Friesland
22.01.2022 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Das Darknet ist in Leer zu Hause

Von Hans Czerny

Neuer "Friesland"-Krimi im ZDF: Es herrscht wieder mal dicke Luft auf dem Polizeirevier im ostfriesischen Leer. Gestern war Polizeifest und Hauptkommissar Brockhorst (Felix Vörtler) ist schlecht drauf. Und dann gibt es natürlich noch einen Toten gibt.

Im 14. Friesland-Krimi, "Unter der Oberfläche", hängt wieder mal der Haussegen schief (falls er jemals gerade war). Gestern war Polizeiball, und Hauptkommissar Brockhorst, der Chef (Felix Vörtler), hat auf dem Tisch getanzt. Das ist ihm nicht gut bekommen. Auf Anspielungen seiner Untergebenen Henk (Maxim Mehmet) und Süker (Sophie Dal) reagiert er anderntags geradezu wütend, und als es dann prompt einen Toten gibt in der neu eröffneten örtlichen Pension, müssen Mehmet und Süker ganz alleine ran. Zu allem Überfluss kommt in diesem Fall auch noch eine geheimnisvolle Dame im Lederzeug allen Dreien in die Quere. Irgendwann, sehr spät, gibt sie sich als Cyber-Spezialistin vom BKA zu erkennen.

Die große Welt hält Einzug in Leer

Die große Welt hält also Einzug an der sonst so beschaulichen ostfriesischen Küste, wo sich die Windräder – wenig fremdenverkehrstauglich – massenhaft drehen. Die Dame in Leder gibt sich bedeckt und bedrohlich. Besonders der nach viel Aspirin wieder genesene Brockhorst bekommt mächtig Fett von ihr ab. Schon auf der Polizeischule in Hamburg sei sie besser gewesen als er, so behauptet sie, und droht obendrein ständig, ihm aus allerlei Vergehen einen Strick zu drehen. Dass das später zerplatzt wie ein Knallbonbon, ist kaum noch tröstlich.

Aber auch Henk und Süker giften sich mächtig an, weil eben der Fisch vom Kopf her stinkt. Dass man in den Dünen nicht parken darf, bekommt ein verpeilter Camper zu spüren. Der Mann redet verwirrt, kommt aber – es ist leicht zu erahnen – für den Mord in der Pension nicht in Fage. Weitaus deutlicher werden vom Drehbuch (Markus B. Altmeyer) die Blindspuren zu anderen hin verlegt. Könnte beim Ehemann Eifersucht im Spiel gewesen sein, hat er am Ende die Dating-Plattform der Gattin und deren Passwort (Geburtsdatum!) geknackt? Oder war gar Sükers Bruder, der sich beim Bestatter Habedank (Holger Stockhaus) hat verdingen lassen, der Mörder? Für ihn galt es, Social Media-Accounts und Dating-Apps rechtzeitig zu löschen – durchaus ein Geschäftsmodell für ein Bestattungsinstitut.

Die Gangart ist erstaunlich rau

Alleine dafür ist die Cyber-Dame vom BKA natürlich nicht nach Leer gekommen. Offenbar haben Hinweise auf versteckte Darknet-Server und der Verdacht auf Drogenhandel, Waffenschmuggel und Kinderpornos das Interesse des BKA geweckt. – Das alles ist dann doch etwas viel für eine Kriminalkomödie wie den Friesland-Krimi im Zweiten.

Die Gangart ist erstaunlich rau, die Komik kommt hier erstaunlich kurz. Oder gerät mal in Schieflage – etwa wenn der tatverdächtige Witwer aus der Pension nicht etwa die Untreue der toten Gattin bedauert, sondern dass sie so gar nicht vertraulich mit ihm über ihre heimlichen Dates gesprochen hat.

Es scheint, im verflixten siebten Jahr (seit 2014) wird beim "Friesland"-Krimi zu viel auf große Plots gesetzt. Die kleine Welt der Ostfriesen und ihr leiser Humor gehen dabei sehr leicht flöten.

Friesland – Unter der Oberfläche – Sa. 22.01. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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