Hardy Krüger

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Schauspieler, Schriftsteller, Hobby-Flieger: Hardy Krüger in jungen Jahren
Eberhard Krüger
Geboren: 12.04.1928 in Berlin-Wedding, Deutschland

Ob auf Bora Bora oder in New Mexico, am Rio Grande, in Thailand, Macao oder Neuseeland, in Alaska oder Indien - "Der TV-Weltenbummler" Hardy Krüger reiste in den letzten 30 Jahren, begleitet von der Kamera, quer durch die Kontinente. Bereits in den frühen 60er Jahren trieb es ihn in die Ferne: Von 1961 bis 1973 war er Besitzer des eleganten und luxuriösen Farm-Hotels "Momella Game Lodge" in Tansania, das dann bitter pleite ging.

Der Schauspieler, Schriftsteller und Hobby-Flieger will eigentlich Ingenieur werden, doch Bühne und Leinwand locken ihn schon früh. Ältere Kinogänger erinnern sich an den blonden, blauäugigen Strahlemann, der seit seinem unseligen Filmdebüt als 15-jähriger Pimpf in Alfred Weidenmanns Wehrmachts-Werbefilm "Junge Adler" (1943/44) ein gefragter Junge ist. 1945 spielt er Soldat im wirklichen Leben, in der Division "Brandenburg", und gerät schnell in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nach der Rückkehr ist er Schreiner in der Lüneburger Heide, dann Statist am Hamburger Schauspielhaus, wo ihn Wolfgang Liebeneiner entdeckt. Dann ist Krüger Sprecher beim NWDR. Bald aber gehört er schon zum Schauspiel-Ensemble großer Bühnen, zunächst in Hannover, später in Hamburg, Berlin, München und Stuttgart.

1949 geht es weiter beim Film, der Sunnyboy lässt Mädchenherzen höher schlagen: in Filmen wie "Das Fräulein und der Vagabund", "Diese Nacht vergess ich nie", "Kätchen für alles" (alle 1949), "Das Mädchen aus der Südsee" (1950) oder "Mein Freund der Dieb" (1951) und andere. Das sind Publikumsschlager, leicht und locker, wirkliches Format zeigt Krüger erst in anspruchsvolleren Filmen. Die sehen dann zwar auch so klischeehaft aus wie Harald Brauns "Solange du da bist" (1953), wo er als junger Kriegsheimkehrer erschrocken mitansehen muss, dass seine Frau zusehends in den Bann eines Filmregisseurs, dargestellt von O. W. Fischer, gerät.

Im selben Jahr spielt er auch unter der Regie von Otto Preminger mit Johanna Matz und Johannes Heesters an der Seite in "Die Jungfrau auf dem Dach". Daraus entsteht eine turbulente Komödie mit Eifersucht und Situationskomik, die in ein strahlendes, aber doch ironisch erzähltes Happyend mündet. Preminger dreht 1952 den Broadway-Hit von Hugh Herbert gleich in zweifacher Version, einmal mit den US-Team David Niven und William Holden, einmal mit den deutschen Schauspielern Hardy Krüger und Johannes Heesters. Dabei gerät die deutsche Version ungleich spröder, wenngleich die Zuckmayerschen Dialoge durchaus brillieren. Über dem Standard des damaligen deutschen Kinofilms lag das allerdings auffallend. Man kann das bei uns im Kino übrigens nachprüfen: Die amerikanische Version gibt es deutsch synchronisiert unter dem Titel "Wolken sind überall" zu sehen.

Krüger ist in den späteren Jahren häufig der Held im Kriegs- oder Gangsterfilm. 1956/57 ist er der positive, unpolitische Deutsche, Oberstleutnant Werra in Roy Bakers "Einer kam durch". "Der Fuchs von Paris" (1957) von Paul May erzählt die Geschichte eines misslungenen Verrats im Paris von 1944. Namhafte Offiziere der deutschen Wehrmacht versuchen gegen Hitlers Durchhalteplan zu manövrieren. Sie wollen den Allierten die Verteidigunspläne der deutschen Armee zuspielen. Mittler ist der junge Hauptmann Fürstenworth, dessen Onkel zu den Verschwörern zählt. Doch man hat Pech: der junge Offizier wird geschnappt, verhaftet, verhört, doch er schweigt - der guten Sache zuliebe. Sein Onkel begeht Selbstmord, er selbst stirbt aufrecht wie ein Mann.

Der deutsche Film der Ära Adenauer verhält sich solidarisch mit dem politischen Trend: Man spricht im Kino vom sinnlosen Krieg eines Wahnsinnigen und rettet die Ehre der deutschen Wehrmacht, ein paar Gestapo- und SS-Verantwortliche sind natürlich auch böse. Das Volk ist schicksalshaft in den Krieg geschlittert, der kleine Mann muss die Suppe, die ihm die da oben eingebrockt haben, auslöffeln. Dadurch ist das Ansehen der deutschen Wehrmacht vom Makel gereinigt. So sieht Paul May 1957 im deutschen Film die Lage, er ist nicht der einzige, und Hardy Krüger ist ein dankbarer Werbeträger solcher Ideologie.

