Um auch im Winter Touristen nach Eisenstadt zu locken, soll das Städtchen die Curling-WM ausrichten. Fehlt nur noch ein lokales Team, das PR-Managerin Vicky in dieser charmanten Komödie aus Österreich kurzerhand selbst zusammencastet.

"Sommer, Sonne, Eisenstadt": So lautet der Tourismus-Werbeslogan des Sommers für die kleine Hauptstadt des Burgenlandes. Und der im Winter dann halt: "Winter, Sonne, Eisenstadt". Der Touristik-Managerin Vicky Kapfensteiner (Katharina Straßer) ist das zu wenig, zumal sie gerade im Clinch mit ihrem PR-Chef Baumgartner liegt. Als sie dessen Präsentation zu langweilig findet, weil nicht jugend-affin, setzt sie gleich zum Eisenstadt-Rap an und fliegt daraufhin aus Baumgartners Firma. Jetzt zeigt es die auch vom Vater, einem der Eisenstädter Honoratioren, an die frische Luft gesetzte Vicky allen: Anlässlich einer WM-Ankündigung im TV kommt ihr – statt Weinkönigin oder Miss-Wahl – die rettende Idee, die Curling-Weltmeisterschaft kurzerhand nach Eisenstadt zu holen. Vicky will es in "Curling für Eisenstadt" allen beweisen: dem Ex-Chef und dem "Papilein", der sie immerzu nur seine "Prinzessin" nennt, weil sie ganz allein vom Nimbus ihres Vaters lebt.

Vicky ist ein Kraftpaket, schon an der Schule hat sie die "kleine Raupe Nimmersatt" gespielt und ihre Freundin Melanie (Marlene Morreis) in den Hintergrund gespielt. Ganz nach dem Muster von großen Vorbildern wie "Calender Girls" oder "Ganz oder gar nicht" castet Vicky ihr Eisenstädter Curling-Team. Es gilt vier Frauen zum Curling-Team zusammenzuschweißen. Alle haben von dem seltsamen Sport, der in Österreich übrigens ein Diaspora-Dasein fristet, noch nie etwas gehört: Melanie, die alte Freundin, Veronika (Emma Buntiger), die trotz ihrer Körperfülle mal Meisterin im Eiskunstlaufen war, und die total verplante Surferin Geri (Maddalena Hirschal), die immerzu kifft und über den Wolken schwebt. Vicky selbst macht den Skipper, sprich die Mannschaftsführerin, die den Laden zusammenhält.

Wie in Casting-Komödien üblich, ist das Suchen und Finden der unterschiedlichen Charaktere das Beste am Film. Alles scheint so wunderbar aussichtslos im Curling-fremden Eisenstadt: kein Sponsor, keine Trainingshalle, und nicht mal die sündteuren Granitsteine, die man zum Curling braucht, kann man bezahlen. Doch für Vicky und ihre Getreuen findet sich immer wieder eine Lösung: Beim Steinmetz auf dem Friedhof gibt es Granit, und der "Hendl Kaiser", größter Gefrierhendl-Hersteller "von ganz Ost-Österreich", stellt nicht nur seine Gefrierhalle zur Verfügung, sondern bietet sich auch gleich als Sponsor an – weshalb die Curlerinnen fortan unter dem Namen "Chicken Nugget Queens" firmieren.

Wem das alles noch nicht reicht, dem wird in dieser zweiten sportbesessenen Stadtkomödie nach "Harri Pinter, Drecksau", in der es sehr ruppig um einen abgehalfterten Eishockey-Spieler ging, noch ein Zweikampf zwischen einer Trainerin aus dem Osten (großartig männlich-herb: Maria Simon-Lade) und einer ebensolchen aus dem Westen geboten. Da ist eine alte Rechnung zu begleichen.

Dass sich die Ost-Trainerin am Ende mit dem Burgenländer Hendl-König vermählt, wirkt recht krachert. Wie sie sich dann aber beim "Spirit of Curling" genannten Fairplay zusammenfinden, die Eisenstädterinnen und die aus Kitz, hat schon seinen Tränendrüsen-Wert. Ein über weite Strecken unterhaltsamer Komödien-Kaiserschmarrn, mit vielen Gag-Rosinen drin und obendrüber Puderzucker, der so gut nur im Ösi-Dialekt funktionieren kann.


Quelle: teleschau – der Mediendienst