Einst hatte die jetzt erwachsene Nico (Josefine Preuß) ihre Ferien bei ihrer Tante im Harz verbracht. Damals kam ihre beste Freundin ums Leben – nun kehrt die Erinnerung schmerzlich zurück.

Das Gute vorweg: "Schattengrund", die Verfilmung des gleichnamigen Jugend-Bestsellers von 2012, ist kein leicht bekömmlicher Harz-Krimi. Der Film verzichtet auf etwaige Humor-Dreingaben oder westernhafte Action. Der Spezies Regionalkrimi kann er allerdings getrost insoweit zugerechnet werden, als hier der Harz mit seinen Mythen, mit den auf Besen über den Brocken reitenden Hexen und unheimlichen alten Silberstollen eine tragende Rolle spielt. Dunkel und verschneit steht der Tann, verwunschen wirkt das ärmliche Dorf, in dem die inzwischen erwachsen gewordene Nico (Josefine Preuß) einst als Kind ihre Ferien verbrachte. Jetzt erbt sie dort das Haus ihrer Tante. Längst Vergessenes, dunkle Erfahrungen kehren wieder.

Ein bisschen Humor ist dann doch dabei: "Jetzt hast du meinen Besen kaputt gemacht!", schimpft Nico, als sie durch den Schnee dem Dorf Siebenleben entgegenstapft und dabei von einem Jeep angefahren wird. Den Reisigbesen hat sie von der verstorbenen Tante mitsamt dem Gruß "Meine liebe Winterhexe" erhalten, nebst einem Erzbrocken und einer Streichholzschachtel. Möge sie Licht ins Dunkel von damals bringen. Damals, als ihre Freundin so plötzlich bei einer abenteuerlichen gemeinsamen Winterwanderung verschwand.

Haus und Dorf erweisen sich als wahrhaft unwirtliche Orte. Ein Knarren im Haus, gespenstische Kälte und Leere. Nur manchmal kommt noch der Kohleträger Maik (Daniel Zillmann) vorbei – ein nach einem Bergunglück schwachsinnig gewordenes Monstrum von einem Mann. Draußen im Dorf sind Nico alle feindlich gesinnt und verteidigen ihre Mythen von den Geistern der Kinder, deren Väter ums Leben gekommen sind, sie kommen droben im Berg nicht zur Ruhe.

Wie eben auch Nicos einst verschwundene Jugendfreundin Fili, an deren Tod im Eis Nico die Schuld gegeben wird. Am 4. Dezember wird immer die heilige Barbara, Patronin der Bergleute, durchs Dorf getragen. Nicht nur für Nico verwandelt sich die madonnenhafte Figur, die immer so pünktlich Blut und Tränen weint, in die verlorene Freundin – der Vater hat die Heiligenfigur denn auch nach dem Ebenbild der Tochter fertigen lassen.

Nachts ziehen die verschlossenen Frömmler durchs Dorf wie eine Abordnung des Ku-Klux-Klan. Eine einzige Verschwörung, die alle Schuld anderen gibt. Sehr allmählich nur dämmert Nico, was damals geschehen ist, und sie mutiert vom Outcast zur mutigen Detektivin. Eine Kinderzeichnung zeigt einen mächtigen schwarzen Mann, der am Bett eines Mädchens steht. Das erinnert an die Dürrenmatt-Verfilmung "Es geschah am hellichten Tag". Es schließt sich allmählich ein Täterkreis. Kohlenträger und Pfarrer gehören zu den Verdächtigen: Wer mag der schwarze Mann gewesen sein?

Die Lösung findet sich fernab der Mythen von Hexen und Harz. Ein harter Stoff, der die Grenzen eines romantischen Thrillers sprengt. Elisabeth Herrmann hat das Drehbuch nach ihrem gleichnamigen Jugendroman selbst geschrieben. Es gibt viele erklärende Hinweise und Wiederholungen in den Dialogen. Weniger wäre da mehr gewesen. Man hätte besser die Bilder für sich selber sprechen lassen können (Regie: Dror Zahavi), der wahre Schauer liegt in der Stille, in der Andeutung, und nicht im Reden. Zudem ist auch Josefine Preuß, die als Kindfrau für den Film wie geschaffen wirkt (oder der Film für sie?) an einigen Stellen nicht von theatralischem Overacting frei. Ist gut, denkt dann der Zuschauer. Man hat ja schon verstanden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst