In einem kammerspielartigen Biopic versucht sich Regisseur Danny Boyle, dem Mythos Steve Jobs zu nähern. Kein leichtes Unterfangen ... Das ZDF zeigt den Film in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch.

Steve Jobs schaffte mit seinen Apple-Produkten gegen immensen Widerstand seiner Wegbegleiter ein einzigartiges, geschlossenes System, das mit allen anderen inkompatibel war. Auch der Mensch Jobs war eine weitestgehend unzugängliche Einheit, wie Michael Fassbender in seiner oscarreifen Darstellung von "Steve Jobs" zu veranschaulichen versteht. Das gleichnamige Biopic von Danny Boyle beruft sich auf die offizielle Biografie von Walter Isaacscon, aus der "The Social Network"-Autor Aaron Sorkin frei schöpfen durfte. Das Ergebnis gibt es nun auch erstmals im Free-TV bei ZDF zu sehen, allerdings zu sehr später Stunde in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch.

Sorkin unternimmt mit seinem dialoglastigen Skript erst gar nicht den Versuch, das komplette Leben der Ikone in 122 Minuten abzuarbeiten. Er beschränkt sich auf drei wichtige Ereignisse im Leben des iGods, die mit bahnbrechenden Produktpräsentationen zusammenhängen: die Vorstellung des Macintosh im Jahre 1984, vier Jahre später die des Cube von Jobs Konkurrenzfirma NeXT und zu guter Letzt die Präsentation des iMac im Jahre 1998. Der in dieser Hinsicht wagemutige, doch für Nicht-Apple-Jünger nicht einfach zu verstehende Film spielt also fast nur auf und hinter Bühnen.

Der Zuschauer lernt Jobs gleich zu Beginn als perfektionistischen Kotzbrocken kennen, der seinen genialen Programmierer Andy Hertzfeld (Michael Stuhlbarg) zusammenstaucht. Und das nur, weil kurz vor der Präsentation deutlich wird, dass die Funktion, den Macintosh "Hallo" sagen zu lassen, womöglich ausfällt. Backstage wartet auch noch seine von Sozialhilfe lebende Ex-Freundin Chrisann (Katherine Waterson) mit der fünfjährigen Lisa. Doch der kontrollsüchtige Millionär will trotz nachgewiesener Vaterschaft einfach nicht wahrhaben, dass sie seine Tochter ist.

Film kratzt an der Oberfläche

Seine Marketingchefin Joana Hoffmann (beeindruckend verkörpert von Oscar-Preisträgerin Kate Winslet) versucht den Wüterich in jeder Hinsicht in Schach zu halten. Auch Steve Wozniak (Seth Rogen), mit dem er einst in einer Garage den Grundstein seines Imperiums legte, zeigt sich zusehends frustriert über seinen hybriden Kumpel. Jobs selbst besitzt nur bescheidene Fachkenntnisse und weigert sich dennoch, das Team, das Apple zu Weltruhm verholfen hat, öffentlich zu würdigen.

Lisas Auftritte scheinen die Funktion zu haben, Steve Jobs ein wenig menschliches Antlitz zu verleihen. Dennoch wirkt dieser Subplot der verkorksten Vater-Tochter-Beziehung sehr bemüht. Besonders im dritten Akt kommt es zu einer Schlüsselszene zwischen der 19-jährigen Lisa und ihrem Vater, die dem Zuschauer unangenehmerweise nahelegen zu scheint, einem derart visionären Genie könne man alles verzeihen.

So hinterlässt der Film, der sicher mehr an der Oberfläche kratzt als beispielsweise "jOBS - Die Erfolgsstory von Steve Jobs" mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle, den einlullenden Nachgeschmack einer von Jobs perfekt inszenierten Produktpräsentation. Seinen i-Jüngern wird das Biopic bedenkenlos gefallen. Entscheidend nähergekommen ist man dem Menschen, der den Computer für jedermann ersann, trotz herausragender Schauspielerleistungen jedoch nicht.

Seine darstellerischen Fähigkeiten kann Michael Fassbender gerüchtehalber bald wieder unter Beweis stellen. Wie "Hollywood Reporter" kürzlich berichtete, übernimmt der irische Schauspieler die Hauptrolle im neuen Film von Regisseur Taika Waititi. "Next Goal Wins" erzählt den Weg der Fußballnationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa zu ihrem ersten Sieg der Geschichte nach.


Quelle: teleschau – der Mediendienst