Schatten im Gleis
Info, Gesellschaft + Soziales • 27.10.2020 • 22:15 - 22:45
Lesermeinung
Wolfgang ist seit 30 Jahren Lokführer. Er hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt. Doch auf diesen ist ein dunkler Schatten der Schuld gefallen.
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Wolfgang versucht, mit einer Therapie seine posttraumatische Belastungsstörung zu überwinden. In seinen 30 Jahren als Lokführer war er fünfmal mit Schienensuiziden konfrontiert.
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Sören ist Lokführer in Hamburg. Gleich in seinem ersten Berufsjahr erlebte er einen tödlichen Personenunfall.
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Es war an einem Dezembernachmittag, als plötzlich eine junge Frau auf dem Gleis stand. Lokführer Sören konnte nicht mehr bremsen.
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Sören leidet nach seinem erlebten Unfall unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Er sucht Hilfe, Unterstützung und Ansprechpartner unter anderem im Internet.
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Originaltitel
Schatten im Gleis
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Info, Gesellschaft + Soziales

Nagendes Gefühl der Schuld

Von Andreas Schoettl

Auf deutschen Schienen nehmen sich etwa 700 Menschen das Leben – jedes Jahr! Zu Opfern werden auch die Lokführenden. Nach einem Schienensuizid drohen ihnen extreme psychische Belastungen wie beispielsweise eine posttraumatische Belastungsstörung.

Rund 700-mal pro Jahr machen Lokführende in Deutschland die gleiche schreckliche Erfahrung wie Sören oder Wolfgang. Sie überrollen mit ihrer tonnenschweren Zugmaschine einen Menschen. Manchmal sind es Unfälle, oft sind es keine. Statistisch gesehen erlebt jeder Lokführende ein- bis zweimal in seinem Berufsleben einen Schienensuizid. So werden auch sie zu Opfern. Dabei haben sie doch nur ihren Dienst ausgeführt.

Mit ihrem intensiven Film, der nun im Rahmen von "37°" im ZDF zu sehen ist, geben Katja Aischmann und Volker Schmidt Menschen wie Sören und Wolfgang eine Stimme. Beide haben mit ihrer Lok einen anderen überfahren. Sören beispielsweise konnte nur noch die Augen schließen und auf den Knall warten, als plötzlich eine junge Frau mitten auf dem Gleis aufgetaucht war. Wolfgang erlebte in seinem 30-jährigen Berufsleben als Lokführer bereits fünfmal diesen dumpfen Aufschlag infolge eines Schienensuizids.

Beide eint, dass sie nur sehr schwer über das Erlebte hinwegkommen. Es sind bohrende Fragen wie "Bin ich schuld an diesem Tod?", die mürbe machen. Sören etwa, der den tödlichen Gleisunfall gleich in seinem ersten Jahr als Lokführer erleben musste, leidet seitdem an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch Wolfgang wurde die seelische Last nach seinem fünften Trauma zu schwer. Während seines Aufenthalts in einer psychosomatischen Fachklinik am bayerischen Chiemsee spricht er offen über Schuldgefühle und Selbstzweifeln. Er spricht für sich und gleichzeitig doch für so viele andere. Denn: Im deutschen Eisenbahnnetz arbeiten rund 30.000 Lokführende. Das sind 30.000, die wie Wolfgang immer mit der Angst leben müssen, dass sich plötzlich ein Mensch vor ihren Zug wirft.

37°: Schatten im Gleis – Di. 27.10. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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