Fast Fashion
27.06.2023 • 22:15 - 22:45 Uhr
Info, Wirtschaft + Konsum
Lesermeinung
Vergrößern
Originaltitel
Fast Fashion - Nähen zum Überleben
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
Info, Wirtschaft + Konsum

"Jeder Willkür ausgeliefert": So läuft die Ausbeutung in der Textilindustrie

Von Aylin Rauh

Im Ausland billig Klamotten zu produzieren, ist für manche Modemarken ein gangbarer Weg – aber wie weit soll die Zwangslage der Arbeiter in Niedriglohnländern noch ausgenutzt werden? Investigativ-Reporter Manfred Karremann lässt in seiner "37°"-Reportage "Fast Fashion" Betroffene zu Wort kommen und zeigt eine Welt, die viele ausblenden.

Es ist mittlerweile kein Geheimnis, dass sowohl Luxusmarken als auch Billiganbieter zu niedrigen Preisen Kleidungsstücke im Ausland produzieren – beziehungsweise produzieren lassen. Gefragt sind insbesondere Niedriglohnländer wie Bangladesch, wo die Bevölkerung allein durch die landwirtschaftliche Produktion nicht mehr ernährt werden kann. Die Menschen sind daher auf Arbeitsplätze in der Industrie angewiesen, um zu überleben. Was in der Konsequenz geradezu unmoralisch erscheint, ist die bittere Realität. Filmemacher Manfred Karremann ist für die neue "37°"-Ausgabe "Fast Fashion" nach Bangladesch gereist und gewährt teils verstörende Einblicke in die augenscheinlich verfahrene Situation.

Während seines Aufenthalts spricht Karremann mit einigen Arbeitskräften über ihre Tätigkeiten in den Fabriken. Dabei wird deutlich: Die Betroffenen haben keine andere Wahl, als für einen Hungerlohn zu arbeiten und sich den unfairen Arbeitsbedingungen zu stellen. – Eine Näherin verdient pro Monat circa 70 Euro.

"Das reicht gerade zum Überleben", sind sich alle Betroffene einig, mit denen sich der Regisseur und sein Team vor Ort unterhalten haben. "Weil mindestens 200 Euro im Monat notwendig wären, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, verschulden sich die Arbeiterinnen und Arbeiter trotz unzähliger Überstunden immer mehr", erklärt die Frauenorganisation FEMNET in Bonn.

"Angst vor der Zeit, die kommt"

Spätestens seit 2013 ist die prekäre Lage in Ländern wie Bangladesch bekannt. Und man weiß auch, wie die Textilindustrie von der Armut gebrauch macht, um dort so billig wie möglich zu produzieren. Ein Grund für die weltweiten Schlagzeilen ist die Fabrik Rana Plaza, die vor zehn Jahren in der Stadt Dhaka einstürzte. Über 1.000 Menschen kamen dabei ums Leben, seitdem leben viele der Arbeiter auf der Straße.

Seit der Tragödie begleitet Investigativ-Reporter Karremann das junge Mädchen Shimu, die ebenfalls in seiner neuen TV-Reportage zu sehen ist. Damals traf er sie im Gerbereiviertel der Hauptstadt Dhaka, wo Menschen rohe Tierhäute zu Leder verarbeiten mussten. Das Viertel gehörte zu den am meisten verschmutzten Gebiete der Welt. Luft und Wasser waren vergiftet, was bis heute immer noch der Fall ist – obwohl die Gerbereien inzwischen außerhalb der Stadt liegen und die Menschen nun dort arbeiten.

Mittlerweile muss sich Shimu um ihre Mutter kümmern, die an Krebs erkrankt ist. Dieses Schicksal ereilt viele Menschen, die in dieser Umgebung leben. Das Mädchen hat keine Zeit mehr, um in die Schule zu gehen. Für sie stehe hauptsächlich Arbeit auf der Tagesordnung, damit sie sich die Medikamente für ihre Mutter leisten kann. Ihr ständiger Begleiter: Die "Angst vor der Zeit, die kommt."

"Sie hätten so viel Potenzial, aber haben keine Chance"

Doch Shimu ist nicht die einzige, die ihre Träume und Pläne aufgeben muss. Besonders die Kinder der Näherinnen haben keine Möglichkeiten auf ein besseres Leben, weil meistens das Geld für die Schule fehlt. Wenn ein Elternteil nicht mehr arbeiten kann, ist der Weg in die Armut gewiss, weswegen Kinder am Bahnhof in Dhaka betteln. Dort trifft das "37°"-Team auf mehrere Kinder. So wie auf den achtjährigen Ibrahim, der eigentlich "Imam werden" möchte. Oder auf den elfjährigen Sanchid, der unter einen Zug geriet und nun mit einem Fuß leben muss.

"Schon Kinder ab drei Jahren findet man hier am Bahnhof", erklärt Rumi Mumtaz, der für eine Nichtregierungsorganisation arbeitet. "Sie hätten so viel Potenzial, aber haben keine Chance. Im Gegenteil, sie sind hier jeder Willkür ausgeliefert."

"Fairtrade Deutschland"

Gerade Shimus Weg zeigt, wie schwierig es für die Kinder in Bangladesch ist, aus der Armut zu entkommen, was an den Hungerlöhnen in der Textilindustrie liegt. Neben den USA gehört Deutschland zu den größten Abnehmern von Fast-Fashion-Textilien des südasiatischen Landes.

Doch gerade in Deutschland wird einiges getan, um einen besseren Lohn für die Mitarbeiter zu erzielen – dennoch ist noch viel Luft nach oben. So kommt in der Reportage Claudia Brück, Vorständin von "Fairtrade Deutschland" zu Wort, die erklärt, dass sich mehr Firmen am Fairtrade-Standard beteiligen müssen. Der gemeinnützige Verein wurde 1992 gegründet, dessen Ziel es ist, dass bessere Lebensperspektiven durch einen gerechteren Handel und nachhaltige Entwicklung erreicht werden.

37°: Fast Fashion – Di. 27.06. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Audible
HALLO!

Der neue Snape: Robert Stadlober über die Aufnahme des Hörbuches

Robert Stadlober verleiht in der neuen Hörspielreihe „Harry Potter: Die Hörbücher mit voller Besetzung“ dem Lehrer Severus Snape seine Stimme. Das Projekt wird von Pottermore Publishing und Audible präsentiert. Stadlober spricht über seine Erfahrungen und Herausforderungen bei der Arbeit an dieser Rolle und seine Sicht auf die Harry Potter-Welt.
Professor Dr. Derek Zieker-Fischer lacht.
Gesundheit

Sanfte Linderung bei Erkältungsbeschwerden

Professor Dr. Derek Zieker-Fischer, bekannt aus der SWR-Gesundheitssendung „Doc Fischer“, gibt wertvolle Tipps zu Hausmitteln bei Erkältungsbeschwerden. Erklärt wird, wie man mit natürlichen Mitteln wie Honig, Nasenspülungen und Wadenwickeln gegen Husten, Schnupfen und Fieber vorgehen kann.
Dr. Melanie Ahaus ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in Leipzig und Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen.
Gesundheit

Hausmittel gegen Erkältung: Was Kindern hilft

In der kalten Jahreszeit sind Kindergärten oft ein Tummelplatz für Viren. Wie Eltern ihre Kinder schützen können und welche Hausmittel bei Erkältungen helfen, erfahren Sie hier.
Ein Paar steht im Sonnenuntergang am Strand und hat sich in den Armen.
Reise

Der Winterurlaub verändert sich

Kanaren statt Kälte, Ägypten statt grauer November, Thailand statt Winterjacke: Wenn es in Deutschland ungemütlich wird, zieht es viele Urlauber in die Sonne. Doch bei der Wahl des Winterziels zählen längst nicht mehr nur Wärme und Strand. prisma zeigt, welche Trends es gibt.
Leonora Huth schaut seitlich.
HALLO!

Leonora Huth über ihre Karriere: "Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört"

Trotz des verpassten ESC-Auftritts hat Leonora Huth musikalisch Fuß gefasst. Nach der Deutschland-Tour arbeitet sie nun an ihrem Debütalbum, das 2027 erscheinen soll.
Prof. Dr. med. Fadi Al-Rashid im weißen Kittel.
Gesundheit

Neue Behandlung bei Angina pectoris

Ein Sinus-Reducer kann bei refraktärer Angina pectoris den Blutfluss verbessern und die Lebensqualität steigern. Der minimalinvasive Eingriff bietet Hoffnung für Herzpatienten.