"Banktresor 713" (1957) von Werner Klingler ist ein gehobener Gaunerfilm. Aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, gibt es für Herbert Burkhardt (Martin Held) die schwierigsten Probleme. Er findet keine Arbeit, hat den Anschluss an die Gesellschaft verloren, sucht nach einer Existenzgrundlage, - dabei wird er zum Verbrecher: Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder unternimmt er einen Bankeinbruch. Klingler hat mit ausgezeichneter Besetzung - Martin Held, Krüger und Nadja Tiller - einen für damalige Verhältnisse routinierten, spannenden Film inszeniert.

"Gestehen Sie, Dr. Corda" (1958) von Josef von Baky ist ein ungewöhnlicher Krimi. Narkosearzt Corda hat ein Verhältnis mit seiner Assistentin Gabriele, von dem seine Frau nichts weiß. Eines Tages findet man Gabriele ermordet im Park. Hauptverdächtiger ist Corda/Krüger, alles weist darauf hin, dass er von dem Verbrechen gewusst hat. Natürlich ist der Verdacht falsch: "Ein unschuldig Verurteilter ist eine Angelegenheit aller anständigen Menschen", heißt es im Vorwort zu Bakys Film, der die Geschichte eines klassischen Justizirrtums erzählt. Die Geschichte erinnert an die von R. A. Stemmle und Erich Engel bei der DEFA verfilmte "Affäre Blum" (1948), doch jener Film bezog sein Interesse aus dem politisch sozialen Hintergrund, der vorfaschistischen Zeit, während Baky ein rein menschliches Drama schildert. Dennoch ist dieser Film mit Krüger, Elisabeth Müller und Lucie Mannheim bemerkenswert sorgfältig und spannend inszeniert.

In Alfred Weidenmanns "Bumerang" ist Hardy Krüger Partner und Gegenspieler von Mario Adorf und Martin Held. 1959 folgt "Der Rest ist Schweigen" von Helmut Käutner mit Peter van Eyck, Rudolf Forster und Krüger. Dieser Hamlet aus dem Ruhrpott ist ein interessanter Versuch, doch er scheitert letztlich an der Unverbindlichkeit der Aussage. Sein Hamlet/ Krüger, als Privatgelehrter in den Wohlstandsjahren unserer Nachkriegsgesellschaft aus Amerika zurückkehrt und von dem Vorgefundenen enttäuscht, ist politisch und psychologisch ungenau angelegt. Immerhin ist der schüchterne Versuch, aktuelle Probleme ins Kinobild der späten 50er Jahre zu bringen, ein seltene Ausnahme für das Kino jener Tage. Bei Käutner spielt er im selben Jahr in "Die Gans von Sedan". 1961 ist er der Held in der Ost-West-Liebesgeschichte "Zwei unter Millionen", den er auch coproduziert.

"Hatari" (1961) von Howard Hawks zeigt ihn in illustrer Gesellschaft mit John Wayne und Elsa Martinelli, und das ist einer der besten und unterhaltsamsten Abenteuerfilme aus dem afrikanischen Busch: Die Geschichte einer Jagdsaison. Die Safari beginnt, einer der Männer fällt durch Unfall aus, ein anderer spendet ihm nicht nur Blut, sondern ersetzt ihn auch. Es gibt Rivalitäten um zwei Mädchen, doch Männerfreundschaften zerbrechen - zumindest bei Hawks - nicht.

"Der Flug des Phoenix" (1965) von Robert Aldrich zeigt Krüger wiederum in brillanter Star-Umgebung neben James Stewart, Peter Finch und Richard Attenborough: Die Transportmaschine einer Ölgesellschaft muss wegen eines Sandsturms in der Sahara notlanden. Krüger, der ehrgeizige junge Techniker baut aus dem alten Kasten ein schmuckes Flugzeug, das sich gerade noch rechtzeitig in die Lüfte erhebt. Der Dualismus zwischen dem amerikanischen Piloten und dem deutschen Flugzeugkonstrukteur bewegt sich zwar auf Klischee-Ebene, hier ehrgeiziger Neuerer, dort abgeklärter Konservativer, doch es ist eine spannend erzählte Geschichte, die durchaus auch ihre Kanten hat.

"Das Geheimnis von Santa Vittoria" (1969) von Stanley Kramer gibt ihm Gelegenheit, sich neben Anthony Quinn und Anna Magnani zu messen. Quinn glänzt als rustikaler Bürgermeister im süditalienischen Weinort Santa Vittoria, dessen Geheimnis darin besteht, dass er mit Hilfe der Bevölkerung eine Million Flaschen Wein vor den trinkfreudigen deutschen Invasoren versteckt. Während Bürgermeister Bambolini dem deutschen Kommandanten Sepp von Prum alias Hardy Krüger schöntut, spart seine resolute Ehehälfte Rosa alias Anna Magnani nicht mit giftig bösen Worten. Sie hilft der pfiffigen Milieuburleske über Längen und macht mit ihrer Skepsis und Überlegenheit die naive Story glaubwürdig.

Erst 1971 ist Hardy Krüger wieder in Deutschland tätig: in Francis Durbridges dreiteiliger TV-Krimi "Das Messer". Zwei Jahre später hat er das Glück, bei dem großen Stanley Kubrick zu spielen, in "Barry Lyndon" neben Ryan O'Neal und Marisa Berrenson. Der phantasievoll ironische Ausstattungsfilm nach einem Roman von William M. Thackeray handelt vom gesellschaftlichen Aufstieg und Untergang eines skrupellosen jungen Iren aus dem vorigen Jahrhundert. Er ist einer jener Gentlemanschurken wie John Gays Captain Macheath, der Held der "Bettleroper". Der Film schwelgt in Farben, Kostümen, in verschwenderischer Ausstattung.

Nach 15 Jahren Leinwandpause in Deutschland spielt er 1975 mit eine kauzige Rolle in Peter Schamonis "Potato Fritz", einem nicht sehr erfolgreichen deutschen Western, neben dem damaligen Fußball-Star Paul Breitner.

Als Richard Attenborough 1976 "Die Brücke von Arnheim" mit Stars wie Dirk Bogarde, Sean Connery, James Caan, Michael Caine, Elliot Gould, Gene Hackman, Ryan O'Neal, Robert Redford, Maximilian Schell, Laurence Olivier und Liv Ullmann dreht, gehört er dazu. Der Film handelt von der Schlacht von Arnheim, die eine der umstrittendsten militärischen Aktionen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war. Durch eine breitflächige Besetzung der Rheinbrücken in Holland hofften die Alliierten den Krieg im Handstreich beenden zu können. Das Unternehmen schlägt fehl und fordert ungeheuer viele Tote. Als kritischer Angriff auf falschverstandenes Militär-Ethos und kriegerische Aktionen gedacht, gerät der Film durch seine brillant inszenierte Materialschlacht zum abenteuerlichen Kriegsfilm.

Als Tom Sawyer ist Hardy Krüger 1985/86 in Sabaths "Wiedersehen im Herbst" mit Mario Adorf als Huckleberry Finn auf Tournee und im Fernsehen, als Feldmarschall Rommel steht er 1987 für den US-TV-Mehrteiler "Feuersturm und Asche" vor der Kamera. "Inside Man - Der Mann aus der Kälte" (1985) von Tom Clegg mit Dennis Hopper ist ein nicht uninteressant gestalteter Thriller, in dem es um die raffinierten Spiele von Geheimdiensten und Agenten geht. Ein Mann des schwedischen Geheimdienstes stützt ein Komplott und legt damit seine Gegner hinein. Sarkastisch und spannend.

1986 schreibt er für die NDR-Serie "Geschichten aus der Heimat" das Drehbuch "Sonnenschauer" und spielt in dieser Folge auch die Hauptrolle. 1987 sieht man ihn in dem Fernsehfilm "Ein Lachen im Gesicht und Narben auf der Seele".

Hardy Krügers Tochter Christiane (1946) aus der Ehe mit Renate Densow (1950 bis 1965) ist ebenfalls Schauspielerin, wie auch sein Sohn Harry jr. (1968) aus der zweiten Ehe mit der italienischen Malerin Francesca Marazzi (1966 bis 1977). 1978 heiratete Krüger die Amerikanerin Anita Park.

Weitere Filme mit Hardy Krüger: "Insel ohne Moral" (1950), "Schön muss man sein" (1951), "Alle kann ich nicht heiraten", "Illusion in Moll", "Ich heiße Niki" (alle 1952), "Ich und du", "Muss man sich gleich scheiden lassen?" (beide 1953), "Der letzte Sommer", "An der schönen blauen Donau" (beide 1954), "Alibi", "Der Himmel ist ausverkauft" (beide 1955), "Die Christel von der Post", "Liane, das Mädchen aus dem Urwald" (beide 1956), "Liane, Tochter des Dschungels" (1957), "Mit dem Kopf durch die Wand" (1958), "Die tödliche Falle" (1959), "Taxi nach Tobruk" (1960), "Sonntage mit Sybill" (1961), "Die vier Wahrheiten" (1962), "Sein größter Dreh" (1964), "Die Versuchung heißt Jenny", "Und die Wälder werden schweigen" (beide 1965), "Ein Mädchen wie das Meer", "Lautlose Waffen" (beide 1966), "La franciscain des Bourges" (1967), "Das rote Zelt", "Die Nonne von Monza" (beide 1968), "Die Schlacht an der Neretva" (1969), "Diabolisch" (1970), "Der Zeuge hinter der Wand", "Tod eines Fremden", "Im Alleingang" (alle 1972), "Papiertiger" (1974), "Jedem seine Hölle" (1976), "Die Wildgänse kommen" (1977), "Die Sturmfahrt der Blue Fin" (1979) "Feine gesellschaft - Beschränkte Haftung" und "Flammen am Horizont" (beide 1982), "Familiengeheimnisse - Liebe, Schuld und Tod" (2010).

Zur Filmografie von Eberhard Krüger
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