Zu jung fürs Abstellgleis
24.03.2026 • 22:15 - 22:45 Uhr
Info, Gesellschaft + Soziales
Lesermeinung
Klemens Schüttken (58), Kreativdirektor, hat seit drei Jahren keine Aufträge mehr bekommen. Er hört immer wieder, er sei zu alt für die Werbebranche.
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Katrin Schwahler (68), Onlineredakteurin, fühlt sich unsichtbar, seit dem sie über 60 ist. Dabei steht sie noch voll im Berufsleben, schreibt derzeit Broschüren, in denen sie die digitale Welt verständlich erklären möchte.
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Katrin Schwahlen (68) ärgert sich über Boomerbashing. Sie will nicht, dass diese Generation für alles Böse dieser Welt verantwortlich gemacht wird.
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Bertram Kasper (63) arbeitete in der Kinder- und Jugendhilfe, heute veröffentlicht er Podcasts übers Älterwerden und befürwortet eine Kultur des Pro-Agings.
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Originaltitel
Zu jung fürs Abstellgleis
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Info, Gesellschaft + Soziales

Raus aus der Schublade

Von Rupert Sommer

Wie sehr prägen Altersbilder den gesellschaftlichen Diskurs? Und welche persönlichen wie strukturellen Folgen entstehen daraus? Die ZDF-Reportagereihe "37°" erzählt diesmal von Menschen, die sich auch in der Altersklasse zwischen 60 und 80 Jahren enorm leistungsfähig fühlen.

Alt sein – und trotzdem mitten im Leben stehen: Die ZDF-Sozialreportagereihe "37°" widmet sich in dem neuesten Beitrag "Zu jung fürs Abstellgleis" dem Thema Altersdiskriminierung. Filmemacherin Corinna Wirth begleitet Menschen zwischen 58 und 68 Jahren, die sich gegen Benachteiligung im Beruf, bei Versicherungen oder auf dem Kreditmarkt wehren.

Altersdiskriminierung ist gesetzlich verboten, doch im Alltag vieler Betroffener Realität. Besonders die Generation der sogenannten Babyboomer fühlt sich häufig jünger und leistungsfähiger, als sie von außen wahrgenommen wird. Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen zwischen 60 und 80 Jahren gesellschaftlich bisweilen mit deutlich Älteren gleichgesetzt werden, mit spürbaren Folgen.

"Wir haben ein Altersstereotyp im Kopf: Dass man senil wird, unflexibel und konservativ."

Katrin Schwahlen (68), Onlineredakteurin, und Klemens Schüttken (58), Werbefachmann, erleben diese Vorurteile konkret. Sie kämpfen gegen steigende Versicherungsbeiträge, um Kredite für Wohneigentum und um berufliche Aufträge. Beide wollen weiterhin als leistungsfähige Arbeitskräfte wahrgenommen werden und nicht aufs "Abstellgleis" geraten. Im Austausch mit Gleichgesinnten suchen sie nach Strategien, um finanzielle Sicherheit und gesellschaftliche Anerkennung zu sichern.

Wissenschaftlich eingeordnet wird das Thema von der Gerontopsychologin Eva-Marie Kessler, die regelmäßig am Altersbericht der Bundesregierung mitarbeitet. 2025 veröffentlichte sie eine Studie zur Altersdiskriminierung. Darin warnt sie vor tief verankerten Klischees: "Wir haben ein Altersstereotyp im Kopf: Dass man senil wird, unflexibel und konservativ. Dadurch grenzen wir Menschen aus. Und wenn wir selbst alt werden, übertragen wir diese Vorstellungen auf uns. Diese Glaubenssätze machen uns nachweislich psychisch und körperlich kränker."

Auch Bertram Kasper (63), bis vor Kurzem Bereichsleiter eines Pflegeträgers, beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie ein zeitgemäßer Umgang mit dem Älterwerden aussehen kann. In seinem Podcast diskutiert er mit Soziologen, Psychologen sowie jüngeren und älteren Gästen über Lösungen im Generationenkonflikt. Sein Ansatz: "Mir geht es darum, einen natürlichen Umgang mit dem Prozess des Älterwerdens zu bekommen, sowohl als Frau als auch als Mann oder als quere Persönlichkeit. Ich nenne das so, dass wir eine Kultur des Pro Agings brauchen." Gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Jung und Alt führten nicht weiter. "Wenn wir die Herausforderungen, die vor uns liegen, meistern wollen, dann geht das nur, wenn Jung und Alt zusammenarbeiten."

37°: Zu jung fürs Abstellgleis – Di. 24.03. – ZDF: 22.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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