In der dritten Staffel der britischen Serie "Broadchurch" lösen die Detectives Hardy und Miller ihren letzten Fall. Schade, denn die neuen Folgen entfalten noch einmal das ganze Suchtpotenzial, wie allein schon die Auftaktepisoden bewiesen haben.

Eine völlig verstörte Frau mittleren Alters taucht bei der Polizei in Wessex auf. Trish Winterman (Julie Hesmondhalgh) spricht zunächst kaum ein Wort. Sie sagt unter Tränen nur aus, dass sie vergewaltigt wurde, aber sie kann sich an nichts weiter erinnern. Offenbar war sie vor der Tat bewusstlos geschlagen worden ... – Schon diese Auftaktszenen sind derart beklemmend, dass auf Anhieb klar ist: Auch die dritte und letzte Staffel der britischen Ausnahmeserie "Broadchurch" entfaltet jenes Suchtpotenzial, das die Produktion einst geradezu legendär gemacht hat. Was ist hier nur geschehen? – David Tennant als Detective Inspector Hardy und Olivia Colman als dessen Kollegin Miller werden es herausfinden. Schon die Ermittlungen sind wie in den ersten beiden Fällen ein Ereignis für sich.

Was die vielen Fans vor allem interessieren wird: Hängen die Ermittlungen mit den Ereignissen der ersten beiden Staffeln zusammen, die sich um die Ermordung eines elfjährigen Jungen und den Gerichtsprozess gegen dessen Peiniger im kleinen Küstenort Broadchurch drehten? Auf jeden Fall führt auch dieser neue Fall ins beschauliche Küstenstädtchen Broadchurch. Es gibt alsbald ein Wiedersehen mit Beth Latimer (Jodie Whittaker), die noch immer um ihren vor drei Jahren ermordeten Jungen trauert, und ihrem Mann Mark (Andrew Buchan), der ein Buch über die traumatischen Geschehnisse von damals auf den Markt brachte ...

Doch zunächst dreht sich diese Geschichte ganz um die unscheinbare Trish. Die medizinischen Untersuchungen bestätigen ihre Angaben. Ihr wurde Gewalt angetan. Allerdings schon vor ein paar Tagen. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Wo war sie? Die Polizisten finden es zunächst nicht heraus. Doch sie vermuten aufgrund der Indizien bald einen Serientäter, was den Druck auf die Ermittlungen massiv erhöht. Nach und nach ergibt sich ein etwas genaueres Bild vom Tathergang: Trish, deren Erinnerungen schrittweise zurückkehren, wurde nach der Geburtstagsparty einer Freundin vergewaltigt. 50 Männer waren anwesend, theoretisch könnte jeder von ihnen der Täter gewesen sein. Und schon wieder ist praktisch der ganze Ort an der Küste von Dorset von einem Kriminalfall tangiert. Aber ist das Opfer, das sich in erste kleinere Widersprüche verstrickt, wirklich glaubhaft?

Sogwirkung hält auch in Staffel 3 an

Immer wieder sind es solche Fragen, neue Rätsel und Zweifel, die die Sogwirkung des dritten "Broadchurch"-Falls befeuern. Den Rest erledigen die Unikate Hardy und Miller. Die beiden bleiben sich auch diesmal treu: Die Ermittler nehmen sich scheinbar alle Zeit der Welt, lassen in aller Ruhe Eindrücke auf sich wirken, erlauben sich selbst Empathie und Emotionen, und sie schonen sich bei ihrer Arbeit nicht. Ihnen spricht in jedem Augenblick die ehrliche Betroffenheit aus dem Gesicht.

Gerade dieser zutiefst menschelnde Ansatz macht den Reiz an dieser Serie aus. Nicht umsonst avancierte "Broadchurch" vom Start weg im Frühjahr 2013 zum TV-Straßenfeger des Vereinigten Königreichs. Bis zu achteinhalb Millionen Menschen wollten damals in England wissen, wer Danny Latimer ermordet hatte, was für den ausstrahlenden Privatsender ITV einen Marktanteil von 34 Prozent zur Folge hatte. Staffel zwei konnte dieses Niveau längst nicht halten, obwohl die Kritiken wieder hervorragend waren. Einer vierten Staffel erteilten die beiden Stars David Tennant und Olivia Colman schon vor längerer Zeit eine Absage.

Somit heißt es also Abschied nehmen von einem Ermittlergespann, das sich bei aller Verschiedenheit doch auf charmante Weise kongenial ergänzte. "Darf ich Sie was fragen?", raunt Hardy in der Auftaktfolge einmal in Richtung Miller: "Seit wann sagen Sie Arschgeige zu mir?" Die schaut nur kurz verwundert auf und antwortet trocken wie eh und je: "Vom ersten Tag an!" Wer diese beiden nicht liebt, kann kein Menschenfreund sein.

"Broadchurch", seit dem 18. Oktober 2017, immer mittwochs, 20.13 Uhr, in Doppelfolgen beim Pay-Anbieter 13th Street.


Quelle: teleschau – der Mediendienst