Wie im Himmel so auf Erden
16.04.2025 • 22:45 - 00:05 Uhr
Info, Kirche + Religion
Lesermeinung
Im kleinen Ort Buchendorf liegt das einzige russisch-orthodoxen Frauenkloster Deutschlands.
Vergrößern
Der Film begleitet die Schwestern im Kloster bei ihren alltäglichen Arbeiten.
Vergrößern
Im einzigen russisch-orthodoxen Frauenkloster Deutschlands leben 14 Schwestern ein bescheidenes Leben.
Vergrößern
Ein Film über schwarz gekleidete Frauen, über Leben und Sterben und einem Kloster als ungewöhnlichen Schicksals- und Friedensort.
Vergrößern
Originaltitel
Wie im Himmel so auf Erden
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2023
Info, Kirche + Religion

Die unheimliche Strenge des Klosterlebens

Von Wilfried Geldner

Anders als in der Wirklichkeit haben Klöster im Fernsehen Konjunktur. Während viele Klöster schließen, ist die klösterlicher Stille inmitten der Hektik des heutigen Lebens offenbar begehrt. Die Regisseurin Daria Kuschev hielt in ihrem Erstling Szenen aus einem orthodoxen Frauenkloster fest.

Während Spielserien wie "Um Himmels Willen" regelmäßig ihr Millionenpublikum fanden, wenden sich derzeit auch viele Dokus und Reportagen dem bedrohten klösterlichen Leben zu. Ein nicht leicht zu goutierender Sonderfall ist dabei der Erstling der Münchner HOF-Absolventin Daria Kuschev, der das recht strenge Leben in einem orthodoxen Frauenkloster in der Nähe Münchens zeigt. Der atmosphärisch starke, inhaltlich ob seiner autokratisch-jenseitigen Ausrichtung aber nicht gerade zugängliche Dokumentarfilm vom BR ist sicher nichts für sanfte Gemüter. Manch einer stellt sich das Klosterleben, ob nun katholisch oder orthodox, wohl doch etwas lebenslustiger und diesseitiger vor, als wie "Wie im Himmel so auf Erden" dargestellt.

Von den gegenwärtig in Klöstern in Mode gekommenen Ideen von Wellness oder Nonnen, die nicht nur nebenbei Pilgern Massagern geben, ist hier nichts zu spüren. Alles ist auf das Jenseits ausgerichtet, auf ein (Weiter-)Leben nach dem Tod. Gleich zu Beginn tragen schwarz gekleidete Gestalten einen weiß ausgelegten Sarg. Es wird viel gebetet, zuweilen in mantrahaft schnellem Singsang, Frauenstimmen erheben ihre Stimmen in derart schwindelnde Höhen, als wären sie dem Himmel ganz nah. Sehr viel schlichter wird es, wenn die ganze Strenge des Klosterlebens zum Vorschein kommt. Noch bis ins kleinste Detail, sei es beim Decken des Tisches samt Sonderwünschen oder bei der Benützung der Zutaten beim Kochen, geht es hier streng zu.

Nichts da von heiterer Verjüngung auf der Slackline durch künftige Novzinnen, wie auch schon gesehen. Hier werden selbst Fremde des morgens um halb vier zu ersten Gebeten geweckt. Nein, es ist nicht leicht, eine Nonne zu sein, berichten diese sehr freimütig unter ihrem schwarzen Helmgewand. Genau das sei aber auch der Sinn, man sei nur Gott und der Klostergemeinschaft zugewandt. Die schwarzen Gewänder signalisierten Todesüberwindung, so wird erklärt, Man sei schließlich durch den Tod Christi bereits erlöst.

Wer da nicht mitziehen will oder kann, dem fällt das Zuschauen sicher schwer. Und das, obwohl es immer wieder beeindruckende Bilder gibt, deren Halbdunkel und stumme Verschlossenheit an Philip Grönings Kartäuserfilm "Die große Stille" erinnern, der 2006 den Europäischen Filmpreis erhielt. "Das Kloster bleibt in meinem Herzen ein Ort der Hoffnung, ein letzter Funke in einer ausweglosen Situation", sagt die othodox aufgewachsene Regisseurin. "Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Kriegsgeschehen dienen das Kloster und die Nonnen als ein Ort des Friedens und Trostes." Um "über ihr eigenes Leben nachzudenken, über ihre eigene Seele und Werte".

Damit kein falscher Gedanke aufkommt: Die Nonnen des Klosters, die zuweilen spontan und kommentarlos über ihre Befindlichkeit sprechen, kommen aus verschiedenen Ländern, aus Deutschland und der Ukraine, aus Russland, Littauen, Kasachstan, aus Serbien und Griechenland. Politische Stellungnahmen werden vermieden. Alleine die Riten und Zeremonien beschwören eine merkwürdige Fremdheit herauf.

Wie im Himmel so auf Erden – Mi. 16.04. – BR: 22.45 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Maret Hoffmann ist Apothekerin und lacht in die Kamera.
Gesundheit

Mit Heilpflanzen gegen Rheuma

Rheuma bringt schmerzende Gelenke mit sich. Doch welche Heilpflanzen helfen wirklich? Von Teufelskralle bis Rosmarin: Eine Apothekerin klärt auf und gibt Tipps.
Corinna Elling-Audersch, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Rheuma-Liga lacht.
Gesundheit

Rheuma selbst managen

Die Deutsche Rheuma-Liga bietet Selbstmanagement-Kurse an, um Betroffenen den Alltag mit Rheuma zu erleichtern. Teilnehmer lernen, mit Schmerzen umzugehen und ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Ernährungstipps und Entspannungsübungen sind Teil des Programms.
DJ Ötzi lacht.
HALLO!

DJ Ötzi im Interview: "DJ Ötzi ist extrovertiert, Gerry dagegen sehr introvertiert"

Gerry Friedle alias DJ Ötzi spricht über die anstehende Mountain Mania in Köln, seine Heimatverbundenheit und den Unterschied zwischen seiner Person und seinem Bühnenalter Ego.
Eine Kastanie im Herbstlaub
Gesundheit

Gesund durch den Herbst

Der Herbst bringt oft Erkältungen mit sich. Doch mit einfachen Maßnahmen wie guter Handhygiene, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann man Infektionen vorbeugen. Impfungen und Entspannung helfen zusätzlich, gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen.
Martin Reinl und die Figuren der Sesamstraße.
HALLO!

Martin Reinl: „Die Sesamstraße ist für jede Generation etwas anderes“

Martin Reinl, bekannt als Stimme von Elmo und Grobi, gibt Einblicke in seine Arbeit als Puppenspieler und sein neues Buch über die Geschichte der Sesamstraße. Zusammen mit Julian Schlichting beleuchtet er die facettenreiche Welt der Puppen und die Herausforderungen der Produktion.
Professor Dr. med. Burkhard Sievers
Gesundheit

Luftnot bei Frauen: oft verkannt und falsch eingeschätzt  

Eine 54-jährige Patientin litt unter Luftnot und erhielt nach gründlicher Untersuchung die Diagnose Asthma bronchiale. Ein kortisonhaltiges Spray soll nun Linderung verschaffen.