Gemini Man
13.11.2023 • 22:15 - 00:00 Uhr
Spielfilm, Actionfilm
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Gemini Man
Produktionsland
USA, CHN
Produktionsdatum
2019
Altersfreigabe
12+
Kinostart
Do., 03. Oktober 2019
Spielfilm, Actionfilm

Gejagt vom eigenen Ebenbild

Von Christopher Diekhaus

Ein Profikiller im Ruhestand trifft auf sein jüngeres Ebenbild, das ihn aus dem Weg räumen soll: Ang Lees bislang letzte Regiearbeit "Gemini Man" (2019) schießt visuell aus allen Rohren, wirkt erzählerisch jedoch ein wenig abgestanden.

Die Möglichkeiten der digitalen Technik waren besonders eindrucksvoll zu sehen in Jon Favreaus Disney-Neuverfilmung "Der König der Löwen" (2019). Die am Computer erzeugten Bilder der afrikanischen Savanne und der Tierwelt fielen derart realistisch aus, dass man sich fast in einer National-Geographic-Dokumentation wähnte. Mit dem futuristisch angehauchten Actionthriller "Gemini Man" (2019) bewiesen Regisseur Ang Lee ("Brokeback Mountain") und seine kreativen Mitstreiter im selben Jahr, dass aus dem Rechner stammende Menschen ebenfalls völlig authentisch aussehen können und kaum mehr von echten Schauspielern zu unterscheiden sind. Das ZDF wiederholt den Film nun zu später Stunde.

Revolutionäre Kraft besitzt Lees Werk auch deshalb, weil er wie schon in "Die irre Heldentour des Billy Lynn" (2016) auf die noch sehr umstrittene High-Frame-Rate-Technik setzt. Werden Filme traditionell mit 24 Bildern pro Sekunden gedreht und abgespielt, experimentiert der Oscar-Preisträger hier abermals mit einer deutlich höheren Bildwiederholfrequenz. Erreicht werden soll damit ein noch stärkeres Eintauchen des Publikums in den Film.

Optisch hui, erzählerisch bescheiden

In der Tat liefert "Gemini Man" atemberaubende, gestochen scharfe Impressionen und vermittelt dem Publikum noch mehr das Gefühl, direkter Augenzeuge des Geschehens zu sein. Besonders in den Actionpassagen entwickelt der Film eine enorme Intensität.

Über das visuelle Konzept kann man in "Gemini Man" also immer wieder staunen. Auf Drehbuchebene geht es dafür keineswegs spektakulär zur Sache. Dreh- und Angelpunkt des Verschwörungsreißers ist der in die Jahre gekommene Profikiller Henry Brogan (Will Smith), der nach vielen erfolgreichen Einsätzen für den US-Geheimdienst DIA zunehmend von Gewissensbissen geplagt wird und sich daher in den Ruhestand verabschiedet. Seine früheren Auftraggeber wollen ihn jedoch lieber tot sehen.

Clay Verris (Clive Owen), ein alter Bekannter und inzwischen Leiter eines rätselhaften Sonderprogramms namens "Gemini", hetzt Henry schließlich den Elitesoldaten Junior auf den Hals, der sich als jüngerer Klon Brogans entpuppt. Eben jener Junior wurde gänzlich am Computer erschaffen, lediglich seine Bewegungen und seine Gesten spielte Will Smith mittels Motion Capture selbst ein.

Optische Raffinesse

Die Grundidee von "Gemini Man" ist zweifelsohne spannend. Regisseur Lee und seine Autoren ziehen aus ihr aber bloß einen Standardplot, dem es an echten Überraschungen mangelt. Dank Smiths einnehmender Präsenz und einiger mitreißender Actionmomente kommt zwar keine große Langeweile auf. Henrys emotionaler Zustand und die in der Geschichte verankerten moralischen und psychologischen Fragen bekommen allerdings nie so viel Aufmerksamkeit, dass sich "Gemini Man" zu einem cleveren Thriller aufschwingen könnte.

Wie reagiert man, wenn man plötzlich von seinem Ebenbild gejagt wird? Und sollte man Menschen zu bestimmten Zwecken reproduzieren dürfen? Ang Lee umkreist interessante Probleme und Überlegungen, traut sich letztlich allerdings nicht, die Popcorn-Schiene zu verlassen und wirklich tiefer zu bohren. Dass der Stoff bereits Ende der 1990er-Jahre durch die Hollywood-Studios geisterte, kann der Film leider nicht ganz verschleiern: In Zeiten von Drohnen, Künstlicher Intelligenz und hochleistungsfähigen Robotern fühlt sich die Idee der Klone als perfekte Krieger irgendwie überholt an.

Gemini Man – Mo. 13.11. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Der Trailer zu "Gemini Man"

Darsteller

Will Smith, Entertainer und Kronprinz des Showgeschäfts, wurde am 25. September 1968 in Philadelphia, Pennsylvania geboren.
Will Smith
Mary Elizabeth Winstead bei den Producers Guild Awards 2022.
Mary Elizabeth Winstead
Tony Scott
Weitere Darsteller
Clive Owen Benedict Wong Douglas Hodge Ralph Brown Linda Emond Ilia Volok E.J. Bonilla Victor Hugo David Shae Theodora Miranne Diego Adonye Lilla Banak Igor Szasz Alexa GyÖrgy Fernanda Dorogi Alexandra Szucs Tim Connolly Daniel Salyers Jordan Sherley Jeff J.J. Authors Justin James Boykin Karis Wymbs Frankie Verroca Balázs Veres Adrian Valle Torres Ashton Tatum Ferenc Iván Szabó Dillon John Swanson Saskia Slaaf Kenny Sheard Carl Salonen Brianna Robinson Hannah Pniewski Thanh-Huy Phan Zach Mellado Samantha Kudler Frankie Justin Douglas Rizzo Johnson Dawit Gulilat Samantha Goldman Chris Goad Björn Freiberg Christopher T. Elliott Marc Demeter William Caraballo Olivia Bailey Daniel Annone Christon Andell

Das beste aus dem magazin

Mathias Liebing mit verschränkten Armen.
HALLO!

Mathias Liebing: „Der Fußball gehört im Osten wieder zur regionalen Kultur“

Mathias Liebing hat nach seiner Biografie über Norbert Nachtweih nun das Buch „Plattgemacht“ über die Entwicklung des Fußballs in Ost-Deutschland nach der Wende geschrieben. Im Gespräch mit prisma gibt er interessante Einblicke in die ostdeutsche Fußballseele.
Eine Grafik zum Weltgesundheitstag.
Gesundheit

Die Gesundheit im Blick

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April gefeiert und erinnert an die Gründung der WHO 1948. Das diesjährige Thema lautet: "Gemeinsam für die Gesundheit. An der Seite der Wissenschaft". Deutschland begeht diesen Tag seit 1954 mit angepassten Schwerpunkten.
Dr. med. Ramtin Knuschke in einem weißen Kittel.
Gesundheit

Bluthochdruck: Was hilft, wenn Tabletten nicht mehr reichen?

Bluthochdruck bleibt oft trotz Medikamenten ein Problem. Die Nierennervenablation kann neuen Halt bieten, indem sie gezielt Nervenfasern in der Nierenarterie verödet.
Alexander Scheer vor einem roten Hintergrund.
HALLO!

Alexander Scheer: "Bowie hatte 35 verschiedene Leben"

Lola-Gewinner Alexander Scheer („Gundermann“, „Sonnenallee“) feiert als David Bowie im Stück „Heroes“ seit März 2025 große Erfolge in Berlin. Nun geht der Schauspieler und Sänger mit der Show, die am Berliner Ensemble regelmäßig ausverkauft ist, auf Tour. Im Interview spricht er über Bowies Musik und dessen Liebe zur Literatur.
Professor Dr. Sven Ostermeier ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie. Der Schulter- und Knieexperte arbeitet als leitender Orthopäde der Gelenk Klinik Gundelfingen. Außerdem ist er Instruktor der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie.
Gesundheit

Knie-Arthrose: Nur keinen Schongang einlegen

Knie-Arthrose muss nicht das Ende der Beweglichkeit bedeuten. Mit gezielten Übungen kann der Knorpel gestärkt und Schmerzen gelindert werden. Entdecken Sie einfache Bewegungsformen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Getty Images
Reise

Mit KI zum perfekten Urlaub 

Künstliche Intelligenz (KI) kann die Reiseplanung vereinfachen. Viele Fluggesellschaften und Anbieter setzen bereits auf sie. Auch KI-basierte Apps erweisen sich als hilfreiche Assistenten.