Als am 5. April 2023 Jogger Andrea Papi im italienischen Trentino von einem Bären getötet wird, geht diese Nachricht um die Welt. Grimme-Preisträger Andreas Pilcher zeigt in seinem Film "Gefährlich nah – Wenn Bären töten", wie der Fall die Wut zwischen Tier- und Menschenschützern eskalieren ließ.
Es war eine Nachricht, so schockierend und unwirklich, dass sie in der ganzen Welt für Furore sorgte: Am 5. April 2023 ging der 26-jährige Andrea Papi im norditalienischen Trentino joggen. Auf seinem Weg wurde der junge Mann von einem Bären angefallen und getötet. Der tragische Vorfall passierte 25 Jahre nach Wiederansiedlung der Tiere in der Region. Allerdings begann der Ärger zwischen Befürwortern des Bären-Aussiedlungsprojektes und scharfen Kritikern schon früher.
Nirgendwo auf der Welt leben Mensch und Bär so eng beieinander wie in der alten mitteleuropäischen Kulturregion des Trentino. Schon früher drangen Bären in Dörfer und Städte ein oder bedrohten Bauern und ihren Viehbestand. Für den Tod von Andrea Papi verantwortlich ist "Problembärin" Gaia (JJ4), die den heimischen Förstern nicht unbekannt ist. Tatsächlich ist sie eine Schwester des ehemals in Bayern aktiven Bären Bruno und hat schon mal einen Menschen verletzt. Den Abschussbefehl zog man damals nach einer Klage von Tierschützern zurück.
Andreas Pilcher, er stammt aus Südtirol, beobachtete vor 20 Jahren in seinem Film "Call me Babylon" die Arbeit in Callzentren, wofür er einen Grimme-Preis gewonnen hat. Auch jetzt widmet sich der 1967 geborene Filmemacher – neben den Bären – auch wieder die Gattung Mensch bei ihren Begegnungen mit feindlichen Exemplaren, womit erst in zweiter Linie die Wildtiere gemeint sind. Vielmehr zeigt der Film, wie aufgebracht und wütend Menschen aneinandergeraten und wie sie sich über die Frage Tier- und Menschenschutz entzweien können. Dabei entstanden auch eindrucksvollen Naturaufnahmen und ein differenziertes Bild des Zusammenlebens von Mensch und Bär.
"Gefährlich nah – Wenn Bären töten" verkauft seine Geschichte keineswegs effekthascherisch, spöttisch oder ambitioniert kunstvoll, sondern eher nüchtern – über Gespräche und Beobachtungen. Dazu kommen Bilder von Bären, die zwischen dem Ach-ist-das süß-Effekt und den Gefahren, die das große Raubtier mit sich bringt, auch emotional wechseln. Der Film zeigt zum einen die wütende Bevölkerung der Region, die den Abschuss fordert, und dann wieder jene Tierschützer inklusive der 20-köpfigen Spezialeinheit der Forstwache, die sich im Trentino um die Bärenpopulation kümmert. Zwischen ihnen klafft eine Meinungsfront, die unüberwindlich scheint – auch wenn manche Protagonisten nach Kompromissen suchen.
"Gefährlich nah – Wenn Bären töten" läuft bereits seit Mai beim Co-Produzenten Sky, ist ab 4. Juni in der ARD Mediathek zu sehen und kann nun auch linear im sommerlichen Spätprogramm des Ersten angeschaut werden.
Gefährlich nah – Wenn Bären töten – Mo. 10.06. – ARD: 23.50 Uhr