Alle 18-Jährigen ab dem Geburtsjahrgang 2008 erhalten seit Anfang Januar 2026 Fragebögen der Bundeswehr. Sie sollen Auskunft geben, ob sie bereit sind, den freiwilligen Wehrdienst zu leisten. Eine Gewissensentscheidung, die viele aufwühlt. Jan Kingreen, evangelischer Potsdamer Pfarrer und Friedensbeauftragter seiner Kirche, berät Jugendliche, wie auch viele seiner katholischen Kolleginnen und Kollegen, "ergebnisoffen", so betont er. Ist die Bundeswehr eine Option? Für Kingreen dient die Beratung dazu, dass die Jugendlichen, die zu ihm kommen, ihr Gewissen mit der Leitfrage erforschen: "Kann ich mir vorstellen, mit einer Waffe auf einen Menschen zu zielen – und warum (nicht)?". Auch der Bischof des Bistums Mainz Peter Kohlgraf fordert, jungen Menschen bei diesem Thema mehr zuzuhören, ihre Bedürfnisse zu sehen und Freiwilligendienste als gleichwertige Alternative zum Wehrdienst zu betrachten. In der Doku "Kirche, Krieg und mein Gewissen" aus der ARD-Reihe "Echtes Leben" kommen junge Menschen zu Wort, zum Beispiel die Sänger des Mainzer Domchors. Was treibt die betroffenen jungen Männer um? Und wie viele von ihnen werden sich zum freiwilligen Wehrdienst melden? Der 18-jährige Leo aus Koblenz ist Mitorganisator eines bundesweiten Schülerstreiks gegen den Wehrdienst. Friedenserhalt durch Gewaltlosigkeit oder Sicherheit durch militärische Aufrüstung – das wird intensiv und kontrovers unter Jugendlichen, aber auch in den Kirchen diskutiert, ausgelöst auch durch die neue Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sowohl die evangelische wie auch die katholische Kirche orientieren sich seitdem offiziell an der Realpolitik und sehen den Einsatz von Gewalt unter bestimmten Voraussetzungen als legitim an. Für den Koblenzer Schüler Leo ist damit der friedensorientierte "Kompass der Kirche" verloren gegangen. Auch der Zehdenicker Pfarrer und Pazifist Andreas Domke steht der Neuausrichtung seiner evangelischen Kirche skeptisch gegenüber. Er sagt: "Alte Menschen finden es gerade wieder ziemlich sexy, wenn junge Leute Armeeuniformen anziehen … Sie meinen, es wäre doch total stark, wenn die Jugend von heute ihr Leben für die Heimat geben würde." Der Militärpfarrer Ciprian Matefy betreut in Rheinland-Pfalz Soldaten. Darunter auch einen jungen Christen, der sich aufgrund seiner Werte und religiösen Überzeugung gerade für den Wehrdienst entschieden hat. Die neue Friedensdenkschrift sieht Matefy als "notwendige Anpassung an die Wirklichkeit" und bemerkt, dass sich Soldatinnen und Soldaten dadurch in ihrer Gewissensentscheidung besser wahrgenommen fühlen.
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