Jugend ohne Gott

  • Die Rebellin Ewa (Emilia Schüle) hat sich aus ihrem zugewiesenen Sektor geschlichen und probt den Aufstand - ausgerechnet in dem Wald, in dem Zach (Jannis Niewöhner) für die Elite-Uni trainiert. Vergrößern
    Die Rebellin Ewa (Emilia Schüle) hat sich aus ihrem zugewiesenen Sektor geschlichen und probt den Aufstand - ausgerechnet in dem Wald, in dem Zach (Jannis Niewöhner) für die Elite-Uni trainiert.
    Fotoquelle: ProSieben / 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh / Marc Reimann
  • Die Streberin Nadesch (Alicia von Rittberg, neben Jannis Niewöhner) will sich unbedingt in die Elite kämpfen. Vergrößern
    Die Streberin Nadesch (Alicia von Rittberg, neben Jannis Niewöhner) will sich unbedingt in die Elite kämpfen.
    Fotoquelle: ProSieben / 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh / Marc Reimann
  • "Jugend ohne Gott" ist so etwas wie die deutsche Light-Version von "Die Tribute von Panem" und prangert mit ausgeprägtem Sendungsbewusstsein die Leistungsgesellschaft an. Im Bild: Nadesh (Alicia von Rittberg) und Zach (Jannis Niewöhner). Vergrößern
    "Jugend ohne Gott" ist so etwas wie die deutsche Light-Version von "Die Tribute von Panem" und prangert mit ausgeprägtem Sendungsbewusstsein die Leistungsgesellschaft an. Im Bild: Nadesh (Alicia von Rittberg) und Zach (Jannis Niewöhner).
    Fotoquelle: ProSieben / 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh / Marc Reimann
  • Zach (Jannis Niewöhner) will eigentlich nur in einer Welt leben, in der jeder Mensch gleich ist - ohne Neid und Missgunst. Vergrößern
    Zach (Jannis Niewöhner) will eigentlich nur in einer Welt leben, in der jeder Mensch gleich ist - ohne Neid und Missgunst.
    Fotoquelle: ProSieben / 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh / Marc Reimann
  • Titus (Jannik Schümann) ist ein abgebrühter Kerl, der gerne seine Klassenkameraden mobbt. Vergrößern
    Titus (Jannik Schümann) ist ein abgebrühter Kerl, der gerne seine Klassenkameraden mobbt.
    Fotoquelle: ProSieben / 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh / Marc Reimann
  • Mit dem eiskalten Titus (Jannik Schümann, links) gerät Zach (Jannis Niewöhner) immer wieder aneinander. Vergrößern
    Mit dem eiskalten Titus (Jannik Schümann, links) gerät Zach (Jannis Niewöhner) immer wieder aneinander.
    Fotoquelle: ProSieben / 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh / Marc Reimann
  • Zach (Jannis Niewöhner) ist fasziniert von Ewa (Emilia Schüle), die in der Natur lebt. Vergrößern
    Zach (Jannis Niewöhner) ist fasziniert von Ewa (Emilia Schüle), die in der Natur lebt.
    Fotoquelle: ProSieben / 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh / Marc Reimann
  • Alles wird überwacht, analysiert, optimiert: Dabei will Zach (Jannis Niewöhner) einfach nur Mensch sein. Vergrößern
    Alles wird überwacht, analysiert, optimiert: Dabei will Zach (Jannis Niewöhner) einfach nur Mensch sein.
    Fotoquelle: ProSieben / 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh / Marc Reimann
Spielfilm, Drama
Angst und Anpassung
Von Andreas Fischer

Infos
Originaltitel
Jugend ohne Gott
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2017
Altersfreigabe
12+
Kinostart
Do., 31. August 2017
ProSieben
Sa., 23.05.
20:15 - 22:25


In einer Welt, in der alle Menschen auf maximale Leistung optimiert werden, träumt ein empfindsamer Rebell von der Freiheit: "Jugend ohne Gott" ist eine nicht gerade zimperliche Adaption des Romanklassikers von Ödön von Horváth. ProSieben zeigt die Free-TV-Premiere.

Am liebsten würde Zach (Jannis Niewöhner) nur die Augen schließen. Dann kann er sich eine Welt vorstellen, in der alle gleich sind, in der niemand kämpfen muss – nicht um sein Leben, nicht um Besitz, nicht um Gerechtigkeit. Eine Welt ohne Neid und Missgunst. Aber leider muss Zach die Augen immer wieder öffnen und sieht eine "Jugend ohne Gott" – in einer ziemlich düsteren und kalten Zukunftsvision, die der Schweizer Regisseur Alain Gsponer ("Heidi") aus dem gleichnamigen Jugendbuchklassiker des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth machte. ProSieben strahlt den Film aus dem Jahr 2017 nun erstmals im Free-TV aus.

