Rückkehr nach Montauk
02.05.2021 • 23:35 - 01:15 Uhr
Spielfilm, Drama
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Return to Montauk
Produktionsland
D, F, IRL
Produktionsdatum
2017
Altersfreigabe
6+
Kinostart
Do., 11. Mai 2017
Spielfilm, Drama

Drama eines eitlen Mannes?

Von Gabriele Summen

Oscargewinner Volker Schlöndorff erzählt mit "Rückkehr nach Montauk" eine Geschichte über späte Reue.

Es beginnt mit einer im Grunde recht simplen Altherrenerkenntnis in Großaufnahme: Zwei Dinge seien es, die man im Leben zutiefst bereut – Dinge, die man getan hat, sowie die Dinge, die man nicht getan hat. Um genau diese Dinge dreht sich das Drama "Rückkehr nach Montauk" (2017) von Volker Schlöndorff, das Til Schweiger mitproduziert hat. Leider strotzt der Film, der von Max Frischs stark autobiographischer Erzählung "Montauk" inspiriert ist, nur so vor Klischees. Das Erste wiederholt das Drama nun zum späten Sonntagabend.

Tatsächlich geht einem die Geschichte um einen sensiblen, narzisstischen Künstler, dem die Frauen unbegreiflicherweise verfallen sind oder waren, bereits nach einer halben Stunde gehörig auf die Nerven. Und das, obwohl die profilierten Darsteller wacker gegen die Schablonenhaftigkeit ihrer Charaktere und ihre blutleeren Dialoge anspielen, die Schlöndorff und sein Co-Autor Colm Toibin ersonnen haben.

Der zutiefst unsympathische Schriftsteller Max Zorn wird von Stellan Skarsgård verkörpert, der eigentlich immer eine gute Wahl ist. Er reist zu seiner Buchpremiere nach New York, wo ihn seine deutlich jüngere Gespielin Clara (Susanne Wolff) erwartet. Zudem wird Max von der pragmatischen Praktikantin Lindsey (Isi Laborde) bemuttert, die ihm unverständlicherweise bei seinen kommenden Eskapaden den Rücken freihält.

Zorns neuster literarischer Erguss handelt vom Scheitern seiner großen Liebe: Einst hat er die in Ostdeutschland geborene Rebecca (Nina Hoss) in New York sang- und klanglos verlassen. Ihre aktuelle Adresse erhält er von seinem ehemaligen Mentor, dem fiesen, stinkreichen Kunstsammler Walter (Niels Arestrup); einem Mann, der wertvolle, einzigartige Gemälde verrotten lässt, einfach, weil er es sich leisten kann. Über diese interessante Nebenfigur hätte man tatsächlich gern noch mehr erfahren. Stattdessen widmet sich Schlöndorff lieber dem Wiedersehen von Max und seiner Verflossenen.

Irritierende Künstlichkeit

Rebecca lebt und arbeitet immer noch im eigentlich so quirligen, aufregenden New York, das Schlöndorff jedoch so künstlich-stylisch aussehen lässt, als wären es die Kulissen eines Parfüm-Werbespots. Auch die wilde Strandidylle von Montauk wirkt im Film wie Ausschnitte aus einem Tourismusprospekt. Was der von doppelter Reue geplagte Max auf diesem Wochenendausflug mit seiner alten Liebe unbedingt herausfinden möchte: Kann man die (verletzten) Gefühle von damals wieder zum Leben erwecken?

Es kommt zu einem One-Night-Stand zwischen dem schmuddeligen Schriftsteller und seiner sexy Ex. Als Zuschauer möchte man von dieser verqueren, unglaubwürdigen Beziehung, in der hohl und hochtrabend aneinander vorbeigeredet wird, aber am liebsten nichts mehr mitbekommen. Als Rebecca Max am nächsten Tag auch noch vom tragischen Tod ihres Ehemanns erzählt, ahnt man vielleicht, worauf der Film hinauswill. Aber gesehen hat man das Drama eines eitlen Mannes – der erkennen muss, dass er für die Liebe seines Lebens nicht von großer Bedeutung war – leider nicht.

Rückkehr nach Montauk – So. 02.05. – ARD: 23.35 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Der Trailer zu "Rückkehr nach Montauk"

Darsteller

Nina Hoss in dem Drama "Fenster zum Sommer"
Nina Hoss
Wandlungsfähiger Charakterdarsteller: Stellan Skarsgård.
Stellan Skarsgård
Weitere Darsteller
Bronagh Gallagher Niels Arestrup Susanne Wolff Isi Laborde Robert Seeliger Rebecca Knox Malcolm Adams Mathias Sanders

Das beste aus dem magazin

Mathias Liebing mit verschränkten Armen.
HALLO!

Mathias Liebing: „Der Fußball gehört im Osten wieder zur regionalen Kultur“

Mathias Liebing hat nach seiner Biografie über Norbert Nachtweih nun das Buch „Plattgemacht“ über die Entwicklung des Fußballs in Ost-Deutschland nach der Wende geschrieben. Im Gespräch mit prisma gibt er interessante Einblicke in die ostdeutsche Fußballseele.
Eine Grafik zum Weltgesundheitstag.
Gesundheit

Die Gesundheit im Blick

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April gefeiert und erinnert an die Gründung der WHO 1948. Das diesjährige Thema lautet: "Gemeinsam für die Gesundheit. An der Seite der Wissenschaft". Deutschland begeht diesen Tag seit 1954 mit angepassten Schwerpunkten.
Dr. med. Ramtin Knuschke in einem weißen Kittel.
Gesundheit

Bluthochdruck: Was hilft, wenn Tabletten nicht mehr reichen?

Bluthochdruck bleibt oft trotz Medikamenten ein Problem. Die Nierennervenablation kann neuen Halt bieten, indem sie gezielt Nervenfasern in der Nierenarterie verödet.
Alexander Scheer vor einem roten Hintergrund.
HALLO!

Alexander Scheer: "Bowie hatte 35 verschiedene Leben"

Lola-Gewinner Alexander Scheer („Gundermann“, „Sonnenallee“) feiert als David Bowie im Stück „Heroes“ seit März 2025 große Erfolge in Berlin. Nun geht der Schauspieler und Sänger mit der Show, die am Berliner Ensemble regelmäßig ausverkauft ist, auf Tour. Im Interview spricht er über Bowies Musik und dessen Liebe zur Literatur.
Professor Dr. Sven Ostermeier ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie. Der Schulter- und Knieexperte arbeitet als leitender Orthopäde der Gelenk Klinik Gundelfingen. Außerdem ist er Instruktor der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie.
Gesundheit

Knie-Arthrose: Nur keinen Schongang einlegen

Knie-Arthrose muss nicht das Ende der Beweglichkeit bedeuten. Mit gezielten Übungen kann der Knorpel gestärkt und Schmerzen gelindert werden. Entdecken Sie einfache Bewegungsformen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Getty Images
Reise

Mit KI zum perfekten Urlaub 

Künstliche Intelligenz (KI) kann die Reiseplanung vereinfachen. Viele Fluggesellschaften und Anbieter setzen bereits auf sie. Auch KI-basierte Apps erweisen sich als hilfreiche Assistenten.