Inmitten einer nächtlichen Randale wird ein Streifenpolizist erschossen. Dessen Begleiter behauptet, im Verhör, er habe das nicht bemerkt. Wen er wohl decken mag?

Marie Brand hält einen Vortrag über eskalierende Gewalt. Polizisten müssten Provokationen ignorieren und die Klügeren sein, wenn sie andere als ihre Gegner betrachten würden. Die Kölner Kommissarin (Mariele Millowitsch) schlägt damit das Thema dieses diesmal nicht gar so lustigen Krimis an: Gewalt fördert Gewalt, immer öfter sind nicht zuletzt auch Ordnungshüter betroffen. Als am Rande einer Reihenhaussiedlung junge Männer Randale machen, holt ein Nachbar die Polizei. Es fällt ein Schuss, der einen Polizisten trifft. Keiner will es gewesen sein. Selbst der Kollege des Streifenpolizisten hat nichts gehört, nichts gesehen. Doch auf einer einsamen Waldwiese veranstalten Identitäre raue Männerprügeleien, ein älterer Herr sieht ihnen zu, er führt die Regie. Hatte der Staats- und Polizistenhasser auch bei der tödlichen Randale im Park die Finger im Spiel?

Trotz der manchmal mäßigen Witze und Sentenzen, die sich Brand und Simmel (Hinnerk Schönemann) auch in "Marie Brand und der Reiz der Gewalt" zuspielen wie Tennisbälle, und obwohl Simmel über weite Strecken immer nur den Bodyguard und verkauzten Wutmenschen machen muss, wird die Handlungsspirale mit der Zeit nachvollziehbar enger gezogen, bis zu einem letzten starken Showdown zweier Jungmänner aus der reaktionären Szene. Der Mann im Campingstuhl auf der Wiese, Gregor Hoffmann (Gerhard Roiß), ein Ex-Richter übrigens, wird sich aus der fälligen Anklage mal wieder herausziehen, ahnt Simmel. Und auch der Satz des Tages kommt aus seinem Mund: "Wenn alle Menschen klug wären, dann hätten wir bald nichts mehr zu tun", sagt er zur Kollegin. Derlei knuffige Kalendersprüche hätte man dem gerne so stummen Polizisten eigentlich gar nicht zugetraut.


Quelle: teleschau – der Mediendienst