Polizeiruf 110
05.02.2023 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Insolvent am Jakobsweg

Von Eric Leimann

Der neue rbb-"Polizeiruf" bringt Dinge zusammen, die man eigentlich nicht zusammen "denkt": Brandenburg und das Pilgern auf dem Jakobsweg, kreative Bankrott-Betreuung gescheiterter Kleinunternehmer und einen genderfluiden Kommissar, der gemeinsam mit einem alten Provinz-Grantler ermittelt.

"Die Wege des Herrn führen auch durch Brandenburg", lässt sich Hauptkommissar Vincent Ross (André Kaczmarczyk) die naheliegende Drehbuchpointe nicht nehmen, als die Zuschauerinnen und Zuschauer im "Polizeiruf 110: Der Gott des Bankrotts" nach kurzer Zeit erfahren, dass ein an einer Schusswunde verstorbener Mann in der Nähe des Jakobsweges gefunden wurde. Als Zeugen werden vernommen: eine Gruppe organisierter Pilger, die in unmittelbarer Nähe des Tatortes vorbeispazierten.

Der Tote ist Antoni Mazur, ein polnischer Staatsbürger, der mit einem Lächeln auf dem Gesicht starb. Erklären ließe sich dies mit der Tatsache, dass Mazur ebenfalls auf dem Jakobsweg unterwegs war. Allerdings hatte der Mann auch massive finanzielle Probleme. Letzteres führt den nach Ausscheiden seines psychisch und körperlich angeschlagenen Kollegen Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) erst mal alleine ermittelnden Vincent Ross zu Mazurs Insolvenzverwalter Udo Schick (Bernhard Schir) und Schuldnerberater Jonathan Hüter (Godehard Giese).

Damit Vincent Ross nicht ganz so allein beim Ermitteln ist, hat man dem jungen genderfluiden Ermittler noch einen alten Hasen zur Seite gestellt, der so ganz anders rüberkommt als der flamboyante, aber stets selbstbewusst fokussierte Exoten-Kommissar. Den Polizisten Karl Rogov (Frank Leo Schröder) lernt Ross kennen, weil er die örtliche Dienststelle nahe des Tatorts am Pilgerweg besetzt. Eigentlich hat der grantelnde Kommissar kurz vorm Rentenalter auch eine Vergangenheit bei der Kriminalpolizei – doch aus Gründen der "Inkompatibilität" mit Kollegen zog sich der Einzelgänger in den uniformierten Dienst zurück. Ob das Ermittler-Duo über den einen Fall bestehen bleibt, ist derzeit noch nicht klar. "Warum geht so jemand wie Sie eigentlich zur Polizei?", darf Rogov Vincent Ross fragen, der diesmal im Outfit einer New Romantic-Band der 80er-Jahre durchs Brandenburgische läuft. "Weil sich einfach alles ändern muss", antwortet Ross allumfassend.

Porträt eines Menschen-Kaputtmach-Systems

"Der Gott des Bankrotts" (Drehbuch: Mike Bäuml, Regie: Felix Karolus) bringt über 90 Minuten zwei gute Ideen zusammen, die man so erst mal nicht gemeinsam in einem Krimi vermutet: Zum einen das Pilgern als Bewältigungsversuch einer Krise und zum anderen Überschuldung und Insolvenz als zerstörende Kraft eines kapitalistischen Wirtschaftssystems, das ebenfalls in einer Generalkrise steckt. Dass der Film mit Godehard Giese und Bernhard Schir zwei hervorragende Schauspieler für die Rollen der "Abwickler" solcher Insolvenzen aufbietet, ist eine weitere Stärke des Primetime-Krimis. Im wirtschaftlich ohnehin nicht gerade auf Rosen gebetteten deutsch-polnischen Grenzgebiet, in dem der rbb-Krimi spielt, müssen die beiden Männer viel "Kreativität" mitbringen, wenn es um die Rettung oder eben Abwicklung der im Film porträtierten Kleinunternehmer geht.

Tatsächlich gehört der Plot dieses Falls zu den besseren des rbb-Formates, das anderen Highend-Krimi-Produktionen auf dem gleichen Sendeplatz zuletzt nicht immer das Wasser reichen konnte. Die vielen Personalwechsel der letzten Jahre haben vielleicht auch damit zu tun. Völlig überzeugend ist auch dieser Fall nicht, denn die losen Erzähl-Enden vieler bedrückender Einzelschicksale werden wie fast immer in Brandenburg etwas altbacken und vor allem ziemlich trist abgewickelt. Dennoch: Die Grundidee des Films ist zu loben, und dem Musterschüler-Ermittler Vincent Ross wünscht man demnächst einfach noch bessere Drehbücher, damit der Mann mit den geschminkten Augen endlich zeigen kann, was er schauspielerisch draufhat. Übrigens – durch Brandenburg führen zwei Routen des über Europa weit verästelten Jakobsweges: von Frankfurt/Oder geht es entweder nach Tangermünde oder über die alte Reichsstraße Via Imperii nach Leipzig und weiter nach Nürnberg. Wusste wahrscheinlich auch nicht jede(r).

Polizeiruf 110: Der Gott des Bankrotts – So. 05.02. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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