Das Event-Institut "Anders Reisen" lädt Trauernde zu einer Reise, die helfen soll, Depressionen hinter sich zu lassen. Zwei Gangster machen aber einen Strich durch diese Rechnung.

Es ist schon eine illustre Gesellschaft, die sich in Wolfgang Murnbergers außergewöhnlichem Komödienstück in Bewegung setzt. Hinterbliebene allesamt, die am Tod ihrer Liebsten leiden und doch nicht so recht trauern können. Die Trauerarbeit haben sie deshalb in die Hände eines psycho-kundigen Instituts gelegt – "Anders Reisen" heißt es, mit sprechendem, nach Kalauern dürstendem Namen ("Würden Sie gerne anders heißen?"). Das Motto "Nichts zu verlieren" ist dabei höchst doppelbödig: In Trauer versunken, werden Trauernde alsbald Geiseln von Kidnappern sein. Ausgeliefert, chancenlos. Fürs Erste aber ist eine dreitägige Eventreise ins Gebirge geplant. Blind-Date für Trauernde auf Rädern.

"Elf Monate", "sechs Monate", "ein Jahr", so sprudelt es eher ungefragt aus den Busreisenden beim Start hervor. Manch einer erinnert sich noch an die Zugspitze beim letzten Mal, als man bei Nebel geradezu direkt in den Himmel sah. Einer ist bei dem Häuflein der Elenden, die zuweilen die Toten neben sich sitzen sehen, auch dabei, der gar keine Liebste zu beklagen hat, sondern bloß einen Hund. Ob er ein Trittbrettfahrer ist, der sich vom Trauertrip endlich eine Partnerin fürs Leben erhofft, oder doch ein vor lauter Tierliebe gebrochener Mensch, bleibt einigermaßen offen.

Überhaupt macht sich die sonst gerne in die Tiefe gehende Autorin, die Grimmepreisträgerin Ruth Toma ("Ein Lied von Liebe und Tod – Gloomy Sunday", "Same Same But Different"), eher wenig Gedanken über das Schicksal ihrer trauernden Klientel. Man soll und darf sie nicht gar so ernst nehmen, diese Trauerklöße, die so vergeblich auf der Suche nach sich selber sind und ihre posttraumatischen Sterbefallsymptome mittels wohlfeiler Antidepressiva bekämpfen.

In all die fortan um sich greifenden Sottisen, Kalauer und Witzeleien, mit denen man sich umgibt, greift der Wiener Bösewicht vom Dienst, Georg Friedrich, rettend ein. Als nach einem Raubüberfall angeschossener Gangster Richy sekkiert er mit seinem braven Kumpel (Christopher Schärf) die Reisegesellschaft nach Strich und Faden. Das Fluchtauto hatte Öl gelassen, die Räuber steigen an einer Tankstelle um in den gerade bereit stehenden Reisebus. Was wiederum eine etwas unangenehme Nähe zum Geiseldrama von Gladbeck zeitigt, das sich gerade zum 30. Male jährte: Da wird die Pistole an den Hals der blonden Geisel gesetzt. Die wiederum besteht auf einen dringenden Toilettengang und versucht, mit dem Täter gemeinsame Sache zu machen. "Hinten raus" will sie gehen, "so verlieren wir beide nicht das Gesicht". Fast schon zu viel des Guten, dass Richy feist kommentiert, die Geiseln hätten "null Respekt" heutzutage.

Mit "Schatzi"-Anreden und "Passt scho'!"-Sprüchen zieht Friedrich nochmal seine gekonnte Mephisto-Nummer ab, ehe er über die Selbstentblößungen der Trauerreisenden am Ufer des Achensees staunt. Richy will über die Grenze nach Österreich, er braucht einen verlässlichen Arzt für die Schusswunde. Er ist der einzige, der dem Tod unter lauter Lebenden wirklich nahe ist.

So wird das groteske Roadmovie, das rollende Depri-Labor zu einem Einer-gegen-alle-Spiel. Allein die Geschichte der schönen Witwe (Susanne Wolff), die einst von der Sekretärin ihres Mannes ausgebootet wurde, diese dann aber wiederum mit ihm betrog, um bei der Beerdigung dann doch unverheiratet im Abseits zu stehen, hat Witz. Die bereits versprochene Wiederheirat war ihr in letzter Sekunde vor dem Tod ihres Exmannes nicht mehr gelungen.

Dem Film selbst fehlt diese erzählerische Stringenz. Das Personal tingeltangelt sich mit heiterer Melancholie dem Ende entgegen, ohne freilich die Untiefen anderer Filme des Regisseurs Wolfgang Murnberger – vor allem mit Josef Hader – zu erreichen. Die BR / ORF-Koproduktion ist eine nette Kaffeefahrt – es bleibt allenfalls ein bedauerndes Achselzucken über die speziell piefkinesische, schmähfreie Unfähigkeit zu trauern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst