Spießer oder Rebellen? Die Geschichte der Schrebergärten
18.06.2024 • 22:26 - 23:10 Uhr
Info, Geschichte
Lesermeinung
Der Gartenzwerg - einst aus Ton oder Porzellan, mittlerweile meist aus Plastik - darf in keinem deutschen Schrebergarten fehlen. Zumindest ist das der allgemeine Glaube.
Vergrößern
Originaltitel
Spießer oder Rebellen? - Die Geschichte der Schrebergärten
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2022
Info, Geschichte

Der Gartenzwerg ist gar nicht deutsch

Von Hans Czerny

Schrebergärten wurden wegen ihrer strengen Verordnungen, was Heckenhöhen oder Rasenflächen betrifft, stets als spießig und typisch deutsch belächelt. Mittlerweile haben sie an Ansehen gewonnen, auch bei den Jüngeren. Der "ZDF-History"-Film erzählt informativ und unterhaltsam ihre Geschichte.

Parzelle, Kleingarten, Datsche oder Laube: Es gibt viele Begriffe für das, was die meisten auch als Schrebergarten kennen. Ein Stückchen Grün, in dem Städter auf kleinem Raum den Traum vom eigenen Garten leben können. Lange Zeit galten Schrebergärten als Rentner-Hobby, typisch deutsch und ziemlich spießig. Mittlerweile haben auch junge, hippe Städterinnen und Städter ihre Liebe zu ihnen entdeckt und sind unter die "Laubenpieper" gegangen. Die so interessante wie humorvoll gemachte Doku "Spießer oder Rebellen? Die Geschichte der Schrebergärten" aus der Reihe "ZDF History", die nun am späteren Abend bei 3sat wiederholt wird, widmet sich der Entwicklung des Kleingartens, die gut 170 Jahre umfasst.

Zwei von zahlreichen Lektionen des Beitrags: Der fleißige Gartenzwerg, der vielen als klischeehaftes Sinnbild allen Deutschseins gilt, kommt überraschenderweise gar nicht aus Deutschland. Und der Namensgeber des Schrebergartens, der Leipziger Arzt, Hochschullehrer und Volksertüchtiger Moritz Schreber (1808 bis 1861), war streng genommen gar nicht ihr Erfinder. Die Kleingärten erhielten seinen Namen erst posthum wegen dessen Verdienste um die Vorzüge der "Arbeit im Grünen".

PRISMA EMPFIEHLT
Täglich das Beste aus der Unterhaltungswelt bequem in Ihr Mail-Postfach? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "PRISMA EMPFIEHLT" und erhalten ab sofort die TV-Tipps des Tages sowie ausgewählte Streaming- und Kino-Highlights.

Daneben zeigt die Dokumentation, dass es sich bei den Schrebergärten keineswegs einfach nur um ein Stück Spießigkeit mit eisernen Regeln für Ruhezeiten, Nutzbepflanzung und Heckenhöhe handelt, sondern um eine Erfindung mit bewegter Geschichte: vom Armengarten Anfang des 19. Jahrhunderts zum Versteck für Verfolgte in der Nazizeit – wie den 2022 verstorbenen Schauspieler Michael Degen -, von der Selbstversorger-Parzelle in der DDR, die allerdings von Honecker abgegriffen wurde, zum Gartenzwerg-Paradies und zum "Inbegriff deutscher Ordnungs- und Regelwut", wie es im "ZDF-History"-Beitrag heißt.

Klischees und strenge Regeln

Veranschaulicht wird die Geschichte durch jede Menge historischer und aktueller Aufnahmen sowie Interviews mit Schrebergarten-Kennern und -Betreibern. Zwei der bekanntesten Schrebergarten-Besitzer waren übrigens Albert Einstein und Friedrich Ebert. Auch Angela Merkel besitzt eine Datsche in der Uckermark. Der Autor Wladimir Kaminer schrieb 2007 sogar ein Buch über "Mein Leben im Schrebergarten" und erzählt im Film von seinen teils bizarren Erfahrungen in seinen vier Jahren als Laubenpieper in einer Berliner Kleingartenkolonie, in der man sich an die Vorschriften des Bundeskleingartengesetzes zu halten hatte. "Wir haben so ziemlich gegen alle Gesetze verstoßen, außer dem Gesetz zur Haltung von Großvieh in Kleingartenanlagen", erklärt er mit ernster Miene in einer Archivaufnahme.

Heute ist es gar nicht mehr so leicht, so ein reguliertes Paradies zu bekommen, die Wartelisten der Menschen, die vom eigenen Schrebergarten träumen, sind meist lang. Und auch die Interessenten haben sich verändert. Weg vom Gartenzwerg, hin zur Parkanlage, so lautet inzwischen das Programm. "Alle Altersklassen" gilt es zu verbinden und "alle Nationalitäten". Das haben sich die Kleingartenvereine neben dem "gesunden Klima" auf die Fahne geschrieben – zu schön, um wahr zu sein.

"Spießer oder Rebellen? Die Geschichte der Schrebergärten" – Di. 18.06. – 3sat: 22.25 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Top stars

Das beste aus dem magazin

Ralf Husmann im Interview.
Star-News

Ralf Husmann über Bastian Patewka, Komödien und neue Projekte

Hajo Siewers (Bastian Pastewka) muss in „Alles gelogen“ auf eine Notlüge mit Folgen zurückgreifen. Das Drehbuch zu der Komödie stammt aus der Feder von Ralf Husmann („Merz gegen Merz“).
Professor Dr. Sherko Kümmel leitet als Direktor die Klinik für Senologie/Brustzentrum 
der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte. Er 
ist an der Entwicklung und Etablierung von 
nationalen und internationalen Therapie-Standards beteiligt und unter anderem Mitglied der 
„Westdeutschen Studiengruppe“ (WSG). Diese 
bundesweite Forschungseinrichtung widmet 
sich der ständigen Optimierung von Brustkrebs-Behandlungen
Gesundheit

Diagnose Brustkrebs: Zweitmeinung einholen

Bei ihrer persönlichen Vorsorge hatte meine 38-jährige Patientin eine Auffälligkeit ertastet, einen Knubbel in der Brust. Sie war sehr beunruhigt. Ihr Gynäkologe schickte sie in ein kleines Brustzentrum. Die Diagnose brachte Gewissheit: Brustkrebs. Die aus Sicht der Mediziner alternativlose Therapie waren Chemo, komplette Brustentfernung per OP und Bestrahlung.
Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser ist Oberarzt 
und Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie am Sana-Klinikum Remscheid und bekannt als „Doc Esser“ in TV, 
Hörfunk und als Buchautor.
Gesundheit

Passivrauchen: gefährlich vor allem für Kinder

„Mein Mann zeigt sich da leider völlig uneinsichtig und raucht auch im Beisein unserer beiden Kinder. Muss ich mir Gedanken um ihre Gesundheit machen?“, fragte mich kürzlich die Mutter zweier Kleinkinder im Alter von zwei und fünf Jahren, die ihren 35-jährigen Ehemann, einen starken Raucher, zu seinem Arzttermin in meine Sprechstunde begleitete. „Leider muss ich Ihre Frage mit einem ganz klaren ja beantworten“, erwiderte ich der Frau.
Tobi Dahmen hat mit „Columbusstraße“ eine große Graphic Novel vorgelegt.
HALLO!

„Columbusstraße“-Comiczeichner Tobi Dahmen im Interview: Ein Buch gegen das Vergessen

Comiczeichner Tobi Dahmen hat mit „Columbusstraße“ den ersten Band seiner Familiengeschichte vorgelegt, der sich mit der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs befasst. Im Interview äußert er sich zum Hintergrund seines ambitionierten Werks.
ZDF-Redaktionsleiter Burkhard Althoff im prisma-Interview über junge Regisseure und Komödien.
HALLO!

ZDF-Sommerreihe „Shooting Stars“: Junge Regisseure zeigen ihre Debüt-Komödien

In der Reihe „Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten“ gibt es im ZDF auch in diesem Sommer wieder fünf Filme von jungen Regisseuren zu sehen. Redaktionsleiter Burkhard Althoff erklärt im prisma-Interview, warum es so schwer ist, eine Komödie zu drehen – und warum das Genre wichtiger ist als je zuvor.
Dr. Ina Lucas ist Apothekerin, Inhaberin
von vier Apotheken in
Berlin und Brandenburg und seit Mai 2024
Präsidentin der Apothekerkammer Berlin.
Gesundheit

Vitamin-D-Pillen – wer braucht sie?

Ich habe gelesen, dass Kalzium allein nicht ausreicht, damit die Knochen stabil bleiben. Soll ich zusätzlich Vitamin D einnehmen oder brauche ich das nicht?“, fragte mich eine sportliche Kundin kürzlich in meiner Apotheke, ungefähr Mitte 60. Vitamin-D-Präparate gehören zu den häufig nachgefragten Produkten in meiner Apotheke. Sie sind in den Apotheken rezeptfrei im Bereich der Selbstmedikation erhältlich und werden stark beworben.