Wenn einem das eigene Leben sinnlos erscheint, wenn es zur Erfüllung der großen Träume längst zu spät ist, verfallen viele ältere Menschen in Depressionen. Eine fragwürdige Lösung scheint es, die zahlreichen vergangenen Wünsche und Vorstellungen stattdessen auf andere zu projizieren. Beispielsweise auf die Nachbarn.

Genau diesen Weg beschreitet im ARD-Spielfilm "Ich war eine glückliche Frau" ein pensioniertes Ehepaar, das in der jungen Familie gegenüber das pure Glück erblickt. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Die Hauptfigur des ambitionierten Ehedramas, eine junge Hausfrau und Mutter, leidet am plötzlichen Wandlungsdrang ihres Mannes. Eine außergewöhnlich inszenierte, doch nicht ganz überzeugend gespielte Reflexion über Manipulationen, die Verzerrung der Realität und nie erfüllte Träume.

Als Eva Sanders (Petra Schmidt-Schaller) mit ihrem Mann Jan (Marc Hosemann) und den beiden Kindern in das neue Luxushaus am Stadtrand zieht, ist alles perfekt. Gegenüber wohnt das ältere Ehepaar Blok (Rainer Bock und Imogen Kogge).

Frau Blok ist schwer erkrankt, sie redet nicht und schafft es kaum aus dem Bett. Bis sie eines Tages die nette junge Familie gegenüber als Beobachtungsobjekt für sich entdeckt. Ohne großen Kontakt zu den Nachbarn fantasiert sich die gerade noch kranke Dame herbei, wie schön das Leben der jungen Nachbarsfrau ist: ein toller Mann, Schriftstellerkarriere, tolle Partys. Dass in Wirklichkeit nicht alles strahlend Sonnenschein ist, spielt keine Rolle. Schließlich geht es ihr wieder gut.

Eine mysteriöse wie melancholische Geschichte

Das ARD-Drama erzählt die traurige Geschichte im Rückblick: Eva, inzwischen geschieden und umgezogen, spricht mit Herrn Blok, dessen Frau mittlerweile verstorben ist. Er beichtet der ahnungslosen Eva die Obsession, die seine Gattin hatte, und von der er selbst später angesteckt wurde. Er gesteht die langen Gespräche, die sich nur um die Nachbarsfamilie drehten; die eindringlichen Projektionen, die vor allem auf den eigenen Träumen des alten Paares basierten. Und schließlich auch die Manipulationen, die Eingriffe, die er vornahm, um die drohende Trennung der Nachbarn und damit die Zerstörung des Glücks seiner Frau zu verhindern.

"Ich war eine glückliche Frau" greift ein interessantes Themenspektrum auf, dass sich zwischen Einsamkeit im Alter, unerfüllten Lebensträumen und der Manipulation der Wirklichkeit bewegt. In düsteren Bildern gelingt dem Drama eine außergewöhnliche Inszenierung einer ebenso mysteriösen wie melancholischen Geschichte. Allein das Spiel der Darsteller versteht es nicht ganz, mit dem hohen Anspruch mitzuhalten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst