Verunsichert - Alles Gute für die Zukunft
09.09.2020 • 20:30 - 22:00 Uhr
Fernsehfilm, Gerichtsfilm
Lesermeinung

Smart, dynamisch, gewinnendes Auftreten: Das ist Ulf Buschmann (Steve Windolf), Franziskas (Henny Reents) direkter Vorsitzender bei der Aescuria.
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Henny Reents in der Rolle der Versicherungsjustiziarin Franziska Schlüter, die die Seite wechselt.
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Franziskas (Henny Reents) Ehemann Jochen (Daniel Wiemer) stößt bei dem Spagat zwischen seinem eigenen Berufsleben und der Betreuung des gemeinsamen Sohnes Paul (Otto Emil Koch) an seine Grenzen.
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Als die Witwe eines Antragstellers dem Hinhalte-Gebaren der Aescuria die Schuld am Freitod ihres Mannes gibt, fragt sich Franziska (Henny Reents) immer mehr, ob sie ihr berufliches Tun noch vor sich selbst verantworten kann.
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Originaltitel
Verunsichert - Alles Gute für die Zukunft
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Fernsehfilm, Gerichtsfilm

War es ein Unfall – oder ein Tumor im Rückenmark?

Von Wilfried Geldner

Franziska Schlüter, Juristin und maßgebliche Sachbearbeiterin einer Kölner Versicherungsfirma, hat genug. Als sie die Not von Versicherten aus nächster Nähe zu spüren bekommt, wechselt sie die Seiten und bekämpft als Anwältin die Machenschaften der Versicherung.

Gut gewählt. Henny Reents, bislang vor allem aus dem Ostsee-Krimi "Nord bei Nordwest" bekannt, prügelt sich als Anwältin so ausdauernd wie unnachsichtig mit ihrer früheren Arbeitgeberin, einer miliardenschweren Kölner Versicherungsfirma herum. Zu nahe sind ihr die Ungerechtigkeiten zuletzt gegangen, die den Versicherten im Bedarfsfalle widerfuhren. Ihr Job war es, Zahlungen zu verhindern, monate- oder jahrelang. Als einer ihrer Fälle im Selbstmord endet und ein weiterer so zu verlaufen droht, schlägt sich Franziska Schlüter auf die andere Seite, um den Opfern unter die Arme zu greifen. "Verunsichert – Alles Gute für die Zukunft" ist ein David-gegen-Goliath-Stoff, der anhand eines einzelnen Falles die Ungerechtigkeiten im Versicherungswesen an den Pranger stellt.

In etwas steifer Kalenderdramaturgie werden die Stationen dargelegt, welche die Versicherungsopfer zu durchlaufen haben. Da ist Franziskas Nachbar, der nach einem Autounfall mit einer Rückenmarksschädigung im Rollstuhl sitzt und nun vergeblich nach längeren auf die ihm zustehende Versicherungssumme wartet. Die Witwe eines Unfallopfers, das sich nach den Ungerechtigkeiten das Leben nahm, dringt zu Beginn gar in die Büroräume der Versicherung ein und erhebt lauthals Klage. Franziska will helfen, sie erklärt den benachbarten Strelaus die fiesen Tricks der Versicherungsfirma Aescuria, die eine Auszahlung der zustehenden Versicherungssumme verweigert, weil ein Zusammenhang zwischen dem Autounfall und der Rückenmarksverletzung nicht zu beweisen sei. Es könnte ja auch ein Tumor gewesen sein.

Die Intention des sozialkritischen Films ist es, das Gebaren der Versicherungen darzulegen, die mit ihren Hinhaltetaktiken nicht nur in Fällen wie diesem die Auszahlung verweigern. Dabei wird der Zuschauer durchaus glaubhaft und dank der unprätentiösen Darstellung der Schauspielerin Henny Reents in die alltäglichen Handlungsweisen von Versicherungen eingeführt.

Keine Chance ohne Klage

Franziska Schlüter erteilt Ratschläge wie ein Insolvenzverwalter: Ohne Klage gebe es keine Chance, notwendig sei ein Rechtsanwalt – und koste es, was es wolle. An diesem Gedanken tragen die Strelaus schwer, aber immerhin: Es gibt Möglichkeiten – von der Zahlung nur im Erfolgsfalle bis zum Rechtsschutz und zum Sparbuch der Tante.

Das alles kostet Zeit, der Versicherungskrieg kann Jahre dauern. Ein durchaus mühsames Geschäft, dessen Dauer im Film – "drei Jahre nach Zahlungsverweigerung" – eingeblendet wird.

Ein Nebenstrang lenkt recht zweckdienlich von der trockenen Materie ab. In Martin Brambach als altem Anwaltshaudegen mit Alkoholproblemen findet Franziska einen Meister, der ihren Optimismus stärkt, die Dialoge des Autorenregisseurs Jörg Lühdorff ("Aufstand der Alten") gewinnen mit Brambach an Schärfe, es winkt ein Hollywood-haftes Heldenstück. Schade, dass die Figur arg vernachlässigt wird. Sätze wie "Papiere kann man fälschen, erste Eindrücke nicht!" hätte man gerne öfter gehört. Aber dann hilft er mit der Aufdeckung eines verfälschten Gutachtens Franziska doch, ihren Prozess zu gewinnen.

Am Ende darf David gegen Goliath, die Maus gegen den Elefanten, siegen. Dass es dem Film dennoch an kontinuierlicher Steigerung fehlt, mag einerseits an seiner braven Botschaft, andererseits an der Vorlage der "wahren Geschichte" einer Bonner Rechtsanwältin liegen, die wie Franziska Schlüter im Film 2003 aus dem Versicherungsdienst ausschied und nunmehr ausschließlich Versicherungsopfer verteidigt. Am Ende wohnt jene Beatrix Hüller in einem Cameo-Auftritt dem gewonnenen Prozess auch bei.

Verunsichert – Alles Gute für die Zukunft – Mi. 09.09. – ARD: 20.30 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Darsteller

Henny Reents in dem Krimi "Tatort - Altes Eisen"
Henny Reents
Schauspieler Martin Brambach.
Martin Brambach

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