Rolle als Leihoma in "Das Kindermädchen"

Saskia Vester: "Oma ist auch nur ein Wort"

von Anke Waschneck

In "Das Kindermädchen: Mission Mauritius" spielt Saskia Vester eine Leihoma. Im Interview spricht sie von den Schattenseiten der Schauspielerei, Dreharbeiten bei 40 Grad und ihrem Enkelkind.

Dass Saskia Vester schon 58 Jahre alt ist, merkt man der Schauspielerin keine Sekunde lang an. Sie sprüht beim InterviewtTermin in München nur so vor Energie. Dabei ist die gebürtige Saarländerin, die schon als Kind nach Bayern kam, inzwischen sogar schon Oma. So konnte sie sich auch privat ganz gut auf ihre Rolle als Au-Pair-Oma in "Das Kindermädchen: Mission Mauritius" (Freitag, 20. Oktober 2017, 20.15 Uhr, ARD) einstellen. Im Gespräch berichtet sie von der nächsten "Mission" und ihrer ungebrochenen Freude vor der Kamera zu stehen. Sie verrät auch, wie man mit den harten Seiten des Berufs umgeht.

prisma: Für den Film durften Sie auf Mauritius drehen. Da wird man glatt neidisch, wenn man die tollen Landschaftsaufnahmen sieht.

Saskia Vester: Neidisch muss man gar nicht sein. Ich hatte eine Sechstagewoche: immer um 5 Uhr aufstehen und mit Taschenlampe zur Maske irren. Und tagsüber waren Temperaturen von 30 bis 40 Grad im Schatten und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Das war ziemlich sportlich.

prisma: Die "Mission Mauritius" war die erste von Kindermädchen Henriette. Werden noch weitere Engagements folgen?

Vester: Ja, es ist eine Reihe geplant, und ich bin selbst schon sehr gespannt, wo es als Nächstes hingeht. Die Dreharbeiten sollen nächstes Jahr im April losgehen.

prisma: Haben Sie denn ein Wunschziel?

Vester: Ja, den Deininger Weiher. (lacht) Ich habe schreckliche Flugangst, und Sie können sich vorstellen, wie unpraktisch das für eine Schauspielerin ist.

prisma: Was mögen Sie an der Rolle der Henriette?

Vester: Henriette ist so herrlich geraderaus. Als ich das Drehbuch das erste Mal gelesen hatte, war ich total begeistert von der Figur, und ich wollte sie unbedingt spielen.

prisma: In welchen Szenen haben Sie sich besonders wohlgefühlt?

Vester: Eigentlich in allen, aber die Arbeit mit Susanna Simon hat besonders viel Spaß gemacht. Sie spielt eine echte Zicke im Film, die mit Henriette überhaupt nicht klarkommt. Auch wenn es auf dem Bildschirm nicht so aussieht – das soll es ja auch gar nicht, – hatten wir beim Drehen sehr viel zu lachen.

prisma: Im Film arbeiten Sie als Au-Pair-Oma, in echt haben Sie auch schon ein Enkelkind. Wie fühlt sich das Leben als Oma an?

Vester: Ein wenig komisch, aber ich bin noch ganz neu in dem Geschäft. Mein Enkelkind ist sehr jung. Trotzdem ist auch Oma nur ein Wort, und das definiert mich nicht. Ich werde deswegen nicht älter oder grauhaarig. Und backe leider immer noch keinen guten Apfelkuchen.

prisma: Wie sinnvoll ist in Ihren Augen die Tätigkeit als Au-Pair-Oma?

Vester: Der Job als Au-Pair-Oma ist doch super. Viele Senioren finden es belastend, nicht mehr "gebraucht" zu werden und keine Aufgabe mehr zu haben. Manche arbeiten vielleicht gerne und benötigen Feedback. Es wäre eher traurig, sobald die Rente ansteht, nur noch aus dem Fenster zu schauen und herumzusitzen. Daher finde ich jede Art von Beschäftigung und damit Bestätigung im Alter gut. In meinen Augen ist es enorm sinnvoll, wenn sich Senioren hilfreich einbringen. Viele wissen gar nicht, dass es diese Jobs gibt. Umso wichtiger, dass wir im Film das Thema aufgreifen und eventuelle Berührungsängste nehmen.

prisma: Würden Sie sich denn eine Aufgabe als Au-Pair Oma zutrauen?

Vester: Ich möchte meinen Beruf nicht wechseln, und Schauspielern kann man ja auch bis ins hohe Alter.

prisma: Das heißt, Sie hatten auch nie ein Plan B?

Vester: Nein, nicht wirklich. Die Schauspielerei ist meine große Liebe, da bin ich ganz monogam. Ich habe mal ein Buch geschrieben, das hat großen Spaß gemacht, aber mein Weg hat wieder auf die Bühne und vor die Kamera geführt, und dort bin ich auch sehr glücklich.

prisma: Hat die Schauspielerei denn keine Schattenseiten?

Vester: Doch natürlich! Es kann sehr hart sein, und wer in diesem Job bestehen will, muss starke Nerven haben. Es ergeben sich oft längere Pausen, in denen eben nicht gedreht wird. Wenn man dann aber wieder vor der Kamera steht, muss man 150 Prozent geben. Dieses Auf und Ab zwischen Engagements ist eine Belastungsprobe. Auch ich kann diese Pausen oft nicht genießen, wenn nicht mindestens das nächste Projekt geplant ist. Die Unsicherheit in der Branche geht einem schnell an die Nieren, und Schauspieler müssen erst lernen, damit umzugehen.

prisma: Das heißt, Sie haben sich auch oft einen geregelten Tagesablauf gewünscht?

Vester: Ich sage immer, im nächsten Leben werde ich Angestellte oder Bäuerin oder etwas in der Art. Ungefähr eine Million mal habe ich mir schon gewünscht, "ganz normal" zu sein. Ständig muss man mit neuen Leuten zusammenarbeiten, an fremde Orte reisen, neue Rollen lernen und so weiter. Das fordert eine unglaubliche Flexibilität und ist anstrengend. Aber es hält lebendig.

prisma: In einem Interview 2012 haben Sie gesagt, der Ruhestand sei etwas ganz Schreckliches. Sehen Sie das immer noch so, oder haben Sie fünf Jahre später schon eine andere Einstellung?

Vester: Nein, da stehe ich zu meinem Wort! Ich weiß gar nicht, was Ruhestand ist, dieser Zustand wäre komisch für mich. Ich bin doch fit und habe total Lust zu spielen und freue mich auf jede neue Rolle.

prisma: Gibt es denn Rollen, die Sie überhaupt nicht spielen wollen?

Vester: Das kann ich gar nicht so pauschal sagen, denn es gibt eigentlich nur gut geschriebene oder schlecht geschriebene Rollen. Wirklich gerne würde ich mal eine Doppelrolle annehmen, denn das habe ich noch nie gemacht.

prisma: Nehmen Sie die Rollen auch mit nach Hause?

Vester: Ja, ich merke das oft gar nicht so, aber mein Mann macht mich darauf aufmerksam. Wenn ich einen schweren Stoff spiele, dann legt sich das auch auf mein Denken und Sein. Wenn ich hingegen in eine Rolle wie Henriette beim "Kindermädchen" schlüpfe, dann bin ich automatisch fröhlicher.

prisma: Sind Sie dann nicht versucht, nur Komödien anzunehmen, damit man die Fröhlichkeit auch im Privaten hat?

Vester: Nein, gar nicht. Immer nur gute Laune ist ja auch langweilig. Das wäre wie, wenn man jeden Tag Kuchen isst. Ich habe das unglaubliche Privileg sehr unterschiedliche Rollen spielen zu dürfen, und genau das macht mir Spaß.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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