Im ZDF-Dokudrama "Kaisersturz" (mit Spiel- und Dokumentarszenen) stehen sich am Ende des Krieges das alte Regime des Kaisers und Demokraten wie Friedrich Ebert gegenüber.

Lange her, aber immer noch folgenreich: Vor 100 Jahren, am Ende des Ersten Weltkriegs, brach in Deutschland die Monarchie zusammen. Philipp Scheidemann rief am 09. November auf dem Balkon des Reichstags die Republik aus. Das ZDF-Dokudrama "Kaisersturz" (Buch: Dirk Kämper, Lothar Machtan; Regie: Christoph Röhl) schildert die letzten Tage Wilhelms II. als Kaiser und erzählt den Showdown zwischen dem alten Regime und der angehenden Demokratie. Vom September bis zum November 1918 gab es das verzweifelte Bemühen, die Monarchie durch eine Aufwertung des Parlaments – etwa die Wahl des Reichskanzlers durch den Reichstag – zu retten.

Es drohte eine Revolution, das Deutsche Reich schwebte zwischen einer neuen demokratischen Republik, roter Rärterepublik und parlamentarischer Monarchie. Der Plan des Sozialdemokraten Friedrich Ebert, eine parlamentarische Monarchie zu installieren, scheiterte, und Kaiser Wilhelm II. ging ins holländische Exil. Im ZDF-Dokudrama spielen Sylvester Groth und Sunnyi Meles das deutsche Kaiserpaar in privaten Szenen. Friedrich Ebert (kaum wiederzuerkennen: Christian Redl) ist der große Schlichter und Gegenpart.

Statt großer Massenszenen spiegelt sich die politische Dramatik in wenigen Personen der Zeitgeschichte. Auf der einen Seite der an seinen Machtresten klebende Kaiser, auf der anderen die Sozialdemokraten Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann. "Unser Ansatz, die Entwicklung anhand eines kleinen Ensembles von Hauptfiguren darzustellen, verlieh dem Szenario eine klaustrophobe Atmosphäre – umso mehr, als wir bewusst auf große epische Szenen, sei es im Krieg oder auf der Straße, verzichteten", erklärt Regisseur Christoph Röhl. Eine besondere Herausforderung sei für ihn die Darstellung Kaiser Wilhelms II. gewesen. Der Film will den Monarchen mit dem "Es ist erreicht"-Schnurrbärtchen nicht, wie so oft, als willenlosen Popanz zeigen. Röhl: "Der Versuch, der Figur des Kaisers bei aller historischen Schuld menschliche Verletzbarkeit zuzugestehen, war mir wichtig und nicht zuletzt mein ganz persönliches Anliegen."

Wilhelm-Darsteller Sylvester Groth, der den Kaiser als dauerqualmendes Opfer der politischen Zeitenwende spielt, glaubt gar: Der Kaiser war ein moderner Mensch, heute würde man sagen, ein Medien-Kaiser. Er konnte mit moderner Technik umgehen und hat sich eigens filmen lassen. Das Material zeigt uns einen Mann, der den Makel des verkrüppelten Arms durch die Uniformen und Kostüme gut zu verdecken wusste. Der Kaiser hat seine Rolle seinerzeit gut gemeistert."

Dennoch war Wilhelm II. in seiner Sturheit den politischen Notwendigkeiten und der Macht der Militärs auch als "Oberster Feldherr" hilflos ausgesetzt. Der Film vermenschlicht ihn vor allem in den Gesprächen mit der Gemahlin: "Es ist ein einziges Desaster. Sie machen alles über meinen Kopf hinweg. Sie reden von Demokratisierung", sagt er zur Kaiserin. Sie, dagegenhaltend: "Regieren, das kannst nur du!" – Friedrich Ebert zieht unermüdlich die Fäden, setzt selbst den ungeliebten Kaiservetter Max von Baden ("der Bademax") als Helfershelfer für die Architektur eines demokratischen Deutschlands ein. Philipp Scheidemann, der spätere Verkünder der Deutschen Republik, wirft allerdings warnend ein: "Wir müssen aufpassen, dass man uns am Ende noch erkennt!" Ein Schuft, wer da an heutige Verhältnisse denkt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst