Im Februar 1966 besuchte der Regisseur Hans Jürgen Syberberg Romy Schneider drei Tage lang in einer frühen Krise, um sie zu spontan zu porträtieren.

Drei Tage in Kitzbühel diesmal, nicht in Quiberon wie im Spielfilm mit Marie Bäumer. Der Regisseur Hans Jürgen Syberberg hat Romy Schneider im Februar 1966 gefilmt. Freimütig gibt sie mit gerade 27 Jahren Auskunft über ihr Leben und ihre Arbeit, immer schwankend zwischen Publicity und Selbstfindung, zwischen Melancholie und Überschwang. Auch da ist die Krise gewaltig. Der BR wiederholt den Film zu Romy Schneiders 80. Geburtstag am 23. September. Die Schauspielerin, deren große Erfolge in den Siebzigern in Frankreich kamen, starb 1982 an Herzversagen.

Etwa 25 Filme hatte sie damals schon gedreht, darunter Filme wie "Der Kardinal" mit Otto Preminger und "Der Prozess" mit Orson Welles. Erstmals hat sie zusammen mit Michel Piccoli in einem Film, Schornstein Nr. 4" gespielt. Doch der Film zeigt: Sie ist unglücklich, sie wird zu wenig anerkannt, der Partner Alain Delon hat sie zudem verlassen. Sie habe "nicht mehr die Kraft, nicht mehr die Nerven", sagt sie, um sich mit der Öffentlichkeit auseinanderzusetzen, und: "Ich will nicht mehr". Das alles zwischen Skifahrten im Schnee und Aufnahmen in ihrem Haus. Stemmschwung und Schneereste zwischen Tannenwipfeln, die Gefühlschaos symbolisieren. Und dazwischen, auch in Magazinfotos, immer wieder dieses Romy-Schneider-Gesicht im Wandel vom Mädchen zur reifen Frau.

"Sissi" kommt übrigens gut weg. Der Film hat ihr zu Weltruhm verholfen, "Herr Marischka hat genau gewusst, was er will", alles habe "absolut damals gestimmt". Jetzt, 1966, will sie Theater spielen, endlich auf Deutsch und am liebsten im Burgtheater, und mehr solch großartige Szenen drehen wie in Orson Welles' "Prozess". "Fabelhaft", sagt sie, sei das gewesen. Sie habe sich selbst beim Betrachten hinterher "gar nicht mehr erkannt". Das Schwarzweiß-Porträt wirkt so neu wie am ersten Tag, dank dieses Gesichts, dieser immer wieder sich selbst suchenden Stimme und einer frechen Bildmontage, wie es sie heute nicht mehr gibt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst