Karl-Heinz Granitza ist ein Phänomen: In Deutschland ist er höchstens absoluten Statistik-Nerds und vielleicht ein paar Hertha-BSC-Fans ein Begriff. Dabei war er einmal ein Superstar in den USA. Der Stürmer sorgte in der North American Soccer League (NASL) für Furore, die von 1968 bis 1984 zahlreiche Star-Fußballer in die USA lockte und dort zwischenzeitlich für einen wahren Soccer-Boom sorgte. Granitza wurde 1984 von Hertha BSC an das amerikanische Team Chicago Sting transferiert, für die er bis 1987 aktiv war. In seiner Zeit in den USA erzielte der dort als „King Bomber Karl“ bekannte Spieler unzählige Tore, sowohl in der NASL als auch in der MISL (Major Indoor Soccer League), der Hallenliga. Der Journalist Stefan Hermanns hat Granitzas Geschichte nun aufgeschrieben und damit ein anekdotenreiches Buch vorgelegt, das weniger eine reine Autobiografie ist, sondern eine lebendige Mischung aus Biografie, Sportgeschichte und unterhaltsamer Erzählung – voll mit Fotos, Anekdoten und Reflexionen über den „Ausverkauf“ des Fußballs in den USA. Eine spannende Hommage an einen vergessenen deutschen Fußball-Pionier in Amerika – unterhaltsam, nostalgisch und informativ für Fußball-Fans, die die wilde NASL-Ära kennenlernen wollen.
„King Bomber Karl“
von Stefan Hermanns, Edel Sports, 352 Seiten, 24,99 Euro
ISBN: 978-3-985-88172-7
Wer den Fußball nicht nur als Spiel, sondern als Sammlung großer Geschichten begreift, wird an „Tore, Tränen und Triumphe“ viel Freude haben. Im Jahr der Weltmeisterschaft in Kanada, den USA und Mexiko ist das Buch ein passender Appetit-
macher. Andreas Matlé führt seine Leser durch die Geschichte der Weltmeisterschaften seit 1930 und verbindet dabei sportliche Höhepunkte mit emotionalen und historischen Hintergründen. Besonders überzeugend ist, wie anschaulich zentrale Momente der Fußballgeschichte aufgegriffen werden. So wird etwa das „Wunder von Bern“ 1954 nicht nur als sportlicher Überraschungssieg beschrieben, sondern auch als wichtiges Ereignis für das Selbstbewusstsein der jungen Bundesrepublik. Ebenso fehlt natürlich nicht die berühmte „Hand Gottes“ von Diego Maradona bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1986, die bis heute zu den umstrittensten Szenen der Fußballgeschichte zählt. Neben solchen ikonischen Momenten beleuchtet Matlé auch weniger bekannte Episoden: etwa organisatorische Pannen bei frühen Turnieren, politische Spannungen rund um einzelne Weltmeisterschaften oder kuriose Geschichten abseits des Spielfelds – wie den Diebstahl des WM-Pokals oder ungewöhnliche Trainingsmethoden mancher Teams.
„Tore, Tränen und Triumphe“
von Andreas Matlé, Droemer HC, 352 Seiten, 26 Euro
ISBN: 978-3-426-56696-1