.
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Stella (Adele Neuhauser) vertraut sich dem Chef der Schönheitsklinik Arthur Schenk (Manuel Rubey) an.
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Originaltitel
Faltenfrei
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Fernsehfilm, Komödie

Kritik an der Beauty-Branche: Adele Neuhauser als zynische Chefin

Von Maximilian Haase

Adele Neuhauser brilliert in der ARD-Komödie "Faltenfrei" als egomanische Chefin eines Beauty-Konzerns, die nach einer Schönheits-OP plötzlich hört, was Leute über sie denken. Unterhaltsame Kritik an einer ganzen Branche.

Unrealistische Vorbilder, sexistische Ideale, Geldmacherei mit der Unsicherheit junger Frauen: Die Beauty-Branche – von Kosmetikkonzernen bis Schönheitskliniken – steht schon länger im Fokus der Kritik. Während sich manche Unternehmen mittlerweile der Verantwortung bewusst wurden, wirken in anderen noch alte Vorstellungen und Strukturen. Eine solche Firma steht auch im Zentrum des ARD-Primetimefilms "Faltenfrei". Dies allerdings mit einem tragikomischen und überaus unterhaltsamen Ansatz: Die zynische Chefin einer Beauty-Linie, eben noch egomanisch und unbelehrbar, wird sich plötzlich – wortwörtlich – bewusst, was ihr Umfeld über sie denkt. Bewegt sie das zum Umdenken? Und wer könnte so einen Charakter besser verkörpern als eine abermals fantastische Adele Neuhauser?

Neuhauser, deren Paraderollen Bibi Fellner ("Tatort Wien") und Julie Zirbner ("Vier Frauen und ein Todesfall") ja ebenfalls komische und tragische Eigenschaften ineinander vereinen, scheint die Figur der Stella Martin auf den Leib geschneidert. Kein Wunder, arbeitete die 62-Jährige doch schon mehrfach mit Drehbuchautor Uli Brée zusammen. "Er weiß, was man mir antun kann, was ich aushalte und wo meine Stärken liegen", sagt sie. Grundsätzlich wichtig gewesen sei "aber natürlich die Kritik an der ganzen Branche, die Schönheitsoperationen vermarktet. Die Schönheitsbranche weckt falsche Träume in jungen Menschen."

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In der Figur der Stella versammeln sich diese kritikwürdigen Eigenschaften: Als ihre junge Assistentin vorsichtig auf die Gefahr von Schönheitsnormen verweist, winkt die unbelehrbare Chefin ab. Schließlich verkaufe man die Produkte vor allem, weil Frauen ihre Körper nicht mögen. "Leute wie du tragen dazu bei, dass sich Mädchen in ihren Körpern unwohl fühlen", wird Stella von ihrer Tochter Johanna (Olga von Luckwald) kritisiert – die Einzige, die offen Kritik äußert. Doch auch die Fassade der Alphafrau bröckelt: Nicht nur steht die Firma mittlerweile im Minus, auch Stella selbst muss mit dem Alter kämpfen. Zu allem Überfluss scheint Ehemann Georg (Thomas Limpinsel) auch noch eine Affäre mit der jüngeren Mitarbeiterin zu haben. Der Beauty-Wahn, so erzählt "Faltenfrei" ganz dialektisch, frisst nicht nur seine Kinder, sondern auch seine Mütter.

Ein Sturz und alles ist anders

Um diese Ambivalenz zuzuspitzen, bedient sich die von Regisseur Dirk Kummer inszenierte Tragikomödie schöner alter Humorwerkzeuge: Slapstickhaft rennt Stella – noch geschockt vom Verhältnis ihres Mannes – in einen Radfahrer und landet mit Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Auch äußerlich ist sie völlig ramponiert, einzige Lösung ist – natürlich – eine Schönheits-OP beim bekannten Chirurgen (wie so oft grandios: Manuel Rubey). Doch die Narkose wirkt nicht, Stella stürzt vom OP-Tisch und ist fortan nicht mehr dieselbe. Plötzlich hört sie, was die Menschen in ihrer Umgebung über sie denken. Unnötig zu erwähnen, dass Nettigkeiten dabei die Ausnahme sind. Stella realisiert, dass sie sich durch ihr Verhalten zur hassenswerten Person gemacht hat.

Der Klassiker auch hier: die egoistische, wohlhabende Person, die durch ein unerwartetes Ereignis geläutert wird. Durch ihre Fähigkeit, Gedanken anderer zu lesen, kommt Stella zur Besinnung, entdeckt ihre empathische Seite und entschuldigt sich gar bei jenen, die sie in den letzten Jahren verletzte. Das ist nun nicht die Neuerfindung des Genres, macht aber aufgrund zahlreicher kreativer Einfälle doch jede Menge Spaß. Die Fallhöhe ist auch hier das Entscheidende.

Trotzdem: Dass "Faltenfrei" über den deutschen Komödiendurchschnitt hinausweist, ist zu großen Teilen das Verdienst der wunderbaren Hauptdarstellerin Adele Neuhauser. "Wir haben die Tendenz, immer anderen Idealen nachzueifern", weiß die beliebte Darstellerin im Interview: "Dabei vergessen wir, uns zu lieben. Wenn wir uns lieben lernen, dann brauchen wir die anderen Schönheitsideale in der Form nicht." Weise ist sie anscheinend auch noch.

Faltenfrei – Mi. 17.11. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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