Ralph Richardson

Heimliche Liebe: Ralph Richardson und Michèle Morgan Vergrößern
Heimliche Liebe: Ralph Richardson und Michèle Morgan
Sir Ralph David Richardson
Geboren: 19.12.1902 in Cheltenham, Gloucester, England, Großbritannien
Gestorben: 10.10.1983 in Marylebone, London, England, Großbritannien

Sein Filmdebüt gibt Richardson mit 32 als Vikar in dem Boris Karloff-Horrorfilm "The Ghoul" von T. Hayes Hunter. Das ist 1933 und Richardson ist bereits ein bekannter Schauspieler am Old Vic. 1935 nimmt ihn Sir Alexander Korda unter Vertrag und Richardson bleibt 21 Jahre bei der Firma. Zu seinen vielen exzentrischen Rollen gehört der autoritäre Boss in William Cameron Menzies' antifaschistischen Science-Fiction-Politthriller "Things to Come" nach H. G. Wells (1935) und 1938 als ständig betrunkener Dr. Denny in King Vidors berühmter Cronin-Verfilmung "Die Zitadelle".

Richardson spielt in dem legendären Sudan-Abenteuerfilm "Vier Federn" von Zoltan Korda und er ist der hartnäckige Ehemann von Vivian Leighs "Anna Karenina", 1947 von Julien Duvivier inszeniert. Das ist eine Charakterrolle, wie man ihn immer wieder sieht: der gestrenge, unerbittliche alte Herr, der Verfechter der Tradition. Solche Rollen spielt er bei Carol Reed in "Kleines Herz in Not" (1948) und "Der Verdammte der Inseln" (1951), aber auch in William Wylers "Die Erbin" (1949). Zu seinen schönsten Filmrollen gehören noch der Flugzeugfabrikant in David Leans "Der unbekannte Feind" von 1952, der Duke of Buckingham in Laurence Oliviers "Richard III." (1955), der Vater Tyronne in Sidney Lumets "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (1962) und schließlich seine letzte Rolle, die des greisen 6. Lord of Greystoke in Hugh Hudsons "Greystoke - Die Legende von Tarzan" (1983).

Mit einer abgebrochenen Geste, mit einem hingemurmelten Satz, mit dem Blick aus einem halbzusammengekniffenen Auge kann er Heiterkeit, Entsetzen, Faszination auslösen. Er ist kein genialer Schauspieler, keiner ohne Makel, doch er ist einmalig, unnachahmlich, ein Wunder an Präzision? - Nein - an Gestaltungslust und -vermögen. Das Wunderbare an dem großen Schauspieler Ralph Richardson ist: Er hat - obwohl ganz der Tradition verhaftet - den Anschluß an die Moderne immer wieder gefunden. Richardson ist der große Shakespeare-Interpret, aber eben auch in David Storeys "Home", in Harold Pinters "No Man's Land" und in Joe Osbornes "West of Suez" zu Hause. Er ist ein Künstler von unendlicher Virtuosität, einer, der auch ohne einen gelernten Text auf die Bühne gehen kann, der aus dem Stegreif vortragen kann - ohne dass man dessen gewahr wird.

Richardson wird am Xaverian College in Brighton erzogen und besucht kurze Zeit die Kunstschule in Brighton, danach arbeitet er als Bürokraft in einem Versicherungsbüro. Ein Gastspiel der Sir Frank Benson Company entfacht seine Begeisterung fürs Theater. Er ist zuerst Bühnenmaler und übernimmt kleine Statistenrollen, bis er im Dezember 1921 seine erste Sprechrolle, den Lorenzo im "Kaufmann von Venedig" erhält.

Richardson ist ehrgeizig, er erweitert sein Können an Repertoirebühnen und hat 1926 mit der Greek Stage Society von "Oedipus At Colonus" im Londoner Scala Theater sein Debüt in der britischen Metropole. 1930 schließt er sich dem Old Vic an, wo er ein Jahr später als Erster Liebhaber in der Nachfolge von John Guilgud steht. 1935 folgt der erste Auftritt in New York. Nach seiner Rückkehr gründet Richardson mit Laurence Olivier eine Produktionsgemeinschaft und verwirklicht mit ihm "Bees on the Boat Deck" von J. B. Priestley - natürlich stehen beide gemeinsam auf der Bühne.

Anschließend spielt Richardson im Westend die Titelrolle in dem Bühnenerfolg "The Amazing Doctor Clitterhouse". Für die Saison 1937/38 geht er wieder ans Old Vic. Nach dem Krieg hilft er Olivier dem ehrwürdigen alten Theater seinen alten Glanz zu verleihen. Sir Ralph Richardson ist Legende unter den großen britischen Bühnenkünstlern und doch waren sein Shylock, sein Macbeth keine Erfolge und seine Lieblingsfigur, der große dicke Falstaff - auch über den gibt es außer Schwärmereien kritische Stimmen.

Noch kurz vor seinem Tod steht er in Eduardo de Filippos "Innere Stimme" auf der Bühne des National Theaters, die Bühne ist zu seinem Leben geworden. Man nennt seinen Namen oft im Zusammenhang mit zwei anderen großen britischen Mimen, seinen Freunden und Kollegen John Guilgud und Laurence Olivier. Man konnte sich nie entscheiden, wer von ihnen der Größte war. Aber Richardson ist einmalig, ein Sonderling mit liebenswerten Schrullen. In seinem Haus im Regentspark hielt er Papageien und er liebte - Motorräder.

Friedrich Thorberg beendet seinem Nachruf auf Richardson: "Ich gehöre zu den vielen, deren Leben er um viele glückliche Stunden bereichert hat, und ich habe eine unersätzliche Erinnerung: Ich sah ihn einmal auf seinem starken Motorrad, einer BMW 750 CC im Royal-Court-Theater ankommen. Abgeholt wurde er im Rolls-Royce."

Weitere Filme mit Ralph Richardson: "Bulldog Jack" (1935), "An einem Montag wie jeder andere" (1952, auch Regie), "Der Mann aus der Fremde", "Unser Mann in Havanna" (1959), "Exodus" (1960), "Die Strohpuppe" (1964), "Doktor Schiwago" (1965), "Khartoum" (1966), "Danach", "Krieg im Spiegel" (beide 1968), "David Copperfield" (1970), "Alice im Wunderland", "Tales From The Crypt - Gruft des Schreckens" (beide 1972), "Rollerball" (1974), "Der Mann mit der eisernen Maske" (1976), "Der Drachentöter", "Time Bandits" (beide 1981) und "Zeugin der Anklage" (1982).

Zur Filmografie von Sir Ralph David Richardson
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