1937 hatte von Horváth den Roman "Jugend ohne Gott" veröffentlicht und darin gezeigt, wie sich die Jugend den faschistoiden Tendenzen der Gesellschaft anpasst und ihre Moral opfert. Ein zeitloses Thema, das Gsponer mit seinen Drehbuchautoren Alex Buresch und Matthias Pracht in ein dystopisches Gleichnis über die moderne Leistungsgesellschaft übersetzte, mit einer Art LTI – Victor Klemperers Analyse der Nazi-Sprache – der Leistungsgesellschaft als Umgangston.

Sie verfrachten den empfindsamen Schüler Zach zusammen mit seinen Klassenkameraden in ein Bootcamp in den Alpen. Dort sollen die Jugendlichen in Extremsituationen ihre Eignung für eine Eliteuniversität beweisen. So die offizielle Sprachregelung. In Wirklichkeit sollen sie einfach nur ihre Ellenbogen einsetzen und die Konkurrenz aus dem Wald kegeln, was dann auch zu einem Mord führt. Der Stärkere gewinnt. Punkt.

Herangezüchtete, optimierte Eliten

Damit hat Zach ein offensichtliches Problem und sein Lehrer (Fahri Yardim) ein verstecktes. Der Pädagoge ist einer der wenigen guten Menschen und so integer, wie es ihm möglich ist in einem System, dessen Fundament aus Angst und Anpassung besteht. Das hört sich alles nicht nur nach "Die Tribute von Panem" an, das sieht auch manchmal so aus. Zumal es Sektoren gibt, in denen die Menschen je nach Kastenzugehörigkeit leben dürfen oder dahinvegetieren müssen, und eine Liebesgeschichte zwischen Zach und der hübschen Rebellin Ewa (Jannis Niewöhners Ex-Freundin Emilia Schüle) gibt es auch.

Verlogen, kalt, auf Leistung getrimmt: Die Zukunft ist natürlich jetzt, und Gsponer macht keinen Hehl daraus, dass er die Gegenwart mindestens befremdlich findet. Womit er natürlich recht hat. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Kluft zwischen den Gesellschaftsschichten immer größer wird, optimierte Eliten herangezüchtet werden, Andersdenkende ausgegrenzt werden, dass Empathie und Solidarität zu immer blasser werdenden Erinnerungen des gesellschaftlichen Bewusstseins degradiert werden.

Das Zielpublikum unterschätzt

Aber deswegen muss man doch nicht gleich den Intellekt der Zuschauer anzweifeln. Es ist fast schon beleidigend, wie sehr "Jugend ohne Gott" vor allem das Zielpublikum unterschätzt. Jede Szene ist eine Ermahnung: "Ich hab's euch doch gesagt, dass das alles hier wirklich schlimm ist" bellt es vom Bildschirm, wenn Anna Maria Mühe als eiskalte Assessement-Beauftragte viel Spaß bei der Auslese wünscht, wenn der abgebrühte Titus (Jannik Schümann) suboptimale Klassenkameraden mobbt, wenn alles überwacht und analysiert wird. Nein, zimperlich ist Gsponer nicht in der Art und Weise, wie er seine Botschaft unters Volk bringt.

Das Plakative nimmt seinem Film die Eleganz, zu der Gsponer durchaus bereit war. Er erzählt die Geschichte in drei verschachtelten Akten, jeweils aus einer anderen Perspektive. Da ist natürlich Zach, der sich in keine Kategorie pressen lassen will und sich traut, nach dem Selbstmord seines Vaters emotional mitgenommen zu sein. Da ist die Streberin Nadesch (Alicia von Rittberg), die sich unbedingt in die Leistungselite kämpfen will.

Und da ist der Lehrer, dem als Außenstehender in dem Hauen und Stechen seiner Schüler eine Schlüsselrolle zukommt. Er umarmt am Ende den Mörder, damit der auch mal wieder etwas spürt. Liebe, Nähe, Zuneigung, Empathie – all das, was sich Zach erträumt, wenn er die Augen schließt.

Jugend ohne Gott – Sa. 23.05. – ProSieben: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Jugend ohne Gott" finden Sie hier.


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Der Trailer zu "Jugend ohne Gott"